22.06.2021 - 16:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Burglengenfelder Textilstein-Künstler Florian Nörl greift auf Schloss Königshain zum Pinsel

Florian Nörl ist von seinem Studienaufenthalt auf Schloss Königshain zurück. Mit all seinen Eindrücken, Erfahrungen und Fotoaufnahmen, aber nicht mit all seinen Werken. Stattdessen hat er Altkleider im Gepäck.

Blick ins Atelier von Florian Nörl auf Schloss Königshain
von Irma Held Kontakt Profil

Die sechs Wochen auf Schloss Königshain zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen den Kreisen Schwandorf und Görlitz waren der erste offizielle Studienaufenthalt des gebürtigen Burglengenfelders. Seine Bilanz im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: "Das war eine spannende und einzigartige Zeit. Ich wünschte mir, ich hätte jedes Jahr sechs Wochen oder einen Monat Studienaufenthalt." Er hat intensiv gearbeitet. Es habe sich Neues aufgetan, eine andere Landschaft, eine andere Umgebung, aber auch Déjà-vu-Effekte gab es. Beispielhaft nennt er einen See ähnlich dem Steinberger als Erbe des Kohleabbaus oder die markante Rolle des Granitsteins.

"Wir haben da gelebt", sagt er und meint mit wir seine Frau Özlem, Bühnenausstatterin und Künstlerin, sich und Hund Nane. Im Lockdown war er auf Gesellschaft angewiesen. "Allein in einem Schloss. Da hätte man ja gedacht, es spukt." So aber war für den 31-Jährigen der Aufenthalt ein Reingewinn. "Ich habe mich auf die Malerei, die Ölmalerei, fokussiert", erzählt er. Entstanden seien expressive Landschaften oder Landschaftskompositionen. Die Inspirationen holte er sich vor Ort.

Hart wie Stein

Vor einer leeren Leinwand zu sitzen, sei etwas anderes als im Linzer Atelier. Dort konzentriert sich der Künstler auf Textilien als Arbeitsmaterial, konkret auf den Textilstein. "Ich nenne es so, weil die Bilder hart wie Stein sind." Stoff wird künstlerisch in einem aufwendigen, sich über rund drei Monate hinziehenden kompositorischen Prozess so aufbereitet, dass er Kilo schwer wiegt. Die Oberflächen jedoch wirken weich, bisweilen flauschig. Drei Beispiele zeigt Nörl der Redaktion von Oberpfalz-Medien als er auf dem Weg zu einem Sammler, der ein Textilstein-Bild erworben hat, vorbei schaut. Private Sammler, auch in der Oberpfalz, schätzen seine Kunst, sagt der eher zurückhaltende junge Mann stolz. Im öffentlichen Raum seien seine Werke bisher nicht zu sehen. Stimmt nicht ganz: Drei Arbeiten hat er als Leihgabe in Schloss Königshain zurück gelassen. "Meine Bilder bieten den Hintergrund im Festsaal." Das Schloss ist auch eine Touristenattraktion. In einem Raum sind Werke von Özlem Nörl ausgestellt.

Mehr zum Aufenthalt auf Schloss Königshain

Schwandorf

Mitbringsel aus Görlitz

Die Textilstein-Bilder, die er beim Redaktionsbesuch dabei hat, waren ursprünglich zu viert. Eines ist in Sachsen geblieben. Im Kreis Görlitz geht jährlich eine Kunstauktion über die Bühne - dieses Mal mit einem echten Nörl. Mitgebracht hat er neben den Ölbildern alte Vorhänge und Bettlaken, die Grundlage für Textilsteine. Bevorzugt arbeitet er mit Betttüchern. Sie seien zig mal heiß gewaschen und farbecht. Die Görlitzer Stoffe werden in seine Textilsteine einfließen.

Fertig miteinander sind Görlitz und Florian Nörl noch nicht. Weil die Ausstellung in Königshain nur ein Wochenende unter strengen Hygieneauflagen geöffnet war, wird es im Januar 2022 eine Gruppenausstellung geben, in der Florian Nörls Textilsteine Platz finden. Außerdem ist für Sommer 2022 eine Einzelausstellung geplant "für Görlitz mit Inspirationen von Görlitz". In der "Wahnsinnstadt", wie der Burglengenfelder den Grenzort mit den kulissenreifen Prunkbauten nennt, hat er zwei Lieblingsplätze ausgemacht: das Einkaufszentrum, das vor allem in "Grand Hotel Budapest" eine wichtige Rolle spielt, oder die Annenkapelle. Da nach den Worten von Joachim Mühle, Kultursekretär im Kreis Görlitz, die Sanierung von Einkaufszentrum und Stadthalle ansteht, favorisiert er die Annenkapelle, um Florian Nörl entsprechend zu würdigen. Auf der Homepage www.floriannoerl.art können sich Interessierte ein Bild von Textilstein machen und den Katalog zu O.T. (Original Textilstein) herunterladen. Bildergalerie: www.onetz.de/

Der Görlitzer Reinhard Roy in der Kebbel-Villa

Schwandorf

"Das war eine spannende und einzigartige Zeit. Ich wünschte mir, ich hätte jedes Jahr sechs Wochen oder einen Monat Studienaufenthalt."

Florian Nörl über sein Stipendium auf Schloss Königshain

Florian Nörl über sein Stipendium auf Schloss Königshain

Hintergrund:

Florian Nörl

  • Geboren am 5. September 1989 in Burglengenfeld, lebt und arbeitet in Linz.
  • Studium in Regensburg, Pilsen und Linz
  • Erasmus-Student im Bereich Malerei/Bildhauerei in Bilbao
  • Sparda-Bank-Kunstpreis Amberg 2018 sowie weitere Preise
  • Zahlreiche Gruppenaussttellungen, hauptsächlich in Deutschland und Österreich.
  • Vier Einzelausstellungen im Jahr 2020
  • Atelier im Egon-Hofmann-Haus in Linz seit 2020
  • Studienaufenthalt auf Schloss Königshain im Mai 2021 im Rahmen 30 Jahre Landkreispartnerschaft Schwandorf-Görlitz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.