19.02.2021 - 09:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die Corona-Pandemie als Gemälde

Die "Erosion" bemerkt er schon länger. „Die Pandemie hat sie noch verstärkt“, bemerkt der Schwandorfer Pfarrer Hans Amann beim Blick auf die leeren Kirchenbänke. Für die Fastenzeit hat er sich deshalb etwas einfallen lassen.

Der Corona-Virus kreuzt die Wege der Menschen. Marion Eschenbecher (links) und Irene Duscher (rechts) thematisieren die Pandemie künstlerisch.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Pfarrer von St. Jakob Schwandorf, Hans Amann, wandte sich an die Hobbykünstlerinnen Irene Duscher und Marion Eschenbecher und gab ein „Fastentuch-Gemälde“ in Auftrag. Seit Aschermittwoch hängt das 1,80 mal 1,20 Meter große Kunstwerk über dem Altar der Jakobskirche.

Bei den Gottesdiensten am Samstag um 18 Uhr sowie am Sonntag um 8.15 und 10.30 Uhr werden die Malerinnen ihre Gedanken erläutern. Irene Duscher und Marion Eschenbecher arbeiteten mit Acrylfarben auf Leinwand und verwendeten Pinsel, Roller, Spachtel, Blattmetall und Küchenschwamm.

„Durchkreuzte Wege“, so der Titel des Bildes, thematisiert die Pandemie. Die Farben hellen sich zur Mitte hin auf. „Wir wollen Hoffnung geben, es muss ja irgendwann weitergehen“, erklärt Irene Duscher.

Straßen, Pflaster, Eisenbahnschienen – verschiedene Wege kreuzen sich und wollen sagen: „Die ganze Welt ist betroffen“. Die Fesseln am Holzbalken des Auferstehungskreuzes, ein Globus mit Maske und herumschwirrende Viren symbolisieren „Gefangenschaft“. Doch Hoffnung zeichnet sich ab am Firmament.

Seit 20 Jahren Stadtpfarrer

Schwandorf

Marion Eschenbecher erkennt in der Pandemie auch positive Signale. Sie spürt einen verstärkten Zusammenhalt und gegenseitige Rücksichtnahme. Das bestätigt auch Pfarrer Hans Amann: „Die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen, wächst“.

Die Defizite will der Dekan aber nicht klein reden. „Die Krise hat uns schon arg gebeutelt“. Verbandsarbeit, Liturgie und Caritas befinden sich auf Sparflamme. Pfarrer Hans Amann ist sich im Klaren: „Wir müssen unsere Arbeit neu ausrichten“. Schon jetzt seien Online-Veranstaltungen auf der Tagesordnung. Nur aus der Kirche werde noch nicht übertragen. Doch Live-Streamen von Gottesdiensten kann sich der Geistliche auch auf lokaler Ebene vorstellen. „Wir sollten die Chance auf jeden Fall nutzen“, erklärt er.

Vielleicht könne man mit Online-Formaten Gläubige zurückgewinnen. Ersetzen würden sie den Präsenzgottesdienst allerdings nicht. Fastentücher haben in der Kirche eine lange Tradition. "Die Gläubigen bekundeten damit ihre Solidarität mit den Büßern, die von der Teilnahme an der Eucharistie ausgeschlossen waren", erklärt Pfarrer Amann. Sechs Pfarreien im Landkreis haben inzwischen Druckversionen des Originals in Auftrag gegeben und wollen das Motiv der "durchkreuzten Wege" für Gedanken zur Fastenzeit nutzen.

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