22.01.2021 - 16:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Impfung im Kreis Schwandorf: Heimbewohner bereit, Personal zum Teil noch skeptisch

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Seit 27. Dezember läuft im Landkreis die Corona-Impfung in Alten- und Pflegeheimen. Senioren über 80 sowie Klinik- und Pflegepersonal zählen unter anderem zur Gruppe 1, der priorisierten Gruppe. Wie hoch ist die Impfbereitschaft?

Zwei Pikse sind zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung nötig. Nicht jeder, der jetzt an der Reihe ist, will das..
von Irma Held Kontakt Profil

Die mobilen Teams des Impfzentrums Nabburg sind in Alten- und Pflegeeinrichtungen unterwegs, um gegen das Coronavirus zu impfen. Doch nicht jeder ist dazu bereit. Beim Pflegepersonal ist durchaus Skepsis vorhanden, dem Vernehmen nach bei Jüngeren mehr als bei Älteren. Nicht empfehlenswert ist der Impfstoff laut Hersteller zum Beispiel für Frauen, die schwanger sind, einen unmittelbaren Kinderwunsch in den kommenden zwei Monaten haben oder ihr Baby stillen. Der Grund liegt darin, dass der Impfstoff an Schwangeren bisher nicht getestet worden ist. Oberpfalz-Medien hat bei mehreren Alten- und Pflegeheimen im Landkreis sowie dem Krankenhaus St. Barbara zur Impfbereitschaft nachgefragt.

BRK-Seniorenheime

Das Rote Kreuz betreibt im Landkreis drei Einrichtungen - Arche Noah und St. Johannis-Stift in Nabburg sowie das Senioren-Wohn- und Pflegeheim in Burglengenfeld. In allen drei Heimen seien die Erstimpfungen erledigt. In der Arche Noah wurde am 30. Dezember geimpft und in St. Johannis in der vergangenen Woche, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Otto-Josef Langenhan auf Nachfrage mitteilt. Von den 40 Bewohnern wurden 36 geimpft. Vier Betreuer hätten einer Impfung nicht zugestimmt. Von den rund 20 Beschäftigten in St. Johannis hätten sich fast alle impfen lassen, in der Arche Noah seien es etwa 60 Prozent. "Wir versuchen zu überzeugen, aber wenn jemand nicht will, will er nicht." Langenhan schätzt die Impfbereitschaft beim Personal auf etwa zwei Drittel. Gründe für ein Nein zur Impfung seien diffus. Der Kreisgeschäftsführer geht davon aus, dass mit dem Fortschreiten der Impfungen und mehr Daten zur Verträglichkeit die Bereitschaft steige. "Wer geimpft werden wollte, wurde geimpft", sagt er mit Blick auf die Knappheit des Impfstoffs.

Pflegeheim "Am Sand", Wernberg-Köblitz

"Am Sand" sind etwa 90 Prozent der Bewohner impfbereit. Beim Personal liege die Zustimmung schätzungsweise bei zwei Drittel. Einrichtungsleiter Manuel Kühn ist zuversichtlich, dass durch öffentliche Information und positive Erfahrungswerte die Impfbereitschaft steige und Skeptiker überzeugt würden. Dem Wernberg-Köblitzer Heim stehe ein Arzt zur Aufklärung, aber auch für Fragen rund um den Impfstoff zur Verfügung. Manuel Kühn setzt darauf, "mit gutem Beispiel voranzugehen". Er hat sich impfen lassen.

Marienheim Neunburg vorm Wald

In der Alten- und Pflegeeinrichtung begannen am 27. Dezember die Impfungen im Landkreis. 90 Prozent der Bewohner sagten Ja, ebenso rund 50 Prozent des Personals. Nach den Worten von Leiter Josef Weiß sind manche Mitarbeiter eher skeptisch und wollten noch abwarten. Die Gründe hierfür seien unterschiedlich. Die Ungewissheit, ob man trotz Impfung ansteckend sei und das Virus weitergeben könne sei ein Grund. Wenn hierfür Untersuchungen vorlägen, kann seiner Meinung nach die Impfbereitschaft deutlich höher ausfallen. Josef Weiß lobt ausdrücklich die professionelle Arbeit des Impfzentrums.

Der Impfstart

Nabburg

Altenheim Oberviechtach

Im Heim stehen am Montag und Dienstag kommender Woche die Zweitimpfungen an. Heimleiterin Katharina Schneider ist dahingehend "ein wenig enttäuscht", weil sich 30 Mitarbeiter noch impfen lassen wollten, aber kein Impfstoff da sei. Sie glaubt, dass bis zum Termin noch ein paar Kollegen dazugekommen wären. "Ich hoffe, dass wir bald einen Termin kriegen." Gut die Hälfte bis zwei Drittel hätte sich von den 130 Mitarbeitern für die Impfung entschieden. Anders sieht es bei den Bewohnern aus, da sind es 95 Prozent.

Krankenhaus St. Barbara, Schwandorf

"Die ersten 60 Mitarbeiter des Krankenhauses mit Priorität 1-Einstufung wurden bereits am 30. Dezember geimpft und erhielten am Mittwoch ihre Zweitimpfung", erklärt Geschäftsführer Martin Baumann. Am Freitag begann der Impfzyklus für alle restlichen gemeldeten Mitarbeiter mit Priorität 1-Status. Das sind Intensivstation, zentrale Notaufnahme, Covid-Normalstationen. "Damit ist in den Bereichen mit Priorität 1 die Impfbereitschaft der Wahrnehmung nach hoch." Das Krankenhaus spreche keine Impf-Empfehlung aus und es gebe auch keinen Impfzwang, betont der Geschäftsführer. Eine Corona-Impfung werde unter Einhaltung des Datenschutzes im hausinternen Impfzentrum gemacht. Die Mitarbeiter könnten sich fortlaufend für eine Impfung anmelden. Basierend auf ihrem Priorisierungsgrad würden sie in den kommenden Wochen und Monaten geimpft.

Fakten zur Impfung

Deutschland und die Welt

Haus Valentin Nittenau

"Die Bewohner sind zum Großteil geimpft", sagt Einrichtungsleiter Günter Daubenmerkl und "freuen sich auf die zweite Dosis". Auch er habe sich impfen lassen. Bei den Personal sei es derzeit etwa ein Drittel. Hier sei ein Zögern zu spüren. Im Nachhinein seien noch Impfwillige dazu gekommen, aber es gebe keinen Impfstoff und keine Termine. "Die Krankheit ist der unsichtbare Feind im Haus." Er finde es "toll, wie das Impfteam uns begleitet hat." Im Gegenzug habe auch die Einrichtung Lob vom Impfteam erhalten.

Hintergrund:

Wer wann geimpft wird

Die Ständige Impfkommission hat für die Bundesregierung eine Prioritätenliste für die Corona-Impfungen erstellt.

  • Gruppe 1: unter anderem Heimbewohner, Rettungsdienst, Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich sowie Beschäftigte in Notaufnahmen, Covid-19-Stationen und über 80-Jährige.
  • Gruppe 2: unter anderem 70-bis 80-Jährige, Menschen mit Behinderung oder Demenz und Betreuungspersonal.
  • Gruppe 3: unter anderem 60- bis 70-Jährige, Polizei, Feuerwehr, Personal von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen.
  • Die zugelassenen Impfstoffe werden nach Verfügbarkeit verimpft. Eine Wahlmöglichkeit besteht für die Impfbereiten nicht.
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