06.05.2020 - 16:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Protest in Schwandorf: Warum dürfen Tanzschulen nicht öffnen?

Stefan Theuerl fühlt sich „der Politik hilflos ausgeliefert“. Der Inhaber der Tanzschule in Schwandorf beklagt die Ungleichbehandlung in Zeiten von Corona: „Warum dürfen Musikschulen und Kosmetikstudios öffnen, Tanzschulen aber nicht?“

"Injoy"-Geschäftsführerin Margit Liegl (links) hat die Voraussetzungen für eine kontaktlose Nutzung ihres Fitness-Studios.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Von den angekündigten Lockerungen sind Tanzschulen und Fitness-Studios ausgeschlossen. Ihre Empörung darüber wollen Stefan Theuerl, Inhaber der Tanzschule Theuerl, und Margit Liegl, die Geschäftsführerin des "Injoy"-Fitness-Studios, öffentlich zum Ausdruck bringen. Sie postieren sich am Donnerstag, um "5 vor 12" am unteren Marktplatz in Schwandorf und werden die Passanten auf ihre "dramatische Lage" aufmerksam machen.

"Die Politiker haben ja keine Ahnung", sagt Margit Liegl. Sie sei unverschuldet in diese Lage geraten und kämpfe nun um die Existenz. Ihr fehlen nicht nur die Gebühren, sondern auch "die kompletten Einnahmen aus dem Thekengeschäft". Ihre Mitarbeiter hat die Geschäftsführerin in Kurzarbeit geschickt und die Zeit genutzt, den Betrieb auf die neue Situation einzustellen. Hygiene habe auch vor Corona eine wichtige Rolle gespielt, jetzt hat Margit Liegl die Voraussetzungen für "eine kontaktlose Nutzung der Einrichtung" geschaffen. Zur heutigen Demo wird sie Geräte mitbringen und den Leuten das Hygiene-Konzept erklären.

Protest am Marktplatz

Im "Injoy" häufen sich die Anrufe, die den Besuch im Fitness-Studio vermissen. "Das regelmäßige Training stärkt Kreislauf und Immunsystem", sagt Margit Liegl. Vor allem Kunden mit Beschwerden würden unter der Schließung leiden. Gesundheitliche, soziale und kulturelle Aspekte führt auch Stefan Theuerl ins Feld, wenn er an die Folgen des wochenlangen Stillstandes denkt. Der Tanzlehrer bietet Online-Kurse mit Videoübertragung an und hält Telefon- oder Email-Kontakt zu seinen Kunden. Die Beiträge hat er um die Hälfte reduziert. "Wir haben die Tanzschule neu eingerichtet und wollten so richtig Gas geben", erklärt Stefan Theuerl. Stattdessen müsse sein Betrieb eine Vollbremsung verkraften.

Fühlen sich ungerecht behandelt

Was den Schwandorfer Studio-Betreibern sauer aufstößt, ist die Ungleichbehandlung. "Wir erfüllen die Vorgaben der Regierung und dürfen trotzdem nicht öffnen", beklagen Stefan Theuerl und Margit Liegl. Von den Lockerungen seien Fitness-Studios und Tanzschulen auf unabsehbare Zeit ausgeschlossen. "Dies sorgt für Verwunderung und für Empörung bei den Betreibern, die in ihrer Existenz bedroht sind", erklärt Theuerl. Die Unternehmen würden sich "selbstverständlich an die Auflagen und Vorschriften der Regierung halten". Für die Mitarbeiter fanden Fortbildungen in Hygiene nach den neuesten Standards statt. "Mit diesem Wissen und mit den Vorgaben der Regierung haben wir schlüssige Konzepte erarbeitet", betont Stefan Theuerl. Die hier getroffenen Maßnahmen seien vielfach sogar effektiver als die in den Friseursalons oder Baumärkten, ist der Betreiber der Tanzschule überzeugt. Kontaktloses Betreten der Räume, Mindestabstände und bargeldlose Bezahlung seien gewährleistet. Selbst das Verlassen der Tanzschule oder Fitnesscenter über einen anderen Ausgang sei "problemlos darstellbar". Theuerl hält die Gefahr der Ansteckung in einer Tanzschule oder einem Fitness-Studio für weitaus geringer als etwa in einem Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Friseur. Und er versichert: "Die Nachverfolgung der Infektionskette ist in beiden Unternehmen lückenlos umsetzbar".

Lesen Sie hier: Wie Fitness-Studio-Betreiber mit dem Coronavirus umgehen

Amberg
Stefan Theuerl garantiert einen „kontaktlosen Zugang“ zu seiner Tanzschule. Auch für den Betrieb hat er ein Hygienekonzept entwickelt.
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