Schwandorf
22.07.2019 - 15:21 Uhr

Bund Naturschutz fordert: "Dezentrale Energiewende" statt Süd-Ost-Link

Kein Süd-Ost-Link, dafür eine dezentrale und regionale Energiewende. Dafür macht sich der Bund Naturschutz stark. Ihre Forderung: Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen sollen wieder stärker in den Fokus rücken.

Der Bund Naturschutz stellt die Frage nach dem Sinn des Süd-Ost-Links. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz des Bund Naturschutz in Bayern, Reinhard Scheuerlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz, und Klaus Pöhler (von links), Vorsitzender der Kreisgruppe Schwandorf, fordern ein Umdenken. Bild: Christopher Dotzler
Der Bund Naturschutz stellt die Frage nach dem Sinn des Süd-Ost-Links. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz des Bund Naturschutz in Bayern, Reinhard Scheuerlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz, und Klaus Pöhler (von links), Vorsitzender der Kreisgruppe Schwandorf, fordern ein Umdenken.

Es ist kein Geheimnis, dass der Süd-Ost-Link umstritten ist.Gegen das Vorhaben gab es 2300 Einwendungen und Stellungnahmen – alleine zum Abschnitt C, der von Hof bis Pfreimd reicht. Bei einem mehrtägigen Erörterungstermin in der Max-Reger-Halle in Weiden sollen die Bedenken zur Trasse erörtert werden.

Der Bund Naturschutz nutzte den anstehenden Termin, um sich bei einer Pressekonferenz im Gasthaus Baier klar gegen den Süd-Ost-Link zu positionieren. Stattdessen drängen die Verantwortlichen auf eine dezentrale, regionale Energiewende. "Nur so kann der Klimaschutz umgesetzt werden", betont Herbert Barthel, Referent für Energie und Umweltschutz des Bund Naturschutz in Bayern.

Weiden in der Oberpfalz19.07.2019

Kernenergie keine Lösung

"Wir fürchten uns immer mehr vor einer realen Klimakrise", erklärte Barthel am Montag. Er sprach von einer "immensen Verantwortung", um die Ziele der Klimakonferenz von Paris zu erreichen. Deshalb müsse gehandelt werden: Die Energieverbräuche müssten halbiert, die Kohlenstoffdioxid-Ausstöße reduziert und der Kohleausstieg forciert werden.

Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitung (HGÜ) lehnte Barthel bei der Pressekonferenz aus mehreren Gründen ab. Es komme durch den Ausbau zu massiven Eingriffen in die Natur, die Stromtrasse rücke sehr nahe an die Stadt Schwandorf heran, und: "Es gibt die berechtigte Angst, dass der Süd-Ost-Link der Energiewende schaden wird." Deshalb, weil die Trasse nicht hundertprozentig regenerative Energien anstrebe.

Auch Klaus Pöhler, der Vorsitzender der Kreisgruppe Schwandorf des Bund Naturschutz, verlangte: "Es muss neu gedacht werden." Die dezentralen Energiemaßnahmen seien genau das, was die Bürger fordern, die Politik aber überhaupt nicht thematisiere. "Wenn wir den Kohleausstieg noch vor dem Jahr 2038 haben wollen, müssen wir noch mehr in Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen investieren und Arbeitsplätze schaffen." Herbert Barthel konkretisierte: Der Zubau an PV- und Windkraft-Anlagen müsse, was die derzeitige installierte Leistung betrifft, um den Faktor fünf steigen. Für den Energiereferent ein realistisches Unterfangen, schließlich spreche man von einem Zeitraum von 25 Jahren, in dem das umgesetzt werden müsste. Reinhard Scheuerlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz, schlägt in diesselbe Kerbe: Ungenutzte Dächer böten „viele, viele ungenutzte Flächen für Photovoltaik“.

Schwandorf05.07.2019

Mehr PV und Windkraft

Den Ruf nach der CO2-freien Atomenergie sieht Pöhler im Übrigen als "Schuss in den Ofen". Vor allem in der Region hätten die Bürger zu WAA-Zeiten lange genug dagegen angekämpft. Der Kreisvorsitzende untermauerte: "Es ist einfach nicht wahr, dass Kernenergie problemlos ist. Alleine die Entsorgung: Der Atomabfall strahlt noch in einer Millionen Jahre." Ansetzten müsste man an anderer Stelle: "Wo es noch massiv hakt, ist der Speicher für Strom. Wir erzeugen Strom, der nicht verbraucht wird - das kann nicht sein." Alles in allem muss laut Barthel die Energiewende von unten gesteuert werden. Als Akteure der Energiewende sieht er die Kommunen. An die Politik gerichtet, erklärte Barthel: "Wir fordern eine fachliche Neuplanung und eine grundsätzlich neue Alternativprüfung eines dezentralen Energiekonzepts."

Süd-Ost-Link:

Derzeit laufen die Raumordnungsverfahren (Bundesfachplanung) für zwei Abschnitte der HGÜ-Leitung Süd-Ost-Link in der Oberpfalz. Der Bund Naturschatz hat bereits Stellungnahmen abgegeben und lehnt die vorgelegten Pläne ab. Erörterungstermine zum nördlichen Abschnitt zwischen Hof und Pfreimd finden am Dienstag, 23. Juli, in Weiden statt. Der Erörterungstermin ist nicht öffentlich. Teilnahmeberechtigt sind neben den Vorhabenträgern diejenigen, die rechtzeitig Einwendungen erhoben oder Stellungnahmen abgegeben haben.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.