01.11.2020 - 14:59 Uhr
SchönseeOberpfalz

Schönsee will mit Energiekonzept neue Wege gehen

Auf Antrag der CSU-Fraktion zeigt der Stadtrat Interesse an einem Energienutzungsplan für Schönsee. Das Ziel ist eine wirtschaftliche Wärme- und Elektrizitätsversorgung mit lokaler Wertschöpfung. Stefan Beer stellte die Details vor.

Eine Biogasanlage kann Strom und Wärme liefern. Ein interessantes Energiekonzept für Schönsee könnte deshalb ein Biomasseheizkraftwerk mit Wärmenetz sein. Der Energienutzungsplan liefert dazu Entscheidungsgrundlagen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Auf der jüngsten Stadtratssitzung lag ein Antrag der CSU-Fraktion zur Aufstellung eines Energienutzungsplanes (ENP) vor. „Die Wärmeversorgung im Bereich der Stadt Schönsee basiert noch zu einem erheblichen Teil auf fossilen Brennstoffen (wie Heizöl) und Einzelfeuerungsanlagen“, lautete die schriftliche Begründung des Fraktionsvorsitzenden Christian Weinfurtner. Er verwies darauf, dass es bei der Stromversorgung bereits erste Ansätze in Richtung erneuerbare Energien (Photovoltaikanlagen) gebe sowie auch bereits mehrere Biogasanlagen, die zum Teil Wärme auskoppeln. „Die Fraktion hält es für dringend erforderlich, eine ganzheitliche und wirtschaftliche Wärme- und Elektrizitätsversorgung für Schönsee zu entwickeln.“

Der Energienutzungsplan der Gemeinde Thanstein

Die Bürger beteiligen

Die detaillierte Vorstellung des Energienutzungsplans (ENP) übernahm Prof. Dr.-Ing. Stefan Beer aus Gaisthal, der durch seine Lehrtätigkeit an der OTH Amberg-Weiden ein Fachmann in Energiethemen ist. Sehr anschaulich erläuterte er dem Gremium Motivation, Ziele, Vorgehensweise und Ergebnisse. „Die Hälfte der Energie geht für die Wärme drauf“, fasste er eine Tabelle zusammen. Um das Ziel 2050 mit einer weitgehenden Treibhausgas-Neutralität zu erreichen, habe Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein Förderprogramm für die Aufstellung eines Energienutzungsplans aufgelegt (bis zu 70 Prozent der Kosten). „Der ENP ist ein kommunales Planungsinstrument, um ein ganzheitliches und umweltverträgliches Energiekonzept zu entwickeln“, betonte der Professor.

Mit Bürgerbeteiligung werde zunächst eine Bestands- und Potenzialanalyse erstellt. Bei der Konzeptentwicklung gehe es dann um Einsparungen und die Effizienzsteigerung mit erneuerbaren Energien. Der Referent sprach Ziele wie Klimaschutz, nachhaltige Energieversorgung, Wirtschaftlichkeit und die Berücksichtigung der regionalen Wertschöpfung an: „Wärme soll anstatt mit Öl beispielsweise mit einer Hackschnitzelheizung oder einer Biogasanlage erzeugt werden.“ Für die Ermittlung aller Datengrundlagen werden Fragebögen an die Bürger verteilt. „Ein Nahwärmenetz macht nur Sinn, wenn die Wärme auch abgenommen wird“, verwies Beer. Festgestellt wird der Gesamtstromverbrauch in der Gemeinde sowie die Energieinfrastruktur (Wärmeleitungen, Gasnetz, Biogasanlagen, Kraft-Wärme-Kopplungen, PV-Anlagen, Wärmepumpen, Einzelfeuerungsanlagen). Auch die mögliche Nutzung von Solarenergie, Wind, Wasser, Biomasse und Biogas sowie oberflächennaher Geothermie wird geprüft. Das Ergebnis gibt es in anonymisierter Weise, dargestellt beispielsweise als Karte mit der siedlungsbezogenen Wärmebedarfsdichte.

Es folgt die Entwicklung von auf die Gemeinde zugeschnittener Energiekonzepte und deren Vergleich hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Wie Stefan Beer informierte, hält der Bayerische Gemeindetag eine Liste von Fachplanern bereit, die einen förderfähigen Energienutzungsplan erstellen. Der Gemeindetag gibt auch Hilfestellung bei der Ausschreibung und Auswahl.

Der ENP ist ein kommunales Planungsinstrument, um ein ganzheitliches und umweltverträgliches Energiekonzept zu entwickeln.

Stefan Beer

Stefan Beer

Näher informieren

„Dass wir das Konzept auf den Weg bringen, ist unstrittig“, erklärte Bürgermeister Reinhard Kreuzer. Sein Vorschlag: Kontakt mit dem Bayerischen Gemeindetag aufnehmen und sich dann zu einer Klausur treffen, „um es sinnvoll und zügig auf die Gleise zu bringen“. Christian Weinfurtner dankte Stefan Beer, dass er das Thema vorantreibt und meinte: „Früher war Öl einfach zu billig.“ Josef Eibauer verwies auf bereits vorhandene Energiearten und das Potenzial in Schönsee. „Das EVP gibt es seit 2011, und es wurde nichts gemacht. Jetzt ist Zeit, etwas voranzubringen“, warf Bärbel Placke ein. Christian Weinfurtner regte an, für 2021 einen Haushaltsansatz in Höhe von 60 000 Euro zu berücksichtigen, „dann wären wir auf einem guten Weg“. Denn die Gemeinde müsse die Kosten zunächst vorstrecken. Etwas abweichend vom CSU-Antrag formulierte Geschäftsstellenleiter Matthias Jeitner den Beschluss, der mit einer Gegenstimme angenommen wurde: „Der Stadtrat beschließt, dass die Stadt Schönsee Interesse an einem Energienutzungsplan hat und als nächster Schritt die Verwaltung die Informationen beim Bayerischen Gemeindetag einholen soll.“

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