28.06.2018 - 14:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gewalttat im Wahnzustand

Der Mann erzählt ruhig, sachlich, detailliert. Völlig unfassbar, weshalb er seine Mutter mit drei Glasflaschen übel traktierte. Im Prozess wird deutlich: Der 55-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie.

von Autor HOUProfil

Die Krankheit zwang ihn dazu, seinen Beruf als Ingenieur aufzugeben. Jetzt sitzt der Frührentner wegen eines schweren Gewaltdelikts vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Die Tat, geschehen an einem Augustmorgen letzten Jahres, beging der Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Er hätte regelmäßig Psychopharmaka nehmen sollen. "Doch sie führten zu Nebenwirkungen", berichtete der Beschuldigte jetzt den Richtern. Also setzte er die Medikamente fast gänzlich ab. Seiner Mutter, mit ihm im südlichen Landkreis unter einem Dach lebend, missfiel dies. "Du musst sie einnehmen", mahnte die Frau ihren unverheirateten Sohn.

Angriff auf die Mutter

Was dann geschah, ist einem jähen Zornesanfall geschuldet, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die bei ihm durchbrechenden paranoiden Anfälle zurückzuführen war. Im Dachgeschoss griff der 55-Jährige seine Mutter von hinten mit einer Glasflasche an, schlug sie ihr auf den Kopf. Dann nahm er zwei weitere Flaschen und drosch erneut zu. Zwar zersplitterten zwei der Behälter, doch das Opfer blieb stehen und wurde eine Treppe hinabgeworfen.

Die Attacke ging weiter: Mit zwei herbeigeholten Messern wurde die 78-Jährige im Bauchbereich gestochen. Dann ließ der Täter ab, zeigte plötzlich tiefe Erschütterung und saß reglos am Küchentisch, als sein eben heimkommender Vater die Polizei rief. Einer der Beamten sagte jetzt als Zeuge: "Für das, was die Frau erleiden musste, war sie in erstaunlich gutem Zustand." Genauer: Behandlung von Platzwunden und leichteren Stichverletzungen im Krankenhaus, dann Entlassung. Sie hätte tot sein können.

Nach seinem Übergriff kam der Täter in die geschlossene Abteilung des Bezirksklinikums. Dort ist er bis heute. "Ich brauche neuroleptische Behandlung", ließ er vor Gericht anklingen und machte ausführliche Angaben zum Hergang. Intelligent, mit klarem Durchblick und in der Einsicht, "etwas Schlimmes angestellt zu haben." Gerne möchte der 55-Jährige irgendwann zurück in sein Elternhaus. Doch davon riet ihm die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber dringend ab. "Es könnte wieder etwas passieren", befürchtete sie.

Ende offen

Den Richtern stellt sich nun die Frage, was mit dem Ex-Ingenieur zu geschehen hat. Dabei wurde ihnen schon bei der Aussage des Mannes vor Augen geführt: Wenn er seine Medikamente nimmt, ist die Krankheit im Griff. Doch was ist, wenn er sie wieder absetzt und selbst darüber entscheidet, ob er die Psychopharmaka braucht oder nicht? Der Prozess, als Sicherungsverfahren eingestuft, wird fortgesetzt.

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