01.08.2019 - 15:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Keine zweite Instanz: Urteil gegen Jäger rechtskräftig

Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichten nach dem Urteil gegen einen Nittenauer Jäger auf weitere Rechtsmittel. Die Bewährungsstrafe ist amtlich, Geldauflagen und hohe Kosten werden fällig.

Geld kann niemals den Verlust eines nahen Angehörigen ersetzen. Doch die Eltern des bei Nittenau duch einen Schuss getöteten Ingenieurs Harald S. (47) erhalten nun 20 000 Euro, die als Geste der Reue zu werten sind. Links im Bild die Mutter des Opfers, Angela S. (72) aus Regensburg, rechts ihr juristischer Interessensvertreter Karl Langsch.
von Autor HWOProfil

Das Urteil ist rechtskräftig. Damit steht fest: Ein Jäger aus Nittenau steht ab sofort unter Bewährung. Wenn der 46-Jährige sich drei Jahre straffrei führt, muss er einen Gefängnisaufenthalt von zwölf Monaten nicht absitzen.

Vier Tage lang hatte die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts verhandelt, dabei nahezu drei Dutzend Zeugen vernommen und drei Sachverständige gehört. Dann fiel das Urteil gegen einen 46-Jährigen aus Nittenau, der am 12. August 2018 während einer Drückjagd auf Wildschweine in Richtung der Bundesstraße 16 geschossen hatte. Dort war ein Auto unterwegs, dessen Beifahrer getroffen wurde. Der Ingenieur Harald S. (47) aus Regensburg starb wenige Minuten später. In seinem Schlussvortrag hatte Staatsanwalt Oliver Wagner eine Haftstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, für die fahrlässig begangene Tötung verlangt. Demgegenüber lautete der Strafantrag der Verteidiger Michael Haizmann (Regensburg) und Georg Kuchenreuter (Cham) auf neun Monate mit Bewährung. Beide räumten eine Fahrlässigkeit ihres Mandanten ein. Kuchenreuter war deswegen mit dabei, weil er aus einer alteingesessenen Chamer Waffenhändlerfamilie stammt, selbst Jäger ist und über Fachwissen verfügte.

Die Strafkammer verhängte ein Jahr mit Bewährung. Unmittelbar darauf hatte Anwalt Haizmann bereits geäußert: "Damit können wir leben". Er kündigte an, den Rechtsweg einer Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe nicht beschreiten zu wollen. Staatsanwalt Wagner äußerte sich zunächst nicht. Nun aber hat auch er während der Frist, die bis Mittwoch lief, auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet. Damit steht nicht nur die Freiheitsstrafe unwiderruflich in den Akten.

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Auch zwei vom Gericht verhängte Geldauflagen sind vom Verurteilten zu zahlen. Die Eltern des durch den Schuss ums Leben gekommenen Ingenieurs bekommen insgesamt 20 000 Euro vom Täter überwiesen. Außerdem erhält der Hospizverein Schwandorf 10 000 Euro. Angela S. (72) hatte nach dem Urteil gegenüber Reportern geäußert, sie halte die Entscheidung für angemessen. Anderer Ansicht war ihr Ehemann Michael S. Der 80-Jährige, der schon während des Prozesses von einer "Hinrichtung" seines einzigen Sohnes gesprochen hatte, hielt die Ahndung für zu niedrig. Mit der Rechtskraft des Urteils werden nun wohl auch Rechnungen in großer finanzieller Höhe für den sich über Wochen hinziehenden Ermittlungseinsatz der Polizei an den Verurteilten geschickt. Allein bei der Kripo Amberg sollen sich dem Vernehmen nach Kostenforderungen von rund 50 000 Euro befinden. Hinzu kommen die Aufwendungen für die Gerichtsverhandlung und die Verteidiger. Auch die Rechnung des Nebenklagevertreters hat der 46-Jährige zu tragen. Die Eltern des Opfers hatten sich dazu den Regensburger Anwalt Karl Langsch genommen. Während der Verhandlung war wiederholt von einer Versicherung die Rede. Wie und in welcher Form sie im Fall der verhängnisvoll endenden Drückjagd Kosten übernimmt, wurde allerdings nicht deutlich.

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