25.03.2020 - 15:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nähen für den Schutz der Anderen

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Wegen der Coronakrise werden überall Mundschutz und Einweghandschuhe knapp. Das Bayerische Rote Kreuz Schwandorf wendet sich nun mit einem Aufruf an die Bevölkerung, selbst Schutzmasken zu nähen. Die Initiative trägt bereits Früchte.

Diese Schutzmasken stellen Frauen aus der Region Nabburg selbst her. Ein selbstgenähter Mundschutz macht zwar nicht gegen den Coronavirus immun, schützt aber das Gegenüber vor einer Tröpfcheninfektion.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Wenn ein Mundschutz auch nicht zu hundert Prozent vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt, kann er dennoch das Risiko senken. Vor allem ist das wichtig für gefährdete Personen oder Menschen, die in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Seniorenheimen täglich mit vielen Menschen zu tun haben. Die Mund-Nasen-Schutzmasken sind mittlerweile eine Rarität.

Das BRK im Kreisverband Schwandorf hat via Facebook einen Aufruf an Näher und Schneider gestartet, egal ob beruflich oder hobbymäßig. "Natürlich können selbstgenähte Atemschutzmasken nicht bei allen Indikationen eingesetzt werden. Sie helfen jedoch enorm, um unseren Vorrat an persönlicher Schutzausrüstung zu strecken", heißt es in dem Post. Um Material und eine Nähanleitung würde sich das BRK auch kümmern. Sie wollen sich "bestmöglich vorbereiten und brauchen dafür jede helfende Hand." Schon nach wenigen Stunden ist die Resonanz so hoch, dass das BRK den Aufruf pausiert, um erst einmal alle Angebote und Anfragen zu organisieren. "Wir sind überwältigt von den vielen Anrufen, E-Mails und sonstigen Nachrichten", heißt es auf der Seite. Auch der stellvertretende Kreisgeschäftsführer, Joachim Seeliger, ist positiv überrascht: "Die Resonanz ist herausragend. Das ist ein klares Zeichen der Unterstützung."

In Nabburg und Umgebung gibt es bereits einen Zusammenschluss, der dem Aufruf folgt. Die Frauen des Obst-und Gartenbauvereins Neusath, der Kreativ-Gruppe Schwarzenfeld, Schneiderinnen aus Nabburg und ehrenamtliche Mitarbeiter der Kleiderkammer Nabburg haben sich vernetzt, um Mundschutze zu nähen. Zunächst war die Impulsgeberin, eine Neusatherin, die nicht namentlich genannt werden will, noch unsicher, ob sie ihre Idee wirklich umsetzen soll. "Die Meinung zu selbstgenähtem Mundschutz ist zwiegespalten", erzählt sie. Dieser wäge die Menschen in falscher Sicherheit. Er schütze nicht vor einer Ansteckung, aber verhindert, dass beim Sprechen eigener Speichel dem Gegenüber zu nahe kommt. Durch den Aufruf des BRK fühlt sich die Neusatherin bestärkt und ergreift die Initiative. Über Whats-App finden sich schnell Freiwillige, die mithelfen, und jemanden kennen, der jemanden kennt. So sind für die erste Runde bereits 15 Freiwillige zusammengekommen - bestehend aus fünf Frauen und einem Mann in Schwarzenfeld und acht Frauen und einem Mann aus Nabburg/Neusath.

Von der Kleiderkammer Nabburg kommen Stoffe und auch hier bildet sich eine Gruppe aus Näherinnen. Tatkräftige Unterstützung gibt es von Markus Brandl von der Firma LDW Brandl Oberviechtach. Dort werden per Laser die Stoffe auf das Schnittmuster zugeschnitten. So können große Mengen hergestellt werden. "Wir hängen Tüten mit dem Zuschnitt und einem Hinweiszettel an die Haustüren der Freiwilligen." In jeder Tüte ist Material für 50 Stück. Am nächsten Tag werden die Tüten wieder eingesammelt und an die Sozialstation, das BRK Schwandorf und Nabburger Arztpraxen verteilt. Wie viele Masken pro Tag produziert werden können, hängt ganz davon ab, wieviel die Näherinnen schaffen. "Das Internet ist voll von Schnittmustern. Ich empfehle jedem, zumindest für seinen eigenen Haushalt Schutzmasken zu nähen." Jeder, der helfen mag, soll sich am Besten an das BRK in Schwandorf wenden oder selber aktiv werden.

Zahlreiche Fragen haben uns im Anschluss erreicht, die hier beantwortet werden

Schwandorf

Spendenaufruf der Stadt Weiden: Auch hier ist Schutzausrüstung knapp

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Sicherheitshinweis

Jeder Tüte mit Zuschnitten für Schutzmasken legen die Freiwilligen des Obst- und Gartenbauvereins Neusath und der Kleiderkammer Nabburg einen Zettel mit folgenden Sicherheitshinweisen bei:

"Ich schütze dich - du schützt mich". Bitte beachten: Der selbst genähte Mundschutz schützt nicht vor der Aufnahme von Viren und Bakterien - er reduziert die Verbreitung und schützt dein Gegenüber! Bitte täglich auskochen! Auch beim Tragen gilt weiterhin: -Abstand halten (1,5 bis 2 Meter), Hände gründlich waschen, nicht ins Gesicht fassen, -in die Armbeuge niesen. Vor Gebrauch bitte waschen!

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