21.05.2021 - 14:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Herberge für Sterbende: Johanniter planen Hospiz in Schwandorf

Eine Versorgungslücke für unheilbar kranke Menschen im Landkreis Schwandorf wird geschlossen: Die Johanniter werden in der Kreisstadt ein Hospiz errichten. Das Millionenprojekt setzt auch auf Spendenbereitschaft.

Das Bruder-Gerhard-Hospiz der Johanniter wird in der Nähe des Landratsamts entstehen. Zum Süden hon öffnet sich der U-förmige Bau, den Architekt Georg Kartini (Regenstauf) entworfen hat, zu einem großzügigen Garten.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Eine Herberge für schwer kranke, dem Tode geweihte Menschen: Das wollen Hospize sein. Bislang herrscht hier im Landkreis Schwandorf eine Lücke, was die stationäre Versorgung angeht. Sie wird nun geschlossen. Das gaben Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner, Landrat Thomas Ebeling, Oberbürgermeister Andreas Feller, Gisela Pöhler (Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf) sowie Julius Schmatz (Hospizinitiative der Caritas im Landkreis) am Freitag bei einer Pressekonferenz bekannt.

Das Hospiz werde bis zu zehn unheilbar kranke Menschen aufnehmen, die in Krankenhäusern nicht mehr versorgt werden können und deren häusliche Pflege nicht gesichert ist, so Steinkirchner. "Es soll ein Haus für die Region werden, hier soll gelebt und gelacht werden. So lautet das Motto der Hospizbewegung: Leben bis zuletzt". Auch ein Name ist bereits gefunden: Bruder-Gerhard-Hospiz wird die Einrichtung heißen, nach dem Ordensgründer der Johanniter, Gerhard Sasso (um 1040-1120). Das Gebäude wird nahe des Landratsamts entstehen, auf dem freien Grundstück zwischen Polizeiinspektion und Schwimmbadstraße. Es gehört je zur Hälfte Stadt und Landkreis, die Johanniter werden es erwerben. Vor einigen Monaten begannen die Gespräche zwischen Stadt, Kreis und Johannitern, wie Steinkirchner erläuterte. Das Anliegen sei auf offene Ohren gestoßen. "Wir wissen, dass wir in zwei bis drei Jahren die Menschen aufnehmen können, denen wir jetzt diese letzte Herberge nicht bieten können", sagte Steinkirchner, "das sind alles menschliche Schicksale."

Erfahrung in Pentling

Die Johanniter in Ostbayern können auf Erfahrung setzen: Sie führen in Pentling bei Regensburg seit 2014 ein Hospiz – das erste in der Oberpfalz. Sie setzen in Schwandorf – wie in Pentling auch – auf die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Hier kommt der Hospiz-Verein für Stadt und Landkreis Schwandorf ins Spiel. Der Verein wird mit eigenen Räumen ins Hospiz ziehen und die hauptamtlichen Pflegekräfte der Johanniter bei der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen unterstützen. "Die Arbeit ist mir und den rund 60 ehrenamtlichen Begleitern eine Herzensangelegenheit", sagte Pöhler. Der Bedarf an Betreuung steige, bei Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, aber auch bei jungen Menschen. "Ich bedanke mich im Namen dieser Menschen, die in dem Hospiz wohnen dürfen". Auch Julius Schmatz begrüßte namens der Hospiz-Initiative den Bau. Landrat Thomas Ebeling und Oberbürgermeister Andreas Feller würdigten die Arbeit der Hospizvereine, sicherten zu, das nun geplante stationäre Hospiz zu unterstützen.

Geplant wird das Bruder-Gerhard-Hospiz von Architekt Georg Kartini (Regenstauf). Der etwa U-förmige Bau öffnet sich nach Süden hin zu einem Garten. Das Hospiz wird über zehn Plätze verfügen. Neben den Wohnräumen sind Räume für Angehörige, Küchen, ein "Raum der Stille" und ein Verabschiedungsraum, dazu die nötigen Flächen für Personal und Verwaltung vorgesehen. Die medizinische Versorgung der Bewohner soll ambulant durch niedergelassene Ärzte oder Mediziner des Palliativ-Netzwerks erfolgen.

Zuschüsse von Stiftungen

Die Baukosten sind auf rund 4,25 Millionen Euro taxiert. Die Johanniter bringen rund 2 Millionen an Eigenmitteln ein, rechnen mit je 100000 Euro Förderung vom Bezirk Oberpfalz und vom Freistaat. Anträge an die Landesstiftung und die "Bayerische Stiftung Hospiz" sollen weitere Fördergelder bringen, die Zusagen sind laut Steinkirchner da. Die bleibende Finanzierungslücke von etwa 1,2 Millionen Euro soll mit Spenden geschlossen werden. Das sei zu stemmen, das hätten die Erfahrungen mit dem Hospiz in Pentling gezeigt. Vereine, die Wirtschaft, Privatleute: Im Kreis Regensburg sei das Hospiz dank der vielen Spenden auch zu einem Projekt der Region geworden, sagte Steinkirchner. Der laufende Betrieb werde dann von zu 95 Prozent von den Kostenträgern übernommen. Den entsprechenden Bescheid der Krankenkassen habe man nach einigen Verhandlungen nunmehr in Händen. Die Johanniter rechnen mit einem jährlichen Betriebs-Defizit von etwa 200000 Euro, das über Dauerspendenaktionen oder Fördermitgliedschaften ausgeglichen werden soll. Die beiden Hospizvereine sollen das Haus auch hier unterstützen.

Derzeit existieren in der Oberpfalz zwei Hospize, in Pentling und in Neustadt/Waldnaab. Das Haus in Schwandorf wird eine Forderung erfüllen, die das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises aufwirft. Experten hatten in einem Workshop festgestellt, dass das Hospiz- und Palliativnetzwerk des Kreises bereits wichtige Aufgaben erfülle, der Bedarf an Hospiz-Begleitung aber steigen werde. Deshalb wurde empfohlen, im Landkreis die Einrichtung eines stationären Hospizes zumindest zu prüfen. Nach einigen Monaten der Vorarbeit lagen die Pläne nun am Freitag auf dem Tisch.

Artikel-Serie über das Hospiz in Neustadt

Neustadt an der Waldnaab

Kreistag debattiert Seniorenpolitik

Schwandorf

"Es soll ein Haus für die Region werden, hier soll gelebt und gelacht werden. So lautet das Motto der Hospizbewegung: Leben bis zuletzt"

Martin Steinkirchner, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Martin Steinkirchner, Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe.

"Die Arbeit ist mir und den rund 60 ehrenamtlichen Begleitern eine Herzensangelegenheit."

Gisela Pöhler, Vorsitzende des Hospizvereins für Stadt und Landkreis Schwandorf.

Gisela Pöhler, Vorsitzende des Hospizvereins für Stadt und Landkreis Schwandorf.

Auf dem freien Grundstück nördlich der Schwimmbadstraße soll das Bruder-Gerhard-Hospiz der Johanniter entstehen.
Julius Schmatz (Caritas-Hospizinitiative), Landrat Thomas Ebeling, Gisela Pöhler (Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf), Johanniter-Regionalvorstand Martin Steinkirchner, Archtitekt Georg Kartini und Oberbürgermeister Andreas Feller (von links) stellten das Projekt vor.
Hintergrund:

Bruder-Gerhard-Hospiz

  • Hospize nehmen unheilbar kranke Menschen auf, die in Kliniken oder zu Hause nicht mehr versorgt werden können.
  • In Bayern existieren derzeit laut Auskunft der Johanniter 21 stationäre Hospize mit 216 Plätzen.
  • Die Johanniter Ostbayern führen seit sieben Jahren ein Hospiz in Pentling. Rund 730 Menschen wurden dort seither betreut.
  • Das Bruder-Gerhard-Hospiz in Schwandorf soll helfen, den Bedarf in der Oberpfalz zu decken.
  • Zur Finanzierung Spenden vorgesehen. Das Konto: Bruder-Gerhard-Hospiz Schwandorf, Sparkasse Wenzenbach, IBAN DE04 7505 0000 0101 4520 35

 

 

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