Stefan Distler (53) erinnert sich an die Schlüsselszene in seinem Leben. Der Lehrer kommt in die Klasse, braungebrannt, und erzählt den Schülern von seiner Urlaubsreise. In diesem Moment reift in dem Siebtklässler der Entschluss: „Genau das will ich auch machen“.
Gerhard Balk, der damalige Lehrer an der Kreuzbergschule in Schwandorf, hat mittlerweile 90 Länder auf allen Kontinenten bereist. Sein ehemaliger Schüler bringt es sogar auf 121 und hat das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Stefan Distler kennt noch längst nicht jedes der 193 auf der Erde bekannten Länder. Zum Beispiel Papua-Neuguinea. Der Inselstaat im Pazifik ist sein nächstes Ziel.
40 Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis an der Kreuzbergschule sitzen sich Lehrer und Schüler wieder gegenüber. „Ohne Gerd wäre ich nicht das, was ich heute bin“, versichert Stefan Distler. Er sei kein einfacher Schüler gewesen, gibt er heute zu. Doch er hatte immer „diesen einen Lebenstraum“ vor Augen und wollte in die Welt hinaus.
Jüngster Busfahrer Deutschlands
Also machte er den Führerschein und war damals mit 21 Jahren der jüngste Busfahrer Deutschlands. Es war sein Traumjob. Stefan lernte auf den Fernreisen Land und Leute kennen und verdiente auch noch Geld damit. Geld, das er dringend brauchte, um über den europäischen Tellerrand hinausschauen zu können. „Im Sommer bin ich Bus gefahren, im Winter war ich alleine unterwegs“, erzählt der Weltenbummler. In Japan, Thailand, Indien, Ecuador, Galapagos, auf den Philippinen. Und das alles mit kleinem „Budget“. Der Lebenskünstler profitiert von seiner Erfahrung, weiß, wie man günstig an Flüge und Hotels kommt.
Obwohl er sich schon in den entlegensten Winkeln der Erde aufhielt, hat er noch nicht um sein Leben fürchten müssen. Im Gegenteil: „Ich habe überall freundliche Menschen angetroffen“. Zum Abschied widmet er ihnen Gedichte und Lieder. Das ist nämlich seine zweite Leidenschaft. Stefan komponiert und textet und bringt in seinen Songs jene Gefühle zum Ausdruck, die ihn bei seinen Reisen bewegen. Der Keyboard-Spieler macht Musik und hat auch ein Buch geschrieben mit dem Titel „Lass Träume leben“.
Laptop, Tablet und Handy sind ständige Begleiter und ermöglichen ihm die Kontakte zu seinen Angehörigen in der Heimat. Eine eigene Familie zu haben, ist zwar sein Wunsch, war allerdings unter den bisherigen Lebensumständen noch nicht realisierbar. Aber: „Wenn ich eine Frau finde, die dieses Leben mit mir teilt, dann sofort“.
Kannibalen getroffen
„Corona“ hat den Weltenbummler ausgebremst, wie so viele andere auch. Heute lebt Stefan Distler in München und verdient seinen Lebensunterhalt als Busfahrer im Nahverkehr. Sein Fernweh aber ist geblieben. Zumal ihm sein Mentor Gerhard Balk noch einige „lohnende Ziele“ empfiehlt. Der frühere Rektor der Grund- und Mittelschule Pfreimd drang in seinen Reisen bis in entlegene Urwaldregionen vor und traf dabei sogar auf Kannibalen.
Bei der Frage nach der friedlichsten Kultur sind sich beide einig: der Buddhismus. Und wo will Stefan Distler einmal seinen Lebensabend verbringen? „Auf den Philippinen“. Er liebe dieses Land mit „so vielen Narben, aber glücklichen Menschen“.




















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