02.03.2021 - 15:25 Uhr
SchönseeOberpfalz

Nature Community: Gemeinschaft mit pfiffiger Geschäftsidee

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3. März vor fünf Jahren: Das frühere Oberpfälzer Viersternehotel St. Hubertus in Schönsee geht in den Besitz der Nature Community über. Die Genossenschaft hat einen ganz eigenen Charme.

Andreas Materne (links) und Uli Jung (rechts) vom Vorstand der Genossenschaft eG sowie Organisatorin Karin Magnus (Mitte) sehen zuversichtlich in die Zukunft der Nature Community.
von Hans EibauerProfil

Der Eigentümerwechsel vor fünf Jahren wird von manchen immer noch mit Argusaugen verfolgt. Die Nature Community, eine Genossenschaft mit heute 40 Erwachsenen und 10 Kindern, lässt sich von außen nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Durch Corona ausgebremst

Schönsee

Der erste Eindruck beim Rundgang: Platz und Räumlichkeiten ohne Ende. Das ist für das Zusammenleben einer so großen Gruppe Gleichgesinnter schon die halbe Konfliktbewältigung und der Schlüssel für kreative Entfaltung. „Ja, es war wie ein Sprung ins kalte Wasser“ sagt Andreas Materne, der es 2015 maßgeblich mit einfädelte, dass Anfang März 2016 endlich und lang ersehnt die Nature Community (NC) das Objekt zur Verwirklichung ihrer Vorstellung vom veganen Leben und friedlichen Miteinander in einer großen Gemeinschaft übernehmen konnte.

Große Nachfrage

Uli Jung und Andreas Materne vom Vorstand der eingetragenen Genossenschaft freuen sich mit Karin Magnus, bei der viele organisatorischen Fäden zusammenlaufen, dass „wir die nicht leichten Anfangsjahre hinter uns haben. Trotz Corona war 2020 das wirtschaftlich beste der fünf Jahre der Nature Community.“ Die größeren Veranstaltungen wie das Love & Peace Festival und das GEN-Europe-Treffen mussten leider abgesagt werden. "Das Programm für 2021 steht ziemlich, wir gehen positiv in dieses Jahr", sagt Uli Jung. Die Nachfrage ist sehr groß, die Räume sind durch externe Nutzer schon nahezu ausgebucht. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die NC mit dem großzügig ausgebauten ehemaligen Faßl und weiteren kleineren Räumen ideale Voraussetzungen bietet, um Corona-Auflagen für überschaubare Gruppen zu erfüllen. Was heuer im Detail möglich ist, hängt natürlich von der Pandemie-Entwicklung ab.

„Die Genossenschaft mit derzeit 40 Mitgliedern hat für insgesamt 70 Personen Platz, die hier leben und sich einbringen können. Derzeit gibt es jede Menge Nachfrage. "Es ist zu spüren, dass Corona die Suche nach gemeinschaftlichem Leben beflügelt“ meint Andreas Materne. Die Ergänzung von Karin Magnus „es ist aber nicht ohne, in einer Gemeinschaft zu leben“ bringt es auf den Punkt. Manche phantasieren sich das Leben in einer Gemeinschaft wie in einer Bilderbuchwelt zusammen. Die Realität in der Nature Community schaut anders aus. Da gibt es klar definierte Aufgaben und Regeln, es werden vor allem auch die musikalischen, künstlerischen und handwerklichen Talente der Mitbewohner geweckt.

Räume edel verwandeln

Beim Renovieren ist jetzt der Wellnessbereich des Hotels dran. Das frühere Solarium, einst ein kahler Raum, ist wie verwandelt. Iris von Boyen und Ben Neumann haben mit Spachteltechnik golden schimmernde marmorierte Wände geschaffen, die wie ein Kunstwerk anmuten. Gerade sind beide dabei, ihre Leidenschaft des upcyclens an Mauerbögen fortzusetzen, sogar hauchzartes Goldpapier ist im Spiel.

Karin Magnus spannt einen Bogen von 2016 bis 2021: Das Faßl als größte Maßnahme ist renoviert, Haus Georg, das frühere Bettenhaus und einige Bungalows wurden zum Wohnen für die ständigen Bewohner hergerichtet, die Dachterrasse vom Schwimmbad ist abgedichtet und Gemeinschaftsräume wurden geschaffen. 150 000 Euro stehen in den fünf Jahren für ökologisch einwandfreie Baumaterialien auf der Ausgabenseite, die handwerkliche Arbeit ging in Eigenleistung über die Bühne.

Tiny-House-Projekt

Uli Jung, selbst Architekt, führt am Schluss des Rundgangs hinauf zum ehemaligen Jagdmuseum. Im Rückgebäude ist Andreas Artem am Werk. In der NC kann er ungebremst seiner handwerklichen Leidenschaft für Holz nachgehen. Er ist der Chef des heuer im Winter gestarteten Tiny-House-Projekts. Gerade baut er an einem Musterhaus auf einem Tandemanhänger von der Stange. „Daraus wollen wir ein Business machen“, klingt es selbstbewusst aus seinem Mund. Ziel ist, monatlich mit zwei bis drei Leuten aus der Genossenschaft ein Tiny-House mit ökologisch zertifizierten Materialen zu produzieren. Verschiedene Größen sind möglich, wie sie die Straßenverkehrsordnung noch zulässt.

Wo die Reise in den nächsten fünf Jahren hingeht, da sind sich die drei Gesprächspartner einig: Die Genossenschaft erweitern, Ideen wie dem Tiny- House-Projekt Spielraum geben, die Gebäude Zug um Zug renovieren, auf einem angrenzenden landwirtschaftlichen Grundstück Feldfrüchte selber anbauen und damit einen großen Schritt in Richtung Selbstversorgung schaffen. Das passt zur ausschließlich veganen Ernährung. Beim Start 2016 war vegan noch ziemlich exotisch, heute ist es fast schon zu einem Trend geworden. Die NC will sich keinesfalls abkapseln, sondern, sobald es Corona zulässt, die Türen immer wieder für das Publikum öffnen. Wie gehabt mit Open-Air Veranstaltungen, Tanz- und Musiktreffen oder beim vierzehntägigen Kaffeeplausch auf der ehemaligen Hotelterrasse.

Hintergrund:

Gruß aus Schönsee

Wenn neue Bewohner in der Nature Community einziehen, dann bringen sie oft persönlichen Nachlass mit. Sehr oft sind umfangreiche Bibliotheken dabei. Sie landen in der Hausbücherei, in der jeder nach Lust und Laune stöbern kann. Karin Magnus ist dabei auf farbige Postkartengrüße aus Schönsee aus dem Jahr 1904 gestoßen, die jemand in seinem Fundus hatte. Das Panoramafoto gibt den Blick auf Schönsee vom Drechselberg aus frei, eingefügte kleinere Fotos zeigen das Rosenthal, die Villa Wolf der Rosenhofbesitzer und das Forsthaus in Mitterlangau.

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