29.06.2021 - 15:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bahnstrom: Gutachten für Leitung durch Schwandorf

Eine Bahnstromleitung mitten durch Schwandorf? Folgt die Bahn Empfehlungen eines Gutachtens, könnte das im Zuge der Elektrifizierung Realität werden. Auch Anlieger des Ostbayernrings im Landkreis müssen mit einer weiteren Leitung rechnen.

Wenn die Oberleitungen für die Elektrifizierung kommen, wird sich das Bild des Schwandorfer Bahnhofs gründlich ändern. Zu den Oberleitungen könnte auch noch die Bahnstromversorgung Burgweinting-Schwandorf hier durch die Stadt verlaufen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Elektrifizierung der Bahnstrecken Hof-Schwandorf-Regensburg und Nürnberg-Schwandorf-Furth im Wald soll bis Ende des Jahrzehnts Wirklichkeit werden. Für den Menschen im Landkreis bietet das einerseits die Chance auf bessre Anbindung an das Fernverkehrsnetz, für die Anlieger an den Strecken bedeutet es aber mehr Belastungen, etwa weil sich der Güterverkehr verzehnfachen soll. Und: der Strom muss erst einmal zu den Gleisen.

Die Bahn betreibt aus technischen Gründen ein eigenes Stromnetz, das Einspeisepunkte (Unterwerke) in die Oberleitungen versorgt. Nordostbayern soll nun mit eigenen Leitungen durchzogen werden – von Regensburg bis Weiden, von Lauf an der Pegnitz bis Schwandorf, auch weiter Richtung Furth im Wald über Bodenwöhr oder Roding. Besonders im Landkreis Amberg hatte sich lauter Widerstand gegen die geplanten Stromleitungen geregt. Bahn, Politik und Bürgerinitiativen einigten sich darauf, dass ein unabhängiges Gutachten Vorschläge bringen soll. Das hat Professor Arnd Stephan von der Technischen Universität nun vorgelegt. Schwandorf als Knotenpunkt der Bahnlinien wird von den Leitungen massiv tangiert. Folgende Vorschläge ergeben sich aus dem Gutachten.

Irrenlohe-Wiesau

In Irrenlohe soll ein Unterwerk entstehen. Von dort bis Wiesau (Kreis Tirschenreuth) soll die Bahnstromleitung der Trasse der Hochspannungs-Freileitung Ostbayernring folgen und im Schutzstreifen errichtet werden. "Vorhandene Schutzstreifen werden so optimal genutzt und nur eine geringe Fläche wird zusätzlich benötigt. Um gegenseitige Beeinträchtigungen der Leitungen auszuschließen, ist ein gewisser Sicherheitsabstand erforderlich", so ein Bahnsprecher auf Anfrage der Oberpfalz-Medien. Bahnstrom-Freileitungen laufen in der Regel auf etwa 31 Meter hohen Masten und tragen vier Leiterseile. Der Bau im Schutzstreifen könnte noch Probleme geben: Netzbetreiber Tennet plant im Schutzstreifen Ausgleichsmaßnahmen für den Ersatzneubau des Ostbayernrings.

Regensburg/Burgweinting-Irrenlohe

Ab der südlichen Landkreisgrenze zu Regensburg soll die Bahnstromleitung zunächst entlang bestehender Freileitungen laufen. Das Gutachten schlägt vor, ab die Leitung ab Maxhütte-Haidhof entlang der Bahnstrecke mit der Oberleitung mitzuführen. Das würde bedeuten, dass die Kabel mitten durch die Stadt Schwandorf führen, entlang der Bahngleise nach Regensburg. Alternative wäre eine Umgehung der Innenstadt im Westen - durch das Naabtal und durch die Flutmulde in Ettmannsdorf. Dort wehren sich Anlieger bereits gegen die Pläne des Ostbayernrings. "Der Bereich rund um Schwandorf stellt die Leitungsführung vor besondere Herausforderungen", so der Bahnsprecher. "Das Gutachten der TU Dresden kann aus unserer Sicht eine umfangreiche naturschutzfachliche Bewertung sowie ein Raumordnungsverfahren nicht ersetzen. Wir planen daher, im Raumordnungsverfahren eine Variante entlang der Bahnstrecke und eine Variante über den Schwandorfer Westen einzubringen." Auch die Bahn sehe aber durchaus die besonderen Herausforderungen im Naabtal, strebe aber eine unabhängige Prüfung im Raumordnungsverfahren an.

Irrenlohe-Amberg

Um eine Anbindung an das bestehende Bahnstromnetz über Amberg nach Hohenstadt bei Nürnberg sicherzustellen, bringt das Gutachten zwei Alternativen ins Spiel. Die erste würde bedeuten: Keine Bahnstromleitung von Irrenlohe nach Westen, nur die Oberleitungen würden gebaut. Der "nördliche Ringschluss" würde dann über Schnabelwaid nach Wiesau verlaufen. Zweite Alternative: Der "südliche Ringschluss" mit einer Leitung Irrenlohe-Amberg, im Wesentlichen entlang der Bahnstrecke - also auch durch die Stadt Amberg. Auch hier hat die Bahn eine weitere Trasse im Blick. Sie würde weiter südlich bis Dauching entlang vorhandener Freileitungen verlaufen und dann nach Nordwesten an Kreith vorbei zur Bahnstrecke Irrenlohe-Amberg führen. Für eine detaillierte Einschätzung der nördlichen Variante des nördlichen Ringschlusses sind laut Bahn weitere Analysen und Betrachtungen erforderlich. "Diese werden wir nun angehen und können anschließend weitere Aussagen treffen", so der Bahnsprecher.

Irrenlohe-Bodenwöhr (Roding)

Der Bundestag hat erst im März die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Strecke von Schwandorf nach Furth im Wald ebenfalls elektrifiziert werden soll. Deshalb wird auch hier eine Bahnstromversorgung nötig. Im Gutachten wurde diese neue Entwicklung bereits berücksichtigt. Als mögliche Standorte für ein Unterwerk sehen die Gutachter Bodenwöhr oder Roding. Die Bahn hat noch keine Vorauswahl getroffen. "Die Namensangaben der Orte sind derzeit eher als Arbeitstitel zu betrachten", so der Bahnsprecher. Mögliche Leitungstrassen sieht das Gutachten nördlich der Stadt Schwandorf bis etwa Pissau entlang einer bestehenden Leitung, dann nach Bodenwöhr, oder südlich Schwandorfs entlang einer Bestandstrasse bis etwa zum Knappensee bei Steinberg, dann weiter als neue Leitung über Meldau und Neuenschwand nach Bodenwöhr. Weiter nach Roding ginge es entlang der Bahntrasse, sollte dort ein Unterwerk entstehen.

Bei einer Bündelung der Leitung mit der Bahnstrecke, wie sie möglicherweise in der Stadt Schwandorf zum Tragen kommt, kann die Bahnstromleitung entweder an den Oberleitungsmasten in sicherem Abstand parallel zur Oberleitung geführt werden oder es können schlanke Bahnstrommasten unmittelbar neben der Bahnstrecke aufgestellt werden. Beispiele für eine solche Trassenführung gibt's im Netz unter www.bahnausbau-nordostbayern.de/buendelungsoptionen.html.

Bahn stellt Trasse erstmals vor

Schwandorf

Das Gutachten erteilt einer dezentralen Versorgung der Bahnstrecken aus dem bestehenden, öffentlichen Netz eine Absage. Dazu wären zwar keine neuen Stromleitungen nötig, das Gutachten der TU Dresden stuft allerdings die zentrale Versorgung als weitaus wirtschaftlicher ein.

"Wir werden das am Montag veröffentlichte Gutachten der TU Dresden intensiv prüfen und uns grundsätzlich an den Empfehlungen orientieren", sagte ein Bahnsprecher gegenüber den Oberpfalz-Medien. Die Bahn werde für das nötige Raumordnungsverfahren den nordostbayerischen Raum "in mindestens drei regierungsbezirksübergreifende Pakete unterteilen". Die Bahntromleitungen durchqueren die Oberpfalz, Ober- und Mittelfranken. "In diesem Jahr soll zunächst das Raumordnungsverfahren für den Abschnitt von Burgweinting bis Wiesau beginnen", so der Bahnsprecher.

Die Bahn stellt das Gutachten nochmal in einem „Digitalen Themenabend Bahnstrom“ vor, bei dem Fragen gestellt werden können. Er beginnt am Donnerstag, 1. Juli, um 18 Uhr. Zugang über: www.bahnausbau-nordostbayern.de

Bahnstrom-Gutachten vorgestellt

Amberg

Mitnahme auf Ostbayernring nicht möglich

Schwandorf

Die Elektrifizierungspläne im Überblick

Oberpfalz

Onetz-Themenseite zu den Stromtrassen der Bahn

Professor Arnd Stephan von der TU Dresden stellte vergangenen Montag die Ergebnisse seines Gutachtens vor.
Hintergrund:

Bahn-Elektrifizierung

  • Nordostbayern ist ein "weißer Fleck" bei der Elektrifizierung der Bahn.
  • Zentrale Strecken sind Hof-Schwandorf-Regensburg (179 km) und Nürnberg/Hartmannshof-Amberg-Schwandorf-Furth im Wald (126 km).
  • Im Mai 2020 stellt die Bahn in Schwandorf erste Planungen für Hof-Regensburg vor.
  • Pläne für die Bahnstromleitungen stoßen auf Widerstand.
  • Ein Gutachten der TU Dresden prüft auch Alternativvorschläge der Leitungsgegner.
  • Am 14. Juni 2021 legt die TU Dresden ein Gutachten vor. Im Netz einsehbar unter https://tud.link/upfd
  • Bis Ende 2021 will die DB das Raumordnungsverfahren für Bahnstromleitung Wiesau-Burgweinting starten.
  • 2030 ist die vorgesehene Fertigstellung der Elektrifizierung Hof-Regensburg.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.