26.11.2020 - 15:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kohlendioxid-Messgeräte: Frische Luft für Schüler und Lehrer

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Frische Luft auf engem Raum ist in der Coronapandemie unerlässlich. Kohlendioxid-Messgeräte schlagen Alarm, wenn es Zeit wird, zu lüften. Im Landkreis Schwandorf sind derzeit neun dieser Geräte an Grund- und Mittelschulen im Einsatz.

Für ein gutes Raumklima sollte die CO2-Konzentration unter 1000 ppm (parts per million) liegen. Technische Hilfe leisten Kohlendioxid-Messgeräte, die derzeit auch in Klassenzimmern im Landkreis Schwandorf zum Einsatz kommen
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Doktor-Eisenbarth-Grundschule in Oberviechtach hat wie einige andere bereits auf Corona reagiert. Dort hat man ein Hochleistungs-Luftreinigungssystem angeschafft, das in der 80 Quadratmeter großen Offenen Ganztagsschule eingesetzt wird - da in diesem Raum, in dem die Kinder am Nachmittag lernen, basteln und spielen, nur zwei Fenster zum Kippen vorhanden sind. Sechs einstellbare Stufen an dem weißen Gerät sorgen dafür, dass Räume mit bis zu 440 Quadratmetern gefiltert werden können. "Bei normalem Betrieb stört es auch nicht durch besonderen Lärm, nur bei Stufe sechs hört man ein Rauschen", versicherte Schulleiterin Christine Schneider. Zehn weitere Luftreiniger seien seitens der Stadt bereits bestellt und würden in den nächsten Wochen erwartet: "Vorrangig in kleinen Schulräumen mit nur einem Fenster sollen sie dann eingesetzt werden und die Maßnahmen wie regelmäßiges Lüften unterstützen."

Ampeln für CO2-Gehalt

Das Lüften der Klassenräume ist ein wichtiger Teilaspekt. So rüsten sich Schüler in der kalten Jahreszeit mit dicken Pullovern, Mützen und Schals aus, um sich nicht zu erkälten, wenn die Lehrer immer wieder "auf Durchzug" schalten. Auch das Robert-Koch-Institut rät zum "regelmäßigen und korrekten Lüften von Fluren und Räumen, um die Anreicherung und Verteilung potenziell infektiöser Aerosole zu vermeiden". Für ein gutes Raumklima sollte die CO2-Konzentration unter 1000 ppm (parts per million) liegen. Technische Hilfe leisten Kohlendioxid-Messgeräte, die derzeit auch in Klassenzimmern im Landkreis Schwandorf zum Einsatz kommen.

Luftreiniger im Einsatz

Viele Kommunen denken derzeit darüber nach, wie sie in ihren Räumen mit den Anforderungen an die Luftreinhaltung zurecht kommen können. Grundlage ist ein technisches Merkblatt vom Bundesministerium für Wirtschaft vom Oktober 2020 zur Corona-gerechten Aufrüstung von öffentlichen Gebäuden. So hat sich unter anderem ganz aktuell die Gemeinde Wackersdorf mit der Situation in der Schule, im Mehrgenerationenhaus und den beiden Kindergärten auseinandergesetzt.

Die Grund- und Mittelschule habe laut dem Wackersdorfer Pressesprecher Michael Weiß "erfreulicherweise seit der Modernisierung eine außenluftgeregelte Lüftungsanlage, die nach Bedarf und Situation für einen größerer Luftaustausch angepasst werden kann". Lediglich im Verwaltungstrack, der Mensa, der Aula und bei der Mittagsbetreuung gebe es keine Lüftungsanlage.

"Hier wird zur Verbesserung der Situation als Kohlendioxid-Messgerät ein CO2-Sensor angeschafft, der über eine LED-Ampel -- grün, gelb, rot - den vorhandenen CO2-Gehalt anzeigt. Leuchtet die rote LED auf, ist der Grenzwert von 1000 ppm erreicht, und es muss gelüftet werden." Die Räume ohne Lüftung hätten alle ausreichend große Fenster, die zum Lüften geöffnet werden können.

Laut einer Auskunft des Staatlichen Schulamts seien an 9 Schulen von den über 40 Grund- und Mittelschulen im Landkreis Schwandorf sogenannte CO2-Ampeln vorhanden. "Ihr überwiegender Einsatz erfolgt in den Klassenzimmern. CO2-Ampeln geplant oder in Vorbereitung sind an 13 Schulen," berichtet Schulamtsdirektorin Renate Vettori, die stellvertretende fachliche Leiterin der Behörde.

An acht Grund- und Mittelschulen sind Luftreiniger vorhanden. Die vorhandenen Luftreiniger werden laut Vettori zum größten Teil in Werk- oder Fachräumen eingesetzt, in denen eine Stoß- oder Querlüftung nicht möglich ist. An sechs Schulen sind Luftreiniger auch in den Klassenräumen vorhanden. Geplant beziehungsweise in Vorbereitung ist die Anschaffung von Luftreiniger aktuell in neun weiteren Schulen. Der Rahmenhygieneplan für Schulen vom 13. November bezieht sich nach Auskunft der Schulamtsdirektorin nicht nur auf Klassenräume, sondern auf alle Räume: So sind auch für Lehrerzimmer, Sekretariate oder Versammlungsräume organisatorische Maßnahmen zu ergreifen, die eine bestmögliche Umsetzung von Hygieneregeln ermöglichen."

Lüften von großer Bedeutung

Dem infektionsschutzgerechten Lüften kommt nach Einschätzung von Renate Vettori "gerade in den bevorstehenden Herbst- und Wintermonaten enorme Bedeutung zu, um die Virenlast und damit die Ansteckungsgefahr in Gebäudeinnenräumen durch regelmäßige Frischluftzufuhr zu verringern". Mindestens alle 45 Minuten sei eine Stoßlüftung oder Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten vorzunehmen, wenn möglich auch öfters während des Unterrichts, zitiert Vettori aus dem Rahmenhygieneplan des Kultusministeriums. CO2-Ampeln würden dazu beitragen, den richtigen Zeitpunkt für eine Notwendigkeit des Lüftens zu bestimmen. "Eine Kipplüftung ist weitgehend wirkungslos, weil durch sie kaum Luft ausgetauscht wird. Ist eine solche Stoßlüftung oder Querlüftung nicht möglich, weil die Fenster nicht vollständig geöffnet werden können, muss durch längere Lüftungszeit und Öffnen von Türen ein ausreichender Luftaustausch ermöglicht werden."

Bei Räumen ohne zu öffnende Fenster oder mit raumlufttechnischen Anlagen ohne oder mit zu geringer Frischluftzufuhr habe die Schulleitung mit dem zuständigen Sachaufwandsträger geeignete Maßnahmen zu treffen - etwa das zeitweise Öffnung an sich verschlossener Fenster. Grundsätzlich sollten raumlufttechnische Anlagen mit möglichst hohem Frischluftanteil betrieben werden.

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien erklärte der Sprecher des Landratsamtes, Hans Prechtl, dass sich der Landkreis als Sachaufwandsträger von Realschulen, Gymnasien, Förderzentren und Berufs- und Wirtschaftsschulen mit dem Thema natürlich ebenfalls beschäftige. "Das Thema ist bei uns angekommen, aber wir haben noch keine Bestellungen getätigt", so Prechtl. Auf dem Tisch liege unter anderem eine Empfehlung des Neunburger Bürgermeisters Martin Birner, der eine Fachfirma in seiner Stadt vorgestellt habe, die solche Geräte liefern könne.

Fördermittel erhältlich

Für den Einsatz von CO2-Sensoren, der grundsätzlich für jeden Klassen- und Fachraum in Betracht kommt, erfolgt laut Prechtl die Zuwendung für diese Geräte in Form eines Festbetrags von 7,27 Euro je Schüler. "Bei 9443 Schülern im Landkreis können so bis zu 68 650 Euro an Fördermittel beantragt werden." Die entsprechenden Mittel könnten dann anteilig je nach Schülerzahl der einzelnen Schulen für die Beschaffung verwendet werden. "Als Beispiel hierfür sei das Gymnasium Burglengenfeld genannt, für das mit Schülerzahl 797 im Schuljahr 2019/20 für 5794 Euro CO2-Sensoren beschafft werden könnten." Bei mobile Luftreinigungsgeräten wiederum würde eine Förderung bis zu 100 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben gewährt. Sie sei auf höchstens 3500 Euro je Raum begrenzt.

Der Bauausschuss des Kreistags stimmte am Montag Nachmittag schließlich dem Antrag der Verwaltung auf entsprechende Fördermittel zu. Man geht von Kosten von knapp 200 00 Euro aus: Für 30 Luftreiniger und 600 CO2-Sensoren. Zu rechnen sei mit längeren Lieferzeiten, hieß es.

"An 9 von den über 40 Grund- und Mittelschulen im Landkreis Schwandorf sind sogenannte CO2-Ampeln vorhanden."

Schulamtsdirektorin Renate Vettori

Schulamtsdirektorin Renate Vettori

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