29.04.2020 - 17:09 Uhr
SchönseeOberpfalz

Abschied von der Männerrunde

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Vollgestopft mit Terminen verbringt Birgit Höcherl ihre letzten Arbeitswochen im Rathaus. 24 Jahre lang war sie die einzige Frau im Stadtrat. Ab 1. Mai setzt sie ihre Schwerpunkte neu.

Ab sofort mehr Zeit für gemütliche Stunden: Die scheidende Bürgermeisterin Birgit Höcherl freut sich über die Neugestaltung des Spielgeländes beim Moorbad und nimmt auf einer der drei wuchtigen Bänke Platz. Diese hat der städtische Bauhof über den Winter angefertigt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Ich hab die Anweisung, am Donnerstag um 11 Uhr im Rathaus anzutreten", sagt Birgit Höcherl beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien lachend. Vorher hat sie einen Ortstermin am Klöppel-Trafo ausgemacht. "Es wird schon 16 Uhr werden, bis ich rauskomme", schätzt sie ihren letzten Arbeitstag im Schönseer Rathaus ein. 2008 und 2014 wurde sie als ehrenamtliche Bürgermeisterin gewählt. "Ich hab das Amt immer als Vollzeitjob gesehen", bekräftigt sie.

Als "Hausfrau" beworben

Zu Hause kümmerte sie sich um die Erziehung der drei Töchter (jetzt 22 bis 26 Jahre alt), im Stadtrat war die gebürtige Schönseerin 24 Jahre lang die einzige Frau. 1996 startete Birgit Höcherl als CSU-Stadträtin und wurde ab 2002 zur Dritten Bürgermeisterin gewählt. Obwohl sie als Industriekauffrau bei der MMM in Stadlern einen Beruf vorweisen konnte, bewarb sie sich 2008 als "Hausfrau" um die Nachfolge von Bürgermeister Hans Eibauer. "Ich hab das damals ganz bewusst gemacht, um eine Lanze für die so wichtige Aufgabe in der Familie zu brechen." Dass sie nun weitere zwölf Jahre ausschließlich mit Männern im Stadtrat verbracht hat, war sie von ihrem Berufsleben - EDV war früher eine Männerdomäne - gewohnt. "Ich hatte und habe zu vielen Stadträten ein freundschaftliches Verhältnis und fühlte mich immer respektiert." Außerdem sei ihr nie ein "Zacken aus der Krone gebrochen, auch mal zu fragen.

Der Bau der neuen Kläranlage stand zu Beginn der Amtszeit im Fokus, ebenso wie die energetische Sanierung von Grundschule und Rathaus. Ein großes Ding war die Deponiesanierung mit Errichtung des neuen Recyclinghofes. "Ebenso war es mir immer ein großes Anliegen, im Bereich mit städtebaulichen Maßnahmen voranzukommen", betont die Powerfrau. Sie forcierte den Straßenausbau im Sanierungsgebiet, die Neugestaltung des Areals der Alten Schule, die Sanierung mit Anbau am ehemaligen Zäch-Stadel, das künftige Bürgeraktivzentrum. In Absprache mit der Kirche wurden Kinderkrippe und jetzt auch Kindergarten neu gebaut und Freude bereitet der Erhalt des letzten Hauses der Bügellohe. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir für die ehemalige Hauptschule früher eine Förderung bekommen, da dieses Gebäude wichtig für unsere Vereine ist", ergänzt Höcherl. Für das Senioren-Wohnprojekt stellte sie noch Ende April die Weichen.

Noch gut in Erinnerung ist ihr ein schönes Erlebnis aus den ersten Jahren: "Wir hatten die Klassenzimmer der Grundschule neu möbliert. Als ich nach einem Sonntagsgottesdienst aus der Kirche ging, da zupfte mich ein Schulkind an und sagte ,Danke Frau Bürgermeisterin für die schönen Möbel'. Das hat mich damals sehr gefreut." Ein weniger schöner Anlass war der Wegfall des Edeka-Marktes in der Hauptstraße: "Leider hat in solchen Fällen die Kommune keinen Einfluss."

Von der Geburt bis zum Tod

Als Frau auf dem Chefsessel legte sie Wert auch auf "weiche" Faktoren: "Als Bürgermeisterin ist man Ansprechpartnerin in allen Lebensbereichen". Sie führte Geschenke für Neugeborene ein und verschickte Kondolenzkarten. Nicht einfach waren die Grabreden, besonders für gute Bekannte. Gerne bereitete Birgit Höcherl aber die ausführliche Laudatio für die ausscheidenen Stadträte vor, schließlich gehörten drei davon über 40 Jahre lang dem Gremium an.     Ihr Rückblick fällt positiv aus: "Grundsätzlich ist das Amt der Bürgermeisterin sehr schön, da man gestalten und Projekte voranbringen kann." Sie schränkt aber auch ein: "Ich muss zugeben, dass vor allem Stadtratssitzungen in den letzten fünf Jahren für mich sehr anstrengend waren." Sie verzichtete auf eine erneute Kandidatur, wird aber als Kreisrätin politisch aktiv bleiben. Sie freut sich auf mehr Zeit mit der Familie und darauf "unser Haus auf Vordermann zu bringen". Als Vorsitzende des Paschervereins wird Birgit Höcherl aber die Gemeinschaft am Eulenberg in Coronazeiten vermissen. Hier ist sie seit Anfang der 2000er-Jahre aktiv und quasi die "Mutter" des 2007 gestarteten Freilichtspiels "Pascher - die Nacht der langen Schatten".

Ich hab das Amt immer als Vollzeitjob gesehen.

Birgit Höcherl, ehrenamtliche Bürgermeisterin

Birgit Höcherl, ehrenamtliche Bürgermeisterin

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