Schwandorf
12.10.2023 - 17:04 Uhr
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Zur Kirwa wächst die Lust auf Karpfen, im Landkreis Schwandorf sinkt aber das Angebot

Der Oberpfälzer Karpfen legt sich auch auf ein exotisches Gemüsebett. Zur Allerweltskirwa kommt er aber meist klassisch auf den Tisch – gebacken. Trotz hoher Nachfrage und guter Erträge sind Teichwirte im Landkreis Schwandorf frustriert.

Für Hans Schießl, Seniorchef des Fischerhofes Schießl in Asbach (Markt Schwarzenfeld), läuft es sehr gut nicht nur, weil die Karpfen heuer gut gewachsen sind. Er meint das Geschäft und nennt ein Beispiel. "Junge Familien kaufen bewusst in der Region und nicht von der Hochseefischerei." Bei ihnen ist das Karpfenfilet ohne Gräten sehr beliebt. Die Kosten im Vergleich zu einem Kilo Lebendkrapfen der laut Hans Schießl bei 3,90 plus Mehrwertsteuer liegt, sind um ein X-faches höher. Denn zur Arbeitszeit fürs Filetieren schlägt sich auch der Verlust von 55 bis 60 Prozent vom Lebendgewicht preislich nieder.

"Mir schmeckt der Fisch mit Gräten besser", sagt Hans Schießl. Er vergleicht es mit einem Schweinebraten. Den mag er mit Knochen auch lieber. Weil viele keine Fritteuse zu Hause haben oder auch den Geruch scheuen, findet der "Karpfen to go", also der bereits gebackene, verzehrfertige, immer mehr Liebhaber. Die Nachfrage nach Karpfen ist vor allem auch der Gastronomie geschuldet. Der Fischerhof liefert unter anderem in den Nürnberger Raum. "Es wird jedes Jahr weniger", sagt Hans Schießl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Er spricht die sich verknappende Menge an Karpfen und indirekt das Problem an, das viele Teichwirte zum Aufgeben zwingt. "Viele kleine hören auf. Sie geben 100 Setzlinge rein und 20, wenn es hoch kommt, werden abgefischt."

Fischotter, Kormoran, Gänsesäger machen den Fischen den Garaus und den Teichwirten das Leben schwer. Je kleiner der Weiher, desto größer der Verlust. In größeren Teichen tut sich nach den Worten von Hans Schießl der Otter schwerer. Die beträchtlichen Schäden die Otter & Co. den Teichwirten zufügen und sie zur Aufgabe zwingen, sind es, die Marco Mulzer vom Fischhof Mulzer in Oberweiherhaus (Stadt Schwandorf) umtreiben. Schon allein die Setzlinge werden weniger und dann "sind die Verluste übers Jahr so hoch", sagt er und fügt hinzu: "Die Nachfrage ist nach wie vor hoch, aber das Angebot verknappt sich, weil die Produktion in Bayern rückläufig ist." Die Gründe kann Marco Mulzer klar benennen, "Klima und Naturschutz". Dabei sollte doch die Maxime vorherrschen, Lebensmittel im eigenen Land zu erzeugen.

"Der Kunde schätzt regionale Qualität", kommt er auf Erfahrungen in seinem Teichbetrieb zu sprechen. Und jener hat Lust auf grätenloses Karpfenfilet. Der Preis hierfür liegt nach Angaben von Marco Mulzer bei rund 18 Euro pro Kilo in der Direktvermarktung. 75 Prozent der Karpfen nimmt seinen Worten nach jedoch in Bayern die Gastronomie ab. Für Konrad Bartmann, Geschäftsführer der Teichgenossenschaft Oberpfalz (TEGO) in Säulnhof (Gemeinde Stulln) ist die rückläufige Zahl an Teichwirten mit dem Rückgang an Landwirten allgemein vergleichbar. Ein Lichtblick: "In diesem Jahr sind die Karpfen sehr gut gewachsen." Die Erträge könnten heuer um zehn Prozent höher als im Vorjahr liegen, doch Konrad Bartmann bleibt vorsichtig. Das Abfischen läuft noch und die Otterschäden sind noch nicht beziffert. Konrad Bartmann spricht für die zertifizierten Mitgliedsbetriebe mit dem Siegel Oberpfälzer Karpfen. Deren durchschnittlicher Ertrag lag im Landkreis Schwandorf bei 20000 Zentnern, das sind 1000 Tonnen, bei einer Teichfläche von etwa 1000 Hektar.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien nennt das Bayerische Landwirtschaftsministerium für den Landkreis Schwandorf knapp 4900 Teiche mit einer Nutzfläche von etwa 2200 Hektar. Diese Zahlen hat das Institut für Fischerei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ermittelt. Es schätzt für heuer einen jährlichen Karpfenertrag von etwa 500 bis 600 Tonnen im Landkreis Schwandorf. "Er liegt aufgrund der Fischverluste durch den Fischotter deutlich unter den Erträgen früherer Jahre", schreibt das Landwirtschaftsministerium.

Hintergrund:

Rezept: Karpfen gebacken

  • Zutaten für 4 Personen: 1 kg Karpfenfilet, etwas Salz und Pfeffer, Saft einer halben Zitrone, etwas Mehl, 1 Ei, etwas Milch, ca. 150 g Semmelbrösel, 450 ml Rapsöl
  • Zubereitung: Zum Zitronensaft etwas Wasser geben und das Karpfenfilet durch den Zitronensaft ziehen. Anschließend das Filet salzen und pfeffern. Das Ei mit der Milch verklöppeln. Nun das Filet in Mehl wenden, durch die Eier-Milch ziehen und anschließend in den Semmelbröseln panieren. In einer Fritteuse oder Großen Pfanne knusprig ausbacken. Wenn die Filets goldbraun sind, zum Abtropfen auf ein Küchenpapier legen.
  • Serviervorschlag: Kartoffelsalat, grüner Salat (Rezept: Julia Schießl)
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