Schwandorf
07.02.2024 - 13:47 Uhr
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Seit 20 Jahren arbeitet Schmack Biogas in Schwandorf für die Energiewende

Bakterien stehen im Labor auf dem ehemaligen Bayernwerk-Gelände in Schwandorf unter besonderer Beobachtung. Doris Schmack leitet diese Forschungseinrichtung. Schmack Biogas stellt sich hier neuen Aufgaben.

Herz von Schmack Biogas ist das Labor. Hier wird in Kleinfermentern Grundlagenarbeit geleistet. Doris Schmack schaut nach, ob sich die Bakterien der Miniatur-Biogasanlage wohl fühlen. Bild: ihl
Herz von Schmack Biogas ist das Labor. Hier wird in Kleinfermentern Grundlagenarbeit geleistet. Doris Schmack schaut nach, ob sich die Bakterien der Miniatur-Biogasanlage wohl fühlen.

Vor 20 Jahren ist der Biogasanlagen-Entwickler und -Anbieter Schmack Biogas von Burglengenfeld auf das Gelände des ehemaligen Bayernwerks in Schwandorf-Dachelhofen gezogen. Dort, wo fossile Brennstoffe in Form von Kohle verstromt wurden, beginnt 2003 die Energiewende. Die Verstromung von Biomasse heißt damals genauso wenig Energiewende wie die Gründung von Schmack 1995 Start-Up. Die Firmengeschichte verläuft in diesen zwei Jahrzehnten am Standort Schwandorf in Wellen. Das Auf und Ab ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Wertschätzung von Biogas – von Zustimmung zur neuen Technik über Ablehnung, weil wertvolles Getreide wie Mais oder Weizen verstromt wird, bis hin zu neuerlicher Bedeutung aufgrund der Energiekrise und -wende.

Abfallprodukte statt Mais

Doch auch Schmack Biogas hat sich gewandelt, nicht auf dem Status quo verharrt, sondern sich dem Fortschritt gestellt. Ist der Ausgangspunkt für die Firmengründung der Bau von Biogasanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben, liegt der Fokus inzwischen auf industriellen Anlagen. Die Bakterien ernähren sich nicht mehr nur von Mais, Gras oder Weizen, sondern hauptsächlich von Bioabfall, auch Gülle oder Hühnermist. In einem Fermenter im Labor schwimmt Bagasse, ein Reststoff aus der Saftgewinnung von Zuckerrohr. Chemikerin Doris Schmack, die das Labor aufgebaut hat und leitet, legt mit den Mitarbeitenden den Grundstein dafür, dass die Anlagen effizient und sicher laufen. Gleichzeitig analysiert die Abteilung, was Bakterien gut tut, damit sie sich "gesund" ernähren und produzieren können. Eine einseitige Ernährung, zum Beispiel ausschließlich nur mit Bagasse, tut nicht immer gut.

Kompetenter Part im Großkonzern

Inzwischen ist Schmack Teil des Green-Tech-Unternehmens Hitachi Zosen Inova, ein japanisch-schweizerischer Konzern, und auf diesem Weg ein global Player. Und in diesem Großkonzern spielt Schmack, das am Standort Schwandorf 180 Mitarbeiter beschäftigt und rund 50 weitere Fachkräfte sucht, eine tragende Rolle. Das erwähnen Schmack-Geschäftsführer Manuel Götz und Doris Schmack bei einem Gespräch nicht ohne Stolz, denn es ist nicht selbstverständlich. In Schwandorf laufen die Fäden für, wie bereits erwähnt, Forschung und Entwicklung zusammen, aber ebenso für den Anlagenbau von der grünen Wiese über die Projektierung bis hin zu Inbetriebnahme und für den Service. Manuel Götz nennt es "Kompetenzzentrum". „Mit diesen drei Faktoren dürfen wir uns als kleiner Ort in der Oberpfalz in den Konzern einbringen.“

Umbau bestehender Anlagen

Seine Kompetenzen spielt Schmack inzwischen im Bau industrieller Anlagen aus Reststoffen, aus der Lebensmittelindustrie etwa, aus. "Italien ist uns momentan sehr wohl gesonnen", sagt Manfred Ritz, Geschäftsführer der Bayernwerk Natur GmbH. In dieser Funktion arbeitet er seit 18 Jahren eng mit Manuel Götz zusammen. Potenzial sehen Götz und Ritz ebenfalls in Spanien und Großbritannien. In Bayern und Deutschland konzentrieren sich die beiden Partner vor allem auf Repowering. Es bedeutet den wirtschaftlichen, zukunftsfähigen Umbau bestehender Biogasanlagen ohne EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) -Vergütung. Manuel Götz will weg vom EEG-Denken. "Den Fokus nur auf Stromproduktion zu legen, war falsch."

Sowohl Manuel Götz als auch Manfred Ritz setzen auf Biogas. "Bäuerliche Anlagen stehen zur Renovierung an." Manfred Ritz favorisiert die Umstellung auf Biomethan. Mehrere Anlagen sollen jeweils zu einem Cluster zusammengeschlossen werden, um die Gasströme zentral umzuwandeln und ins Netz einzuspeisen. Manfred Ritz sieht die Aufgabe in den nächsten Jahren darin, bestehende Anlagen zu erhalten. Durch die Energiekrise, ausgelöst durch den Ukrainekrieg, ist seiner Erfahrung nach Akzeptanz für Biogas wieder gestiegen. "Das Interesse Anfang der 20er Jahre ging gegen Null. 2022 kam es zu einer Bewusstseinsänderung in der Bevölkerung". Manfred Ritz gibt sich optimistisch. "Es geht wieder aufwärts und voran". Im Übrigen: Die 1995 erbaute erste Anlage auf dem Hof von Robert Schmack wurde zwei Mal wieder für die Zukunft fit gemacht und läuft immer noch.

Hintergrund:

Schmack Biogas

  • 1995: Drei Brüder gründen in Regensburg die Schmack Biogas GbR
  • 1996: Bau der ersten schlüsselfertigen Anlage
  • 2003: Umzug auf das Bayernwerk-Gelände in Schwandorf
  • 2005: Bau der Biogasanlage (BGA) Schwandorf 1
  • 2006: Börsengang; weltweit erste Biogas-Einspeisungsanlage in Pliening (Landkreis Ebersberg)
  • 2008: Bau der BGA Schwandorf 2
  • 2009: Bau der BGA Eich bei Kallmünz; Markteinführung Methanos, Hochleistungsbakterien, die den Ertrag der Anlagen verbessern
  • 2010: Eintritt in die Viessmann-Gruppe
  • 2017: Konzentration auf das Servicegeschäft
  • 2019: Start Anlagenbau Power-to-Gas
  • 2021: Eintritt in die Hitachi Zosen Inova-Gruppe (HZI) mit Hauptsitz in Zürich; ein global tätiges Clean-Tech-Unternehmen in den Bereichen Waste-to-Energy (Abfall zu Energie) und erneuerbarem Gas. Fokus von Schmack liegt auf Bioabfallanlagen und industriellen Anlagen. Vergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung in Schwarzenfeld
  • 2023: 20 Jahre Standort Schwandorf, derzeit 180 Mitarbeiter
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