04.10.2021 - 15:17 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Instrument des Jahres 2021: Orgelstadt Ettmannsdorf

In Ettmannsdorf in Schwandorf gibt es Interessantes zu hören: Die Weise-Orgel in St. Konrad, saniert unter Regie von Orgelbau Mühleisen, die Orgel der Klosterkirche und eine Hausorgel, beide erbaut von Organist Andreas Merl.

1964 erbaut von Weise (Plattling), links das Schwellwerk, in der Brüstung das Rückpositiv dahinter der Spieltisch, rechts das Hauptwerk.
von Peter K. DonhauserProfil

Merl ist Seminarlehrer für Deutsch und Psychologie an der Naabtal-Realschule Nabburg, bei ihm greifen die nötigen Interessen und Fähigkeiten ineinander: Er hat vor seiner Lehrer-Ausbildung in Regensburg an der Musikhochschule München bei Harald Feller Orgel studiert; das Arbeiten mit Holz und Metall hat Familientradition.

Ver-rückte Pfeifen

Die Orgel in St. Konrad von 1964 erklingt seit Juli 2021 in neuem Glanz: Gutes Grundmaterial, Respekt vor der Leistung der Erbauer, der Gedanke an Schonung von Ressourcen und die derzeitige großzügige Bezuschussung des Bistums hatten es nahe gelegt, die Orgel zu sanieren, zu reorganisieren und zu erweitern. „Auch im Hinblick auf die Gefahr von Schimmelbildung wollten wir das Gehäuse auseinander und von der Wand abrücken, erstmalig die Fensterrosette mit Musikmotiven freilegen, einen akustisch idealen Platz für den Kirchenchor schaffen“ (Merl). Diese Ideen wurden vom Sachverständigen des Bistums, Gerhard Siegl, uneingeschränkt unterstützt.

Die Verbindung von den Tasten zu den Orgelpfeifen funktioniert in St. Konrad so: Ein Elektromagnet öffnet ein Ventil, das führt „Wind“ zu, der hebt ein Kegelventil und dieses lässt Wind in die gewünschte Pfeife strömen; ein erstaunlich robustes und feinfühliges System mit geringen bewegten Massen. „Orgelbau Bäumler (Weiden) hat in Kooperation mit Mühleisen diese ,elektropneumatische' Traktur gekonnt restauriert, die Orgel spielt sich nun besser denn je. Mit neuen streichenden Registern, dem Schwellwerk mit variablen Jalousien und der Klang-Programmierung mit dem Setzer kann man nun auch deutsche und französische Romantik interpretieren.“

Nachwuchs in der Pfeifenfamilie

Glücklicherweise ist das Pfeifenmaterial von guter Qualität, es mussten nur wenige Register (Klangfarben) neu ergänzt werden: Bourdon 16’, die vier Streicher Gambe 8’, Salicional 8’, Vox coelestis 8’, Violine 4’, die überblasende Flöte 4’ und das kräftige Bassregister Principal 16’ (mit an die fünf Meter Baulänge). Dazu kamen zwei „gebrauchte“ Register mit schwingenden Metallzungen: Vox humana (gebaut von Steinmeyer für Pforzheim) und Oboe 8’ (von Walcker für Dortmund). Ein Glücksfall war Intonateur Christoph Dörr von der Firma Mühleisen aus Leonberg bei Stuttgart: „Er schaffte es, alt und neu klanglich zusammenzuführen, allen Pfeifen Charakter zu geben und der vorher dünn und spitz klingenden Orgel einen gravitätischen, kraftvollen Klang zu verleihen. Sowohl liturgisch wie auch konzertant ist sie nun erheblich vielseitiger geworden“. Die Orgel wird im Oktober mit Konzerten jeweils um 19.30 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt: 10. Oktober spielt Bernhard Müllers (Amberg), am 16. Oktober Norbert Düchtel und Helmut Schätz (Posaune) (beide Regensburg) und am 23. Oktober spielen Blech Bläser Consort Regensburg und Andreas Merl.

Orgel im Dachstudio

Stolz ist Andreas Merl auch auf seine Hausorgel von 2007, die er 2018 in das Dachgeschoss seines Hauses hineingebaut hat. Die neun Register hatten zuvor schon in anderen Instrumenten Dienst getan und wären sonst entsorgt worden. Die gesamte Mechanik und die Windladen hat der Organist selbst konzipiert und gebaut. „Ich habe darauf geachtet, dass die mechanischen Trakturen und jede einzelne Pfeife zum Stimmen oder Regulieren leicht zugänglich sind. Dank der „Wohnzimmer-Akustik“ kann ich beim Üben alle Feinheiten glasklar hören, das ist eine Top-Vorbereitung für das Spielen in einer halligen Kirche“ (Merl).

Hintergrund:

Daten und Fakten zur Orgel in Ettmannsdorf, St. Konrad:

  • Erbauungsjahr: 1964 (Weise) mit „Freipfeifenprospekt“ ohne umrahmendes Gehäuse, Umbauten 1984 (Weise) und 2021 (Mühleisen, Bäumler).
    31 Register, 3 Manuale, Pedal, 1770 Pfeifen
  • Windversorgung: 21 Kubikmeter pro Minute, Winddruck 80 mm Wassersäule
  • Leistung Gebläse: 1 PS
  • Trakturen: Elektropneumatische Kegelladen und elektrische Einzeltonladen
  • Spieltisch: Traktur mit Lichtschrankensystem. Elektronischer Setzer mit 9999 Kombinationen und weiteren codierbaren Bereichen. Registerfessel, Walze programmierbar
  • Besonderheiten: Neben den Normalkoppeln auch 4’-P, im Schwellwerk 16’ und 4’-Koppeln, 5 Register mit schwingenden Metallzungen
  • Stimmung: Neidhardt (1724) „Für eine große Stadt“

Überblick über Orgeln in der Oberpfalz

Amberg
Info:

Ettmannsdorf, Hausorgel

  • Erbauungsjahr: 2007 / 2018 (Andreas Merl)
  • 9 Register, 2 Manuale, Pedal
  • Schleifladen, mechanische Trakturen
  • Besonderheit: Schiebekoppel

Konzertreihe zum Abschluss der Sanierung, jeweils 19 Uhr 30:

  • 02. 10. Andreas Merl
    10. 10. Bernhard Müllers (Amberg)
    16. 10. Norbert Düchtel und Helmut Schätz (Posaune), beide Regensburg
    23. 10. Blech Bläser Consort Regensburg und Andreas Merl
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.