Schnaittenbach
08.10.2018 - 10:18 Uhr

Viel Gesprächsstoff beim Treffen der Konsum-Frauen

Bei welcher Gelegenheit kann man erfahren, wie viel im Jahr 1946 ein Pfund Brot, ein Liter Milch oder ein halbes Pfund Butter gekostet haben? Ganz einfach – beim Treffen der ehemaligen Konsum-Verkäuferinnen.

Der Einladung von Waltraud Lorenz und Betti Bergmann (vorne, von links) folgen zehn ehemalige Konsum-Frauen. Zu der Damenrunde gesellt sich Betti Bergmanns Sohn Uwe (vorne rechts), der 2. Bürgermeister von Schnaittenbach ist. Bild: u
Der Einladung von Waltraud Lorenz und Betti Bergmann (vorne, von links) folgen zehn ehemalige Konsum-Frauen. Zu der Damenrunde gesellt sich Betti Bergmanns Sohn Uwe (vorne rechts), der 2. Bürgermeister von Schnaittenbach ist.

(u) Vor einem Jahr hatten sie sich im Kräuter-Stüberl in Schnaittenbach getroffen und vereinbart, 2018 wieder zusammenzukommen. Dass das wahr wurde, dafür sorgten mit Waltraud Lorenz (einstmals Gres) eine Hirschauerin und mit Betti Bergmann (einstmals Schorner) eine heutige Schnaittenbacherin. Ihrer Einladung in den Kräutergarten folgten zehn ehemalige Kolleginnen. Zur Damenrunde gesellte sich Betti Bergmanns Sohn Uwe, seines Zeichens 2. Bürgermeister der Stadt Schnaittenbach. Er hatte bei der Plauderstunde Wissenswertes über die Geschichte der Konsumgenossenschaften zu berichten.

Es lag in der Natur der Sache, dass zunächst Nostalgie angesagt war und die Zeiten lebendig wurden, als die Konsumläden in den beiden Kaolinstädten in den 1950er- und 1960er-Jahren noch allererste Adressen waren. Anders als heute war Einkaufen keine mehr oder minder anonyme Angelegenheit. Die Kundschaft wollte von freundlichem Verkaufspersonal bedient und bei Bedarf beraten werden. „Wir haben unsere Kunden - überwiegend waren es Frauen – gut gekannt und die uns auch“, hieß es. Freundlichkeit sei eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Mit interessanten Infos aus der Konsum-Anfangsjahren wartete Waltraud Lorenz auf. Im Vorfeld des Treffens hatte sie von den Seniorinnen Margarete Lederer (87 Jahre), Rita Schwinger (86) und Charlotte Stamminger (85) erfahren, dass im Gründungsjahr 1946 und in den Folgejahren im Konsum zentnerweise Kohlen verkauft wurden, die beim Anwesen Holzmann eingelagert waren. Zentnerweise gab es auch Kartoffeln. Das Kraut, das verkauft wurde, hatten die Verkäuferinnen selbst gehobelt und mit den Füßen eingestampft.

Wie sich die Preise für Grundnahrungsmittel entwickelt haben, zeigte Waltraud Lorenz an den Beispielen Brot, Milch und Butter auf. 1946 kostete ein Kilogramm Brot 31 Pfennige, ein Liter Milch 75 Pfennige und ein halbes Pfund Butter 78 Pfennige. 1960 musste man für das Kilo Brot bereits 1,20 Mark bezahlen, für den Liter Milch 1,25 Mark und für das halbe Pfund Butter 1,96 Mark. Den Verkäuferinnen wurde 1960 ein Stundenlohn von 7,22 Mark bezahlt.

Interessantes aus der Konsum-Gründerzeit konnte Schnaittenbachs 2. Bürgermeister Uwe Bergmann beisteuern. Er erläuterte der Damenrunde die Geschichte der Konsumgenossenschaften. Sie entstanden überall in Europa im 19. Jahrhundert als ein Ergebnis der Industrialisierung. Arbeitskräfte entflohen der Not auf dem Lande, zogen in die Städte und fanden sich in engen und schlecht ausgestatteten Wohnungen und in Arbeitsverhältnissen wieder, in denen sie weitgehend rechtlos waren. Ihren Bedarf an Lebensmitteln deckten sie bei Krämern. Diese zogen die Menschen aber buchstäblich über den Tisch durch ungenaues Wiegen und den Verkauf minderwertiger Waren. Noch dazu nahmen die Arbeiter mangels Zahlungsmitteln oft Kredite bei den Krämern auf und wurden so von diesen abhängig. Deshalb fanden sich schon früh Arbeiter und Handwerker zu Vereinen und Genossenschaften zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern. Im Nationalsozialismus wurden die Konsumgenossenschaften aufgelöst. Nach Kriegsende fanden sich die Menschen überall zusammen und bemühten sich, die Genossenschaften wieder zu gründen - so auch 1946 in Hirschau.

In diesen Genossenschaften sollten möglichst viele Menschen mit gleichen Bedürfnissen zusammengebracht werden. Gesellschaftsziel war nicht Gewinnmaximierung, sondern ein Nutzen für die Genossenschaftsmitglieder beim Einkauf preiswerter Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs. Außerdem bot der Konsum vor allem Frauen in der damaligen Zeit gute Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen und guter Bezahlung. Bei manchen Discountern sei dies eine Wunschvorstellung, schlug Bergmann die Brücke zur heutigen Zeit. Auch in anderen Bereichen sollte wieder vermehrt auf Genossenschaften gesetzt werden, etwa beim Wohnungsbau, sagte er.

Wie bei den vorausgehenden Zusammenkünften ging den Konsumdamen der Gesprächsstoff nicht aus. Am Ende war man sich wieder einig: 2019 gibt es eine Fortsetzung.

 
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