11.10.2021 - 19:02 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Drogenschmuggel: Schwandorfer müssen jahrelang ins Gefängnis

Der "Angriff auf die Volksgesundheit", wie Staatsanwalt Holger Bluhm das Verbrechen einstufte, bringt ein junges Ehepaar aus dem Kreis Schwandorf für lange Zeit hinter Gitter. Für die Beschaffung von 1,35 Kilogramm Crystal Speed müssen beide jahrelang in Haft.

Vor der Strafkammer am Landgericht saßen zwei Frauen und zwei Männer aus dem Landkreis Schwandorf. Die Anklage lautete auf Drogenhandel.
von Autor HWOProfil

Vier Tage lang befasste sich die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts mit einem Sachverhalt, den tschechische Behörden bei umfangreichen Ermittlungen aufgedeckt hatten. Auf der Anklagebank saßen drei Mitglieder einer Familie aus dem östlichen Landkreis Schwandorf: Eine 55-Jährige, deren als Haupttäter geltender Sohn (33) und dessen 26 Jahre alte Ehefrau.

Sie hatten im Jahr 2019 bei fünf Beschaffungsfahrten 1350 Gramm der hoch gefährlchen Droge Crystal Speed aus der Tschechischen Republik eingeschmuggelt und dann über Mittelsmänner für die Verteilung des Rauschgifts gesorgt.

Geständnisse während des Prozesses

Während des Prozesses hatte es Geständnisse gegeben. Nicht nur von dem Trio, sondern darüber hinaus auch von einem ebenfalls als Angeklagten geltenden Schwandorfer. Der schwer drogensüchtige 57-Jährige besaß Kontakte zu einem Dealer im Nachbarland, stellte erste Verbindungen zu ihm her und war zumindest in einem Fall auch mit dabei, als nach und nach die Touren stattfanden. Ziel dabei war ein Wochendhaus zwischen Cheb (Eger) und Sokolov (Falkenau).Bei den Nachforschungen des Amberger Staatsanwalts Holger Bluhm war deutlich geworden: Es handelte sich um den Vater der mitangeklagten 26-Jährigen.

Am Morgen des vierten Verhandlungstages startete Staatsanwalt Bluhm ein über einstündiges Plädoyer, in dem er die Rollenverteilung klar skizzierte: Das junge Ehepaar als Initiatoren der Crystal-Speed-Beschaffungen, getrieben von Gewinnsucht und keineswegs selbst abhängig. Daneben die Mutter des 33-Jährigen, die zwar mit auf Fahrt nach Tschechien ging, "sich aber nicht bereicherte." Dem 57 Jahre alten Kontakthersteller aus der Stadt Schwandorf schrieb Bluhm "eine undurchsichtige Rolle" zu und lenkte die Blicke der Richter auf dessen 16 Vorstrafen. Viele davon waren einschlägig.

Mehrere Stunden Schlussvorträge

Die vom Anklagevertreter verlangten strafrechtlichen Konsequenzen entsprachen dem, was bei oberpfälzischen Gerichten für über ein Kilogramm Crystal Speed als gängige Praxis gilt: Sieben Jahre Haft für den 33-Jährigen, sechs Jahre für dessen Ehefrau. Vier Jahre Gefängnis verlangte Bluhm für den 57-jährigen, der die Kontakte anbahnte. Nur ihm gestand der Staatsanwalt eine längerfristige Drogentherapie zu. Danach rückte er die Mutter des Hauptbeschuldigten ins Blickfeld und empfahl der Strafkammer, sie zu 18 Monaten Haft mit Bewährung zu verurteilen.

Mehrere Stunden nahmen danach die Schlussvorträge der sechs Verteidiger in Anspruch. Sie kamen im Hinblick auf die Strafen zu wesentlich niedrigeren Einschätzungen. Eine Rolle spielte dabei auch der Wirkstoffgehalt des illegal über mehrere Grenzübergänge gebrachten Crystal Speeds. Er sei wohl nur, so hieß es in den Plädoyers, bei 12 Prozent gelegen.

Die Strafen

Die unter Vorsitz von Richter Christian Frey tagende Strafkammer schickte den 33-Jährigen für fünf Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Seine Ehefrau (26) bekam fünf Jahre und drei Monate Haft. Sie müssen gemeinsam einen sogenannten Wertersatz von 35. 000 Euro leisten. 21.000 Euro davon waren während des Prozesses bereits an die Staatsanwaltschaft überwiesen worden. Der Kontakthersteller aus Schwandorf erhielt drei Jahre Haft. Ihm billigten die Richter eine Entzugstherapie zu. An glimpflichsten endete das umfangreiche Verfahren für die Mutter des Hauptangeklagten. Die 55-jährige wurde zu 15 Monaten Haft mit Bewährung verurteilt.

In seiner Begründung ging Richter Frey davon aus, dass die an viele Einzelabnehmer in der Oberpfalz verhökerte Drogenmenge "von guter Qualität gewesen ist." Denn sonst, so der Vorsitzende, hätte sie keine Käufer gefunden. Nur bei der 55-Jährigen wurde der Haftbefehl aufgehoben. Alle anderen bleiben in Justizvollzugsanstalten. Dort sitzen momentan auch noch Leute, die im Verlauf der Ermittlungen festgenommen worden waren.

"Laufbursche" diente Schmugglern als Verkäufer

Schwandorf

 

 

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