09.07.2021 - 00:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Das eigene Zuhause denkt immer mehr mit: Aus Handwerkern werden Smart-Home-Profis

Häuser und Wohnungen werden smarter, sprich: zunehmend digital gesteuert. Das Handwerk rüstet entsprechend auf, die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz baut in Schwandorf ein Zentrum für digitale Gebäudetechnik.

In Schwandorf baut die Handwerkskammer ein Zentrum für digitale Gebäudetechnik, es soll noch im Oktober eröffnet werden.
von Gabi EichlProfil

Für die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist klar: Ohne Digitalisierung geht nichts mehr. Sie sieht sich selbst als „Vorreiter in puncto Handwerksausbildung 4.0“. Das neue "Zentrum für digitale Gebäudetechnik", das im Oktober am Standort Charlottenhof eröffnet werden soll, ist als Fort- und Weiterbildungszentrum konzipiert. Es will Impuls- und Ideengeber sein und soll sich mittel- bis langfristig zum digitalen Wissenszentrum für die ostbayerische Handwerkerschaft entwickeln. Das Gebäude selbst wurde als erstes öffentliches Bauprojekt in Bayern im sogenannten „Building Information Modeling“-Standard (BIM) geplant, ein digitales Bauplanungsverfahren, das nach Einschätzung von Experten zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auch zu diesem Thema wird es in dem Neubau Fortbildungskurse geben, wobei das Gebäude selbst in diesem Fall als Demonstrationsobjekt dienen wird.

Handwerker werden hier Kiefmanns Worten zufolge Aus- und Weiterbildungskurse zu neuesten digitalen Technologien absolvieren oder Anwendungen im Bereich intelligenter Gebäudetechnik und IT-Sicherheit erproben können. Neben Werkstätten und Lehrsälen wird es dort ein Labor geben, in dem die Kursteilnehmer an regenerativen Energieanlagen und Speichertechnologien unter anderem zu E-Mobilität unterrichtet werden.

Die Handwerkskammer reagiert damit auf einen Trend: Wohnen wird immer "smarter", bequemer. Viele stellen sich aber die Frage: Wird man damit als Kunde auch gläsern oder verwundbar? „Wichtig ist, neben geeigneten Maßnahmen zum Schutz vor Angriffen von außen, auch, sich der Gefahren im Netz bewusst zu sein", sagt Jasmin Kiefmann. Sie ist Digitalisierungskoordinatorin und Beauftragte für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer, eine Stelle, die zum Technologie-Transfer-Netzwerk des Handwerks gehört und von Bund und Land gefördert wird. „Bei vielen mangelt es noch an Sensibilität gegenüber diesem Thema“, sagt sie und meint damit ganz allgemein, dass sich viele Menschen zu unbedacht in der digitalen Welt bewegen.

Für den Smart-Home-Bereich sieht Kiefmann weitaus mehr Chancen und mehr Nutzen als Gefahren. Sie nennt konkrete Beispiele: „Das Einbeziehen des Wetterberichts kann eine Kosteneinsparung mit sich bringen, da die Heizung frühzeitig reduziert oder bei angekündigtem Regen die Bewässerungsanlage pausiert werden kann. Neben dem Gesichtspunkt Komfort geht es aber oftmals auch um die Sicherheit eines Gebäudes: Mithilfe eines Smart-Home-Systems kann zum Beispiel das Öffnen und Schließen von Fenstern und Türen überwacht und im Falle eines Einbruchs Alarm geschlagen werden.“ Oder es könne durch die Integration von Wassersensoren und Rauchwarnmeldern im Ernstfall direkt eine Warnmeldung gesendet werden, um schnellstmöglich reagieren zu können und einen größeren Schaden zu verhindern.

"Viele Innovationen"

Kiefmann ist sich eigenen Worten zufolge „sicher, dass wir künftig noch mit vielen Innovationen sowohl im Privathaushalt als auch im Arbeitsumfeld rechnen dürfen“. Das Handwerk reagiere auf diese Veränderungen und passe sein Dienstleistungsspektrum entsprechend an.

Wird man durch die Digitalisierung den Handwerker künftig als öfter oder seltener im Haus haben? Kiefmann sagt, es könnten durchaus bisher übliche Vor-Ort-Termine auf digitalem Weg stattfinden, etwa das Vorgespräch zur Planung einer Renovierungsmaßnahme. Zum Einziehen einer neuen Wand oder dem Verlegen einer elektrischen Leitung müsse der Handwerker dann aber doch noch vor Ort sein.

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Regensburg
Jasmin Kiefmann, Digitalisierungskoordinatorin und Beauftragte für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

 

 

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