28.10.2021 - 15:22 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Marionettentheater führt die Puppen von der Pandemie in die Antike

Der Vorhang des Schwandorfer Marionettentheaters geht wieder auf. Einiges ist anders im Dachgeschoss der Kebbel-Villa. Eines ist gewiss: Gespielt werden wie gewohnt bis Weihnachten zwei Stücke, eines für Erwachsene und eines für Kinder.

Gestatten, Alkmene. Michael Pöllmann zeigt die Hauptfigur des gleichnamigen Stücks. Der Dame fehlen noch die Fäden, die ihr Leben geben.
von Irma Held Kontakt Profil

Zum festen Bestandteil der Vorweihnachtszeit zählt seit Jahrzehnten, dass Marionetten das Zepter im Obergeschoss des Oberpfälzer Künstlerhauses schwingen. Daran hält auch der neue künstlerische Leiter Michael Pöllmann, Sohn der Schwandorfer Marionettentheater-Gründer Raimund und Christine Pöllmann, fest. Aus dem Obergeschoss sind bereits Dialoge aus dem Stück "Alkmene" zu hören, auf der Bühne steht eine griechische Säule, Michael Pöllmann arbeitet hinter der Bühne.

Das ist die erste Neuerung: Die Bühne steht anders im Raum. Sie ist auch vom Grundaufbau komplett anders - multifunktional. Das Metallgerüst bietet zwei Spielbrücken und mehreren Spielorten Platz. Fädenmarionetten, Tischmarionetten und Stabpuppen haben eine Bühne und "falls wir mal Kasperltheater sein wollen, ist das auch möglich", erklärt Michael Pöllmann lachend.

Das Virus kommt auf den Tisch

Diese Flexibilität wird schon beim Kinderstück "Großmutter, das Viruserl und die Zukunft" - eine freche, pfiffige, aber auch nachdenkliche Momentaufnahme der Pandemie aus der Feder des Schriftstellers Bernhard Setzwein - gebraucht. Das Leben beherrschende Virus kommt als Tischmarionette zum Einsatz. Das Publikum sieht auch die Puppenspielerin.

Bei "Alkmene" wird die Wespe als Stabpuppe geführt. Sie kann Michael Pöllmann zufolge schneller rumschwirren, während geführte Fadenmarionetten bedächtiger agieren. Aus drei bis fünf Personen soll pro Aufführung das Ensemble bestehen. "Meine Arbeit ist es, das Theater hinzuführen zu einem ganzen Jahr Spielbetrieb." Vor allem wenn das Schwandorfer Marionettentheater eine eigene Spielstätte in der ehemaligen Sparkasse neben der Kebbel-Villa bekommt, wird es vom Saison- zum Ganzjahrestheater umgebaut. Damit angefangen hat Michael Pöllmann bereits. In Zusammenarbeit mit Werk89 in Wien und dem Puppentheater Maribor (Slowenien) sind "Wiesenträume" entstanden und an verschiedenen Orten gezeigt worden. Im nächsten Februar folgt "Leinen los", ebenfalls in Kooperation mit Werk89.

Der Vorteil hin zum ganzjährigen Betrieb liegt für den künstlerischen Leiter auch darin, dass nicht innerhalb weniger Wochen zwei Premieren über die Bühne gebracht werden müssen. Diese Entzerrung ist schon heuer spürbar. "Großmutter, das Viruserl und die Zukunft" wurde in Setzweins Wohnort Waldmünchen am 19. September uraufgeführt und am 24. Oktober auf dem Brunnerhof in Schwandorf-Richt ein weiteres Mal. "Wenn das Grundkonzept steht, kann das Stück schneller wieder aufgenommen und auch umbesetzt werden."

"Freizügige Geschichte"

Ist die Bühne in der Kebbel-Villa ausgestattet, geht "Alkmene" in die Probe. Die Sprechrollen sind bereits abgehakt. Jetzt kommt das Spiel mit den Figuren. Michael Pöllmann packt sie gerade aus, unter anderem Amphitryon, Göttervater Zeus, Götterboten Hermes. Nur Leda, gesprochen von Anna Maria Sturm, fehlt. Sie ist noch in der Figurenwerkstatt von Scarlett Köfner. Dass die Marionetten von Michael Pöllmanns Ehefrau leicht bekleidet sind, liegt nicht an der Modedesignerin, sondern an der antiken Komödie "Amphitryon 38" von Jean Giraudoux. Michael Pöllmann hat sie für das Schwandorfer Marionettentheater adaptiert. Die Figuren sind noch jungfräulich, will heißen ohne Fäden und Spielkreuz fehlt ihnen die Beweglichkeit. "Es ist eine freizügige Geschichte, weil der Zugang zum Körper im alten Griechenland ein anderer war. Deshalb die einfachen, schlichten Kostüme." Und es wird Bettgeflüster geben. Die Requisite dazu ist gebaut. Wenn da nicht manch Frivoles zu hören und zu sehen ist . . .

Keine Zusatztermine

Sondervorstellungen wird es nicht geben. "Dieses Jahr ist es uns leider nicht möglich unter der Woche zu spielen." Michael Pöllmann setzt auch hier auf die eigene Spielstätte, die sich in der Ausschreibungsphase befinde. Dann werde es einen Spielplan geben und ein Repertoire, aus dem Schulen oder Kindergärten frei buchen können. Weitere Bilder: www.onetz.de/

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