08.06.2021 - 18:43 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Bayerischer Lehrerverband warnt: Kein normaler Schulstart möglich

Nach den Corona-Schließungen hoffen Schüler, Eltern und Lehrer auf ein möglichst normales Schuljahr 2021/22. Der Lehrerverband BLLV sieht die Lage wegen des Lehrermangels nicht so rosig. Das Kultusministerium widerspricht.

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV).
von Jürgen UmlauftProfil

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat vor allzu großen Hoffnungen auf einen normalen Schulstart nach den Sommerferien gewarnt. An den Grund-, Mittel- und Förderschulen drohe ein sich weiter verschärfender Lehrermangel, erklärte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in München.

Schon jetzt sei absehbar, dass bayernweit 650 Vollzeitstellen fehlen, rechnete sie aus bisherigen Veröffentlichungen des Kultusministeriums zusammen. Völlig ungeklärt sei vor diesem Hintergrund, wie die von Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) versprochenen Förderangebote personell getragen werden sollen, die beim Schließen der während des Lockdowns entstandenen Wissenslücken helfen können. "Die bildungspolitische Welt in Bayern ist alles andere als heile", sagte Fleischmann.

BLLV-Vize Gerd Nitschke erklärte, die Schulschließungen wegen Corona hätten den bereits vorhandenen Lehrermangel zuletzt kaschiert. Da bereits im vergangenen Jahr durch die von Piazolo verordnete Mehrarbeit für Lehrkräfte alle dienstrechtlichen Maßnahmen ausgeschöpft worden seien, würden zum kommenden Schuljahr pädagogische Einschnitte folgen müssen, um die Unterrichtsversorgung insgesamt sicherzustellen.

Kunst- und Musikunterricht kürzen

Nach bisher bekannten Plänen des Ministeriums sollen deshalb Lehrkräfte aus den Vor- und Förderkursen zum Erlernen der deutschen Sprache sowie aus Ganztagesangeboten abgezogen und im Regelunterricht eingesetzt werden, berichtete Nitschke. Zudem sollen an den Mittelschulen wohl Kunst-, Musik- und Sportstunden gekürzt werden. Ersetzt werden sollen die abgezogenen Lehrkräfte demnach durch "fachlich geschultes Personal" und Quereinsteiger.

"Wir brauchen kein Streichkonzert, sondern nachhaltige Bildung", forderte Fleischmann. Nötig sei ein "bildungspolitisches Logbuch", aus dem klar hervorgehe, wie die Schulen die zu erwartenden Herausforderungen meistern könnten. Auf der einen Seite kündige Piazolo zusätzliche Corona-Förderprogramme für Schüler an, auf der anderen prognostiziere sein Ministerium einen erhöhten Fehlbedarf an Lehrkräften. "Diese Rechnung kann nicht aufgehen", sagte Fleischmann. Sie sprach von einem "unehrlichen Politikstil". Für den Schulstart im September brauche es daher eine realistische Einschätzung der Lage, die Schule planbar mache. Es müsse vermieden werden, dass die Schulfamilie weiter wöchentlich von neuen Direktiven aus dem Kultusministerium "kalt erwischt" werde.

Ministerium: Weniger Lehrer nötig

Das Kultusministerium widersprach der Darstellung des BLLV. Man gehe davon aus, dass es auch im kommenden Schuljahr gelingen werde, "den Lehrkräftebedarf in allen Schularten decken zu können", hieß es in einer Stellungnahme. Die aktuelle Entwicklung der Schülerzahlen deute darauf hin, dass an Grund-, Mittel- und Förderschulen zum kommenden Schuljahr "deutlich weniger Lehrkräfte benötigt werden, als man bislang erwarten musste". Der BLLV überzeichne den Bedarf. Wegen zahlreicher Unwägbarkeiten werde die Bedarfsprognose aber kontinuierlich bis zum Beginn des neuen Schuljahres weiterentwickelt.

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