13.01.2022 - 16:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Aggressiv und hysterisch: Polizei muss junges Paar fesseln

Ein junges Paar aus dem Drogenmilieu wird bei einer Kontrolle überaus aggressiv, beleidigt Polizeibeamte, greift sie an. Das Schwandorfer Jugendschöffengericht zieht Konsequenzen.

Das Schild über dem Eingang des Schwandorfer Amtsgerichts.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Wimmern und Weinen aus einer Schwandorfer Wohnung, mitten in der Nacht: Für einen Nachbarn im Mai vergangenes Jahr Grund genug, die Polizei zu alarmieren. Die klopfte schließlich an die Wohnungstür eines jungen Paars aus Schwandorf. Was zunächst nach einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt ausgesehen hatte, entwickelte sich für die Beamten in eine ganz andere Richtung

Denn: Die beiden Uniformierten mussten sich nicht nur übelste Beleidigungen anhören, sondern wurden auch körperlich angegriffen. Die beiden jungen Leute mussten sich deshalb am Dienstag vor dem Schwandorfer Jugendschöffengericht verantworten. Widerstand, tätlicher Angriff gegen Polizeibeamte, Körperverletzung und Beleidigung lauteten die Vorwürfe von Staatsanwältin Teresa Steiner.

Vor der Vorsitzenden, Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer, saßen eine 19- und ein 21-Jähriger, die beide tief im Drogensumpf waten. Auch an jenem Abend im Mai hatten sie einen Joint geraucht. Von Streit in der Partnerschaft war allerdings keine Rede. Vielmehr sei sie durch das Klopfen der Beamten aus dem Bett geholt worden damals, berichtete die junge Frau. Dass sie die Polizeibeamten gleich mit "verpisst euch" begrüßt habe soll, wies sie von sich.

Nicht zu beruhigen

Die Beamten sahen sich in der Wohnung um, kontrollierten die Personalien. Von einer Auseinandersetzung entdeckten auch sie nichts. Plötzlich aber kippte anscheinend die Stimmung - womöglich deshalb, weil die Polizeibeamten der 19-Jährigen das Rauchen untersagten. "Die Frau ist hysterisch auf ihrem Bett herumgesprungen," erinnert sich einer der Polizeibeamten, "rauf und runter." Die junge Frau wurde daraufhin in einem Gerangel zu Boden gebracht und in Handschellen gelegt. Anders zu beruhigen war sie offenbar nicht. Ihr Freund sprang ihr bei, drängte sich zwischen die Beamten. Die fesselten nun den 21-Jährigen, der das mit übelsten Schimpfworten quittierte. Die junge Frau indes konnte sich in der Zwischenzeit aufrichten, beschimpfte einen der Beamten als "Wichser" und trat ihn mit dem Fuß an den Oberkörper. Der Tritt allerdings, so die junge Frau, sei keinesfalls gezielt gewesen, vielmehr eine Art Reflex.

Irgendwann im Gerangel hatte einer der Beamten den Notrufknopf an seinem Funkgerät gedrückt und so Verstärkung geholt. Die traf ein, die Lage beruhigte sich.Das Pärchen wurde ins Krankenhaus zur Blutentnahme gebracht. Die Proben bestätigten, was die jungen Leute vor Gericht zugaben: Sie hatten Marihuana geraucht. Der Blick in die Vergangenheit des Pärchens im Bericht der Jugendgerichtshilfe brachte ein erschütterndes Bild: Gewalt in der Familie, Heimaufenthalte, Obdachlosigkeit, abgebrochene Ausbildung, Drogen.

Sieben Vorstrafen

Die beiden Polizeibeamten lagen zwar in ihren Aussagen in einigen Punkten auseinander. Dennoch sah Staatsanwältin Teresa Steiner ihren Anklagevorwurf bestätigt. Sie forderte für die einmal vorbestrafte junge Frau einen Jugendarrest von zwei Wochen. Gleich sieben Vorstrafen wies das Register für den 21-Jährigen auf. Er solle deshalb zu einer Jugendstrafe von acht Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt werden, so die Anklägerin.

Von einer "psychischen Ausnahmesituation" der jungen Frau sprach ihr Verteidiger Julian Wunderlich in seinem Plädoyer. Die Aussagen der Polizeibeamten lägen so weit auseinander, dass zugunsten der 19-Jährigen lediglich von Widerstand und Beleidigung auszugehen sei, nicht von einem tätlichen Angriff. "Er hat seine Freundin nur schützen wollen", plädierte der Anwalt des 21-Jährigen, Heinz Ettl.

Das Jugendschöffengericht folgte in seinem Urteil schließlich der Forderung der Staatsanwältin. Die junge Frau muss nicht nur zwei Wochen Arrest absitzen, sie muss auch unentgeltlich 50 Stunden arbeiten und bei der Ambulanz für Suchtprobleme vorsprechen. Ihr Freund wurde zu einer Jugendstrafe von acht Monaten verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Im wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, außerdem muss er 150 Stunden unentgeltlich arbeiten.

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