18.06.2021 - 13:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schulanfang in Pandemiezeiten: Eltern im Kreis Schwandorf nutzen Korridor als Ausweg

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Corona lässt seit März 2020 keinen normalen Unterricht zu. "Korridorkinder" haben die Chance, noch ein Jahr im Kindergarten zu bleiben in der Hoffnung auf einen gewohnten Schulalltag im Herbst 2022. Machen Eltern davon Gebrauch?

Corona hat auch Auswirkungen auf die Einschulung von "Korridorkindern". Eltern entscheiden sich für ein weiteres Jahr Kindergarten statt Schule.
von Irma Held Kontakt Profil

"Korridorkinder" - Kinder, die im Juli, August oder September sechs Jahre alt werden - sind die großen Unbekannten in der Planung für das nächste Schuljahr. Der Korridor kann ein willkommenes Mittel sein, den Schulbesuch hinauszuzögern. Über Zahlen, wie der Korridor im Schuljahr 2021/22 genutzt wird, ob er Auswirkungen auf Klassenstärken hat, kann das Schulamt Schwandorf zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskunft geben. Eine Nachfrage von Oberpfalz-Medien an verschiedene Schulen im Kreis ergibt kein einheitliches Bild, offenbart aber eine Tendenz: Der Korridor wird stärker beansprucht als im Jahr zuvor.

"Bei uns ist das nicht der Fall", sagt Johann Wilhelm, Bürgermeister von Guteneck. "Alle Kinder, die Vorschulkinder waren, kommen in die Schule." Auch an der Grundschule Neunburg vorm Wald sei die Nutzung des Korridors nicht signifikant nach oben gegangen. Es würden nicht weniger Korridorkinder eingeschult als 2020, sagt Schulleiterin Sabine Bauer. Sie schätze, etwa die Hälfte würde den Korridor nutzen. Bauer stellt die Arbeit der Kooperationslehrer und die enge Zusammenarbeit mit Kindergärten heraus. "Corona ist dabei natürlich ein Thema."

Ein anderes Bild zeigt sich an der Grundschule Wernberg-Köblitz. Deren Leiterin Diana Neidhardt weiß von Eltern, die vorgehabt hätten, ihr "Korridorkind" einzuschulen. Wegen der fehlenden Zeit im Kindergarten sich jedoch letzten Endes gegen die Schule entschieden hätten. Bei Schule ja oder nein spiele auch eine Rolle, wie viele Juli- oder September-Geborene darunter seien. Julikinder würden eher eingeschult. Zur Entscheidung für den Korridor und gegen die Schule sagt Ella Vierl, Leiterin der Lindenschule in Schwandorf: "Das kann ich nur bestätigen." Es würden wenig "Korridorkinder" eingeschult, vielleicht 15 Prozent. Im vergangenen Jahr sei es etwa die Hälfte gewesen, meint die Pädagogin.

Verständnis für Eltern

Sie habe volles Verständnis für die Bedenken der Eltern. "Mir geht es um die Kinder, nicht um die Zahl", stellt Ella Vierl klar. Zur Beurteilung der Schulreife hätten heuer zum Beispiel Gespräche mit den Eltern, kleine Unterrichtseinheiten mit den Kindern, aber auch Rückmeldungen aus den Kindergärten gefehlt. Aus drei Grundschulen aus dem nördlichen und östlichen Landkreis, die nicht genannt werden wollen, heißt es, dass viele Eltern den Korridor in Anspruch genommen hätten. Es fehle den Kindern ein halbes Kindergartenjahr.

Für den Bereich der Grundschule Schwarzenfeld/Stulln, die auch die Kinder aus der Gemeinde Schwarzach besuchen, teilt Stullns Bürgermeister Hans Prechtl in Abstimmung mit Schulleiter Siegfried Seeliger mit: 2020/21 wurden von zehn Kindern, die zwischen Juli und September sechsten Geburtstag gefeiert haben, neun eingeschult. Ein Kind blieb im Kindergarten. 2021/22 fielen 17 Kinder unter die Korridorregelung. Sechs drücken ab September die Schulbank, elf hängen ein Kindergartenjahr dran. In Prozent ausgedrückt nutzten 2020/21 zehn Prozent den Korridor. 2021/22 sind es an der Grundschule Schwarzenfeld/Stulln 65 Prozent. "Der Korridor wurde von den Eltern als probates Mittel in Coronazeiten erkannt", lautet das Fazit von Bürgermeister und Schulleiter.

Und wie steht es um Trausnitz, die kleinste Schule im Landkreis, über der seit Jahren das Damoklesschwert der Schließung schwebt? Bürgermeister Martin Schwandner ist entspannt. Er sagt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass er von der Schulleitung die Mitteilung erhalten habe, "aktuell steht keine Schließung im Raum". Die Nutzung oder Nichtnutzung des Korridors sehe er nicht so kritisch. "Das verschiebt sich nur um ein Jahr."

Der Trausnitzer Bürgermeister hat mit elf weiteren Gemeindeoberhäuptern, angeführt von Landrat Thomas Ebeling, einen Brief an Kultusminister Michael Piazolo verfasst. Die Kommunalpolitiker forderten ein, die Unterrichtsversorgung an kleinen Standorten langfristig sicherzustellen. In seiner Antwort betont der Minister, ein wohnortnahes Grundschulnetz sei ihm ein großes Anliegen. Er verweist auf den Demografiezuschlag. Kleinstschulen würden unterstützt, um zusätzliche Fördermaßnahmen vorhalten zu können.

Korridor als probates Mittel

Ganz konkret heißt das: Der Schulamtsbezirk Schwandorf hat für 2020/21 aus dem Demografiezuschlag sechs Stellen erhalten. Eine Zuweisung verspricht der Kultusminister auch für das nächste Schuljahr. Regionalspezifische Unterstützung komme ebenso von einem Budgetzuschlag für Schulamtsbezirke mit hohem Schülerrückgang. Jahrgangskombinierte Klassen und Grundschulverbünde mit passgenauen schulorganisatorischen Lösungen führt Michael Piazolo als weitere Möglichkeiten an, kleine Grundschulen zu erhalten.

Das Schreiben an den Kultusminister

Trausnitz

Das sagt der Lehrerverband zum Schulstart im Herbst

München
Hintergrund:

Einschulungskorridor

  • Für Kinder, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, wurde ab dem Schuljahr 2019/2020 ein Einschulungskorridor eingeführt.
  • Nach Beratung und Empfehlung durch die Schulen entscheiden die Eltern, ob ihr Kind zum kommenden Schuljahr oder erst ein Jahr später eingeschult wird.
  • Die Korridorkinder durchlaufen das Anmelde- und Einschreibungsverfahren wie alle schulpflichtigen Kinder.
  • Die Eltern müssen die Entscheidung, ihr Kind nicht einzuschulen der Grundschule schriftlich mitteilen, sonst wird das Kind eingeschult. Die Frist endete heuer am 12. April.
  • Die Nutzung des Korridors, also der Verbleib im Kindergarten, gilt nicht als Rückstellung.

 

 

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