12.11.2020 - 12:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bildungsangebote für junge Familien

Man kann dem Thema lustige Aspekte abgewinnen, wie die Kinder der Maximilian-Grundschule in Maxhütte-Haidhof. Aber natürlich ist die Studie ernst gemeint, die der Landkreis in Auftrag gegeben hat. Es geht um Bildungsangebote für Familien.

Auch wenn man nicht mit Drillingen gesegnet ist, wie hier die Familie König, ist das Angebot an Familien spezifischen Bildungs- und Erziehungsthemen für viele junge Eltern wichtig. Eine neue Studie zeigt Angebot und Nachfrage auf und wie man beides noch besser vernetzen könnte.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

"Wos is na des?" fragen die Grundschüler in einem der zahlreichen Einspieler, die für die Vorstellung der Studie produziert wurden. Was "na des is" wurde spätestens klar, als Professor Klaus Stüwe und seine Mitarbeiterin Lisa Hartmann bei der Online-Pressekonferenz des Landratsamtes die Ergebnisse ihrer "Eltern- und Anbieterbefragung" aus dem Jahr 2019 vorstellten, die man seit neuestem auch in einem 60-seitigen Geheft nachlesen kann. Es nennt sich "Familienbildung im Landkreis Schwandorf". Ihre Veröffentlichung war eigentlich bei der Bildungskonferenz 2020 vorgesehen. Aber die ist heuer ausgefallen.

Zwei Befragungen

Die Studie wartet mit einer Menge Informationen auf "und die sind heiß", warb Florian Schmid als Geschäftsführer der Lernenden Region. Die Lernende Region und der Landkreis waren die Auftraggeber für die Untersuchung, für die in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zwei Befragungen durchgeführt wurden. Sie hatten zum Ziel, einen Überblick zu erhalten über das bestehende Angebot von Familienbildung im Landkreis Schwandorf und über den Bedarf an solchen Angeboten bei den Familien. Dafür wurden 15.500 Fragebögen an die Familien im Landkreis verteilt sowie 300 Anbieter von Familienbildung befragt. Die erhobenen Daten wurden vom ZFG ausgewertet und zusammengefasst.

Auf Basis der Studienergebnisse wurden vier Schwerpunkte gebildet, die mögliche Ansatzpunkte für Familienbildung im Landkreis Schwandorf beinhalten. Diese Schwerpunkte lauten "Sensibilisierung und Bekanntheit", "Zielgruppenerweiterung", "Angebote" und "Vernetzung". Sie wurden von ZFG-Projektkoordinatorin Lisa Hartmann kurz vorgestellt. Claudia Hösamer vom Kreisjugendamt und Laura Braun vom Bildungsmanagement des Landkreises gingen anschließend darauf ein, welche weiteren Schritte sich für den Landkreis Schwandorf aus der Studie ergeben.

Eltern wünschen sich mehr Freizeit- und Bildungsangebote für Familien im Landkreis Schwandorf

Schwandorf

Wie es hieß, seien die Familienbildungsangebote im Landkreis Schwandorf insgesamt bereits sehr vielfältig. In vielen Bereichen sei bereits eine recht gute Übereinstimmung von bestehendem Angebot und den Interessen und Bedürfnissen der Eltern zu erkennen. "Dies kann auch als einer der Gründe für die recht große Zufriedenheit der Eltern mit den Familienbildungsangeboten im Landkreis Schwandorf gesehen werden," urteilen Professor Stüwe und seine Mitarbeiter in der Untersuchung. An einigen Punkten – wie etwa den Freizeitangeboten – könnte über eine weitere Optimierung nachgedacht werden.

Angebote intensiver bewerben

"Die Familien sind aktuell durchaus stark für das Thema Familienbildung sensibilisiert," versicherte Projektverantwortliche Lisa Hartmann. Einige Ergebnisse zeigten allerdings, dass ein Ziel in der intensiveren Bewerbung der Angebote liegen sollte: "Ein großer Anteil der Eltern, die bislang keine Angebote wahrgenommen hatten, begründete dies damit, dass sie nichts von den Angeboten wussten."

Interessant, so findet die Studie, seien die Ergebnisse bezüglich des Werbemittels „Internet“: Rund 45 Prozent der Träger bewerben ihre Angebote über das Internet. Von den Eltern wird es hingegen nur von 20 Prozent als Informationsquelle zu Angeboten genutzt. "Dies kann damit zusammenhängen, dass Eltern nicht über die einzelnen Seiten der Träger nach Angeboten suchen, da bei den Eltern möglicherweise das Bewusstsein fehlt, welche Träger es gibt," so Hartmann.

Naheliegender sei für viele Eltern vermutlich eine Suche unter thematischen Aspekten. Daher gelte es Ansätze zu finden, die Bekanntheit der Angebote zu steigern: "Über mögliche Ansätze dazu wird in weiteren Workshops mit Anbietern und Verantwortlichen im Bereich Familienbildung diskutiert werden"

Freizeit wichtiges Thema

Hinsichtlich der Themen zeigt die Studie in ihrer Gegenüberstellung von Themenwünschen und Angebot in einigen Bereichen Übereinstimmungen auf – beispielsweise bei „Umgang mit Medien“ und „Schule/Lernen“. Das Thema Freizeit sei für die Eltern in Bezug auf Familienbildung nicht nur bei den Veranstaltungsarten wichtig, sondern es ist auch bei den Themenwünschen von Bedeutung.

"Ein großer Wunsch wurde insbesondere nach mehr Veranstaltungen zum Thema 'Sport- und Bewegungsangebote für Eltern und Kinder' geäußert," erklärte die Projektverantwortliche. Ebenso biete sich ein Ausbau der Angebote in den Bereichen „Zeitmanagement und/oder Haushaltsführung“ und „Berufliche Orientierung“ an. Umgekehrt bestehe vor allem zu „Religiöse Bildung“ und „Familie/Elternsein“ ein verhältnismäßig "sehr großes Angebot".

Ein Plädoyer der Untersuchung ging in Richtung "Netzwerk schaffen". Manche Verbesserungen oder Optimierungen würden sich gegebenenfalls in der Zusammenarbeit verschiedener Träger leichter realisieren. "Im Mittelpunkt sollte vor allem die enge Vernetzung der Träger und Anbieter von Familienbildung untereinander und mit dem Landratsamt stehen", hieß es.

Hintergrund:

Über 15 000 Fragebögen

  • Für die Studie wurden im Jahr 2019 insgesamt 15 507 Fragebögen ausgegeben. Davon wurden 4746 Bögen ausgewertet, was eine Rücklaufquote von 30,6 Prozent ergibt. Der Fragebogen umfasste insgesamt 37 Fragen.
  • Befragt wurden Eltern minderjähriger Kinder im Landkreis Schwandorf.
  • Verteilt wurden die Bögen über 71 Kindertageseinrichtungen, 63 Schulen (Grund-, Mittel- und Realschulen, Gymnasien und Sonderpädagogische Förderzentren). Außerdem wurden die Fragebögen an Eltern von Kindern des Jahrgangs 2018 verschickt. Eltern-Kind-Gruppen wurden über die KEB erreicht. Zudem wurden rund 30 Einrichtungen (etwa Hebammen- und Frauenarztpraxen) gebeten, in den Wartezimmern mit vorbereiteten Flyern auf die Befragung hinzuweisen.
In einem der Einspieler, die für die Pressekonferenz produziert wurden, gab Helga Forster für das Lokale Bündnis für Familien ein Statement zum Thema Familienbildung ab.
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