Schwandorf
06.01.2019 - 10:54 Uhr

Geschichte zum Schmökern

Seit 20 Jahren kümmert sich Josef Fischer um das Langzeitgedächtnis der Stadt. Zu diesem persönlichen Jubiläum hat der Archivar sich und allen an Heimatgeschichte Interessierten ein 68-seitiges Geschenk gemacht.

In "Neues aus dem Stadtarchiv Schwandorf" gibt Archivar Josef Fischer einen kleinen Überblick über die Bestände und lockert diese mit lokalgeschichtlichen Themen auf. Bild: Held
In "Neues aus dem Stadtarchiv Schwandorf" gibt Archivar Josef Fischer einen kleinen Überblick über die Bestände und lockert diese mit lokalgeschichtlichen Themen auf.

Die Broschüre lenkt in kurzen Beiträgen den Fokus gezielt auf Bestände, die nach Überzeugung Fischers einen größeren Personenkreis ansprechen. Zu nennen sind unter anderem Baupläne, Geburten-, Heirats- und Sterbebücher. Viel Informationen über männliche Schwandorfer enthalten die Kriegs-Stammrollen. Schulberichte und -unterlagen beherbergt das Archiv ebenso wie Tageszeitungen, Poesiealben und Sterbebücher. Amtsblätter, Festschriften, Satzungen sind dort ebenfalls gut aufgehoben.

Ein besonders Schmankerl sind Flugblätter und Plakate, zum Beispiel eines von einer Theateraufführung im Saal des ehemaligen Hotels Klosters - dort, wo jetzt das Elisabethenheim steht - "am Mittwoch 19. März 1913, abends 8 Uhr". Titel des Stück "s'Nullerl". Die Sammlung ist noch im Aufbau, denn Josef Fischer und die Mitarbeiterinnen im Archiv haben mit einer Schwierigkeit zu kämpfen.

Egal, wie groß Plakate und Flugblätter waren, sie wurden früher in DIN A 4-Ordnern abgeheftet und zu große wurden passend gemacht. Das heißt gefaltet und natürlich gelocht, damit sie nicht aus den Akten fallen konnten. Doch alle haben dazu gelernt. Seit einigen Jahren geben die städtischen Einrichtungen ein druckfrisches Veranstaltungsplakat sofort im Archiv ab. Womit im vergangenen Jahr begonnen wurde, wird heuer fortgesetzt. Alle Flugblätter und Plakate, darunter auch Wahlwerbung, werden digitalisiert, verzeichnet und signiert. So manches Pamphlet muss mehr oder weniger wie ein rohes Ei behandelt werden, weil es sehr gelitten hat. Restaurationen und neue Verpackungen unter archivalischen Gesichtspunkten werden notwendig. Wie umfangreich dieser Bestand ist, vermag Fischer nicht abzuschätzen. Eines weiß er aber genau: "Einen Schwerpunkt werden ganz sicher die vielen Plakate und Flugblätter zur WAA-Geschichte einnehmen", schreibt er in der Broschüre.

Was er noch genau weiß, ist: Im Rathaus lagert über 1300 laufende Meter Archivgut von 1452 bis in die heutige Zeit. Aus unzähligen mit Papier von oben bis unten vollgestopften Räumen ist in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ein Stadtarchiv entstanden, das auch als solches wahrgenommen und genutzt wird.

Doch Josef Fischer beschränkt sich in dieser Schrift mit dem Titel "Neues aus den Stadtarchiv Schwandorf" nicht auf eine Art Inventur. Aufgelockert wird die Archivübersicht mit Beiträgen zur Schwandorfer Geschichte. Zum Jubiläum "100 Jahre Freistaat Bayern" bietet sich natürlich die Familie Kunz an. Dem Komponisten der Bayernhymne und den Seinen sind mehrere Seiten gewidmet. Auch die Bemühungen Schwandorfs Garnisonsstadt zu werden, sind aufgearbeitet. Damals wie heute für viele ein Lebenselixier ist das Bier. Der Studiendirektor i. R. Erich Zweck hat in einem Gastbeitrag über das Kriegsbier im 1. Weltkrieg und die Auswirkungen auf Schwandorf geforscht. Bereits 1915 machte sich unter den Schwandorfern Unwille wegen des verringerten Bierausschranks breit. Sie unterstellten zum Beispiel dem Hubmann-Bräu, er hätte eigentlich schon etwas mehr produzieren können. Amüsant ist der Vorfall mit dem Titel "Erdäpfel und Faustschläge", mit dem sich der Stadtmagistrat im Herbst 1853 zu befassen hatte. In der Broschüre kann zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs geschmökert werden. www.stadtschwandorf.de

Kunz und die Seinen

WAA-Flugblätter

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.