18.08.2021 - 15:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Parlament in Berlin: Das können Abgeordnete für ihre Heimat in der Oberpfalz tun

Zwei Bundestagsabgeordnete, zwei Geschichten über Heimat und das Engagement für den Landkreis Schwandorf. Wie schafft man es, in der Berliner "Blase" nicht die Bodenständigkeit zu verlieren? Was können Abgeordnete für ihre Heimat tun?

Seit vielen Jahren sind Marianne Schieder und Karl Holmeier Mitglieder des Deutschen Bundestags. Vom Reichstagsgebäude in Berlin aus arbeiten sie für ihre Heimat in der Oberpfalz.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

"Heimat ist, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde": Diesen Spruch von Philosoph Karl Jaspers zitiert Marianne Schieder. Seit über einem Vierteljahrhundert steht die Wernberg-Köblitzerin für die SPD auf größeren politischen Bühnen, begonnen im Bayerischen Landtag, heute in Berlin. Karl Holmeier ist seit zwölf Jahren Bundestagsabgeordneter für die CSU. In Weiding im Landkreis Cham ist er aufgewachsen und bis heute geblieben. "Heimat ist für mich das Gefühl, wo ich mich den Menschen besonders verbunden fühle, wo ich die Umgebung kenne und wo ich zuhause bin."

Zwei Abgeordnete, zwei Geschichten über ihre Wurzeln, die Verbundenheit zur Region, ihre wichtigsten Projekte und vor allem: Bodenständigkeit. Großstadt Berlin versus ländliche Gegend im Kreis Schwandorf und Cham: Wie lässt sich das als Abgeordnete verbinden? Was können Abgeordnete von Berlin aus für ihre Heimat, für die Menschen vor Ort tun? "Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass jeder Abgeordnete hier zweigleisig fahren muss", sagt Schieder klar. Einerseits gehe es darum, Ansprechpartner für die Bürger sein und sie bei persönlichen Themen zu unterstützen. Schieder verweist hier auf eine drohende Abschiebung eines gut integrierten Geflüchteten aus ihrer Region, die sie verhindern konnte. "Andererseits können Abgeordnete wichtige Infrastrukturprojekte für ihre Heimat voranbringen, indem sie für Fördermittel des Bundes kämpfen."

Mit ganzer Kraft habe sie sich dafür eingesetzt, dass es Mittel für den Breitbandausbau gibt oder dass die Bundesstraße 85 Stück für Stück ausgebaut wird. "Hier werde ich weiter dranbleiben, ebenso auch bei der Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg."

"Die Gesetze, die im Bundestag verabschiedet werden, betreffen fast immer die Menschen im Wahlkreis", sagt auch Karl Holmeier. Für ihn sei der permanente und direkte Kontakt "zu allen Ebenen" wichtig - von den Kommunen und den Bürgermeistern bis hin zu örtlichen Vereinen, dem Handwerk und dem Mittelstand. "Aus dem Grund bin ich ständig im Wahlkreis unterwegs." Holmeier sagt, er sei überzeugt davon, dass Politik immer nah am Menschen sein solle. "Ich sah mich immer in der Verantwortung den Bürgerinnen und Bürgern des Wahlkreises Schwandorf und Cham gegenüber."

Wichtig sei ihm gewesen, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen. Auch Holmeier nennt Infrastrukturprojekte, wie den Ausbau diverser Straßen, barrierefreie Zugänge zu regionalen Bahnhöfen, den Breitbandausbau und die Mautbefreiung für landwirtschaftlichen Verkehr. "In Berlin gehöre ich der Ostbayernrunde an, einem Zusammenschluss von elf CSU-Abgeordneten, die die Region mit einer starken Stimme in Berlin vertreten wollen."

Bodenhaftung nie verlieren

Wie schafft man es, in der "Blase" des Berliner Politikbetriebes nicht die Bodenständigkeit zu verlieren? Durchaus bestehe da eine Gefahr, sagt Marianne Schieder offen. "In den langen Jahren meiner politischen Arbeit habe ich immer wieder Leute erlebt, die sich als etwas Besseres gefühlt und die Bodenhaftung verloren haben - das sind aber ehrlich gesagt wenige." Schieder sieht ihre Arbeit als große Ehre, wie sie zugibt. "Ich versuche, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, sie zu unterstützen, wenn es möglich ist. Aber ich bin auch ehrlich und sage ohne Geschwurbel, wenn etwas eben nicht geht." Gelegentlich könne sie da auch schon mal "sehr hantig" werden.

Auf allen Kanälen präsent

Die Arbeit in Berlin sei für Holmeier immer Arbeit für die Heimat gewesen. "Man kann beides nicht voneinander trennen." Und auch in der Hauptstadt sei er für die Bürger auf allen Kanälen erreichbar. Beide, sowohl Schieder als auch Holmeier, sind nach wie vor in ihrem Wahlkreis kommunalpolitisch, ehrenamtlich und in vielen Vereinen aktiv - trotz ihres Mandats im entfernten Berlin.

Eines erdet besonders: Hobbys. Bei Karl Holmeier ist es das Eisstockschießen. "Ich freue mich, dass ich für viele einfach nur "der Kare" geblieben bin." Schieder dagegen ist leidenschaftliche Hobbygärtnerin. "Wenn ich nach stressigen Sitzungswochen in Berlin zurückkomme, gehe ich am liebsten in meinen Garten und schaue, was gewachsen ist und blüht." Bei der Gartenarbeit könne sie gut entspannen.

Diese Ventile sind auch nötig, um den hektischen Politikbetrieb in der Hauptstadt hinter sich zu lassen. Marianne Schieder sagt: "Schlimm sind oft der Zeitdruck und das getaktete Leben nach Kalender." Und auch Karl Holmeier bedauert, dass man "permanent mit dem Gefühl lebt, dass die Zeit nicht ausreicht".

Braucht langen Atem

Während Schieder erneut als Abgeordnete kandidiert, endet dieser Weg für Karl Holmeier - er tritt nicht mehr an. Ratschläge für die "Neuen", die zum ersten Mal in den Bundestag einziehen, will er keine geben. Nur so viel: "Am Anfang eines Abgeordnetenlebens denkt man vielleicht, dass man sofort die Welt verändern kann und lernt schnell, dass in Berlin die sprichwörtlichen Bretter sehr dick sind." Man braucht, sagt er, viel Geduld, einen langen Atem und auch Verbündete.

Karl Holmeier tritt nicht mehr bei der Wahl an und blickt zurück

Schwandorf

Drei Frauen treten an im Wahlkreis Schwandorf/Cham

Schwandorf
Hintergrund:

MdB Marianne Schieder

  • Marianne Schieder ist 1962 geboren und wuchs als älteste von fünf Töchtern auf einem Bauernhof in Schwarzberg, einem kleinen Dorf in der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz, auf.
  • 1990 ist sie der SPD beigetreten und ist Mitglied in zahlreichen Vereinen, unter anderem bei Verdi, der Arbeiterwohlfahrt, pax christi und dem Oberpfälzer Waldverein.
  • Von 1994 bis 2005 war sie Mitglied des Bayerischen Landtages, seit 2005 bis heute ist Schieder Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 1996 im Marktrat ihrer Heimatgemeinde Wernberg-Köblitz und im Kreistag des Landkreises Schwandorf.
Hintergrund:

MdB Karl Holmeier

  • Karl Holmeier ist 1956 im Landkreis Cham geboren, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.
  • Seit 1979 ist er Mitglied in der CSU und aktiv in zahlreichen Vereinen, unter anderem Vorsitzender der Eisstockschützen Cham und stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Wettbewerbswirtschaft.
  • Seit 2009 ist Holmeier Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwandorf/Cham. Außerdem ist er Vorsitzender der CSU-Fraktion im Kreistag Cham und seit 2015 CSU-Kreisvorsitzender. Von 1990 bis 2014 war er Bürgermeister der Gemeinde Weiding.

 

 

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