12.01.2022 - 11:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Prozess: Schwarzfahren wird richtig teuer

Nicht einmal 20 Euro hätten die vier Bahntickets gekostet, die ein 21-Jähriger für die Fahrten zur Arbeit gebraucht hätte. Er fuhr ohne, wurde erwischt. Vor dem Schwandorfer Jugendgericht wurde das Schwarzfahren jetzt richtig teuer.

Ein Strafgesetzbuch steht auf einer Richterbank.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Den jungen Mann drücken erhebliche Schulden, rund 20 000 Euro. Das nannte er etwas kleinlaut als Grund dafür, dass er im November 2020 und im Mai 2021 ohne Tickets im Raum Nürnberg unterwegs war, meist zu seiner Arbeitsstelle. Viermal ging er Kontrolleuren ins Netz. "Erschleichen von Leistungen" heißt das Schwarzfahren im Juristendeutsch, und darauf lautete nach den fälligen Anzeigen die Anklage vor Jugendrichterin Petra Froschauer. Staatsanwältin Teresa Steiner zählte auf: Dreimal hätte das nötige Ticket 5,10 Euro gekostet, einmal 2,60 Euro. Macht zusammen einen Schaden von 17,90 Euro. So recht erklären konnte der 21-Jährige nicht, warum er die Züge nahm, ohne ein Ticket zu lösen. Denn ein Einkommen hatte er, arbeitete als Möbelpacker. Heute hat er einen Job bei einem Sicherheitsdienst, nach seinen Angaben recht ordentlich bezahlt. Klar, die Schulden drücken. Immer noch. Einen Termin bei der Schuldnerberatung hat er bislang nicht auf die Reihe gebracht. "Da müssen sie was tun", sagte Froschauer.

Leichter wird die Schuldenlast nicht. Denn die Jugendrichterin verurteilte den 21-Jährigen wegen der vier Schwarzfahrten zu einer Geldstrafe von 500 Euro zugunsten der Erziehungsberatungsstelle Schwandorf. Dazu kommen die 17,90 Euro für die Karten als "Wertersatz", und die Kosten des Verfahrens. Alles in allem sicher mehr als 30 mal so viel, wie für die Bahnfahrten fällig gewesen wäre. "Sie müssen das spüren", sagte Froschauer, die in ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwältin gefolgt war. Die Strafe kann der 21-Jährige abstottern, zehn Monate lang.

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