22.06.2018 - 15:44 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Sekunden-Jagd mit Zauberwürfel

43 Trillionen mögliche Kombinationen, viele Wege, eine Lösung: Was für die meisten Menschen - ohne Hilfe - ein Ding der Unmöglichkeit ist, stellt für Markus Pirzer nur eine Sache von wenigen Sekunden dar.

Markus Pirzer (39) aus dem Teublitzer Stadtteil Münchshofen ist ein Experte für den Zauberwürfel. Seine Bestzeit für die Lösung des Kultobjekts aus den 80er Jahren liegt bei rund 18 Sekunden.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Als der ungarische Bauingenieur und Architekt Erno Rubik Anfang der 80er Jahre in Deutschland seinen Zauberwürfel auf den Markt brachte, löste er damit einen riesigen Boom aus. Lösen konnten das Rätsel um die sechs Farben und 54 Felder nicht allzu viele, einen Würfel hatten fast alle.

Auch Markus Pirzer erfasste das Virus. Als kleiner Bub versuchte er sich an der Lösung des Knobelwürfels. Heute weiß der mittlerweile 39-Jährige: "Die wenigsten schaffen es ohne Lösung, wenn sie es versuchen." Einer davon war Pirzers Onkel: Er hatte eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe Neffe Markus Rubiks Würfel in etwa fünf Minuten lösen konnte.

Über ein Buch und Videos im Internet verbesserte sich Markus Pirzer, der im Teublitzer Stadtteil Münchshofen wohnt, stetig - und wurde so gut, dass er im Jahr 2006 zum ersten Mal bei Turnieren antrat. Seitdem ist er regelmäßig bei Wettkämpfen in ganz Deutschland sowie Europa- und Weltmeisterschaften des offiziellen Dachverbandes WCA (World Cube Association) am Start. Insgesamt gibt es dort verschiedene Disziplinen: Dabei geht es zum Beispiel natürlich um die schnellste Lösung des Würfels. In einer anderen Klasse gewinnt derjenige, der das Rätsel in den wenigsten Zügen löst. Wem das alles nicht reicht, der kann sich daran versuchen, den Würfel einhändig oder sogar blind zu lösen.

Bestzeit bei 18 Sekunden

Während bei Welt- und Europameisterschaften strenge Zeitlimits gelten, ist die Messlatte für andere Wettkämpfe deutlich niedriger gesetzt und liegt zum Teil bei fünf Minuten - "damit auch Anfänger nicht abgeschreckt werden, daran teilzunehmen", erklärt Pirzer. Er selber braucht für die Lösung des Würfels natürlich deutlich kürzer: Die Bestzeit des Teublitzers liegt bei rund 18 Sekunden. Das ist zwar sehr schnell, aber für die Plätze ganz vorne reichen selbst diese Zeiten in der Regel nicht. "Ich kann die Turniere zwar nicht gewinnen - aber man sieht, wie man sich selber stetig verbessert", nimmt der Würfelexperte diesen Umstand sportlich.

Zum Vergleich: Der aktuelle Weltrekord für einen 3×3×3-Würfel liegt bei 4,22 Sekunden. Er wurde von Feliks Zemdegs beim Wettkampf "Cube for Cambodia" in diesem Jahr aufgestellt. "Es gibt Leute, die schaffen zehn Züge in der Sekunde", schildert der Elektroniker aus Münchshofen. Die richtigen Profis planen ihre nächsten Schritte schon während der Lösung voraus. Sie müssen auf diese Art und Weise keine "Nachdenkpausen" einlegen und lösen den Würfel quasi in einem Durchgang.

Der geläufigste Lösungsweg wird als "Layer by Layer"-Methode bezeichnet. Dabei werden die drei Ebenen des Würfels nacheinander geordnet. Diese Herangehensweise ist laut Pirzer vor allem für Anfänger geeignet. Der Grund: Es gebe bei dieser Art nur wenige feste Zugfolgen, die man sich einprägen müsste. Ein Tipp des Experten: Generell empfiehlt es sich stets, auch die Kanten der Würfelsteine immer im Blick zu haben und nicht nur die obere Farbe - ein Umstand, den Amateure oftmals nicht beachten.

Die Lösung führt zunächst über ein Kreuz auf der weißen Fläche. "Das geht meist relativ intuitiv", weiß Markus Pirzer. Ab da greift dann die Lösungsmethode samt fester Zugfolgen. Damit lassen sich alle Farbfelder des Würfels in die richtige Anordnung bringen. Allerdings hätte man mit dieser Art und Weise auf Meisterschaften nicht den Hauch einer Chance. Der Experte erklärt, warum: Man braucht insgesamt 100 bis 120 Züge für die Lösung des Würfels - also viel zu viel Zeit.


Methode für Profis

Die Profis bevorzugen die sogenannte "Fridrich"-Methode. Ihr Vorteil: Mehrere Schritte werden zusammengefasst, die Lösung ist in 50 bis 60 Zügen möglich. Allerdings gibt es hier einen Haken: Man muss sich bei dieser Variante deutlich mehr verschiedene Zugfolgen merken.

Generell haben die Teilnehmer an Wettkämpfen in den Zeit-Disziplinen zunächst 15 Sekunden Zeit, um den Würfel zu begutachten und eine Lösungsstrategie zu entwickeln. Dann wird er kurz auf einer Matte abgelegt. Wenn der Teilnehmer das Knobelobjekt schließlich in die Hand nimmt, beginnt die Zeitmessung. Die Sekunden-Jagd endet an dem Zeitpunkt, an dem der Tüftler den Würfel wieder auf die Matte legt, die Hände wegnimmt und aus einer der 43 Trillionen - ausgeschrieben 43 000 000 000 000 000 000 - Möglichkeiten wieder einen richtigen Lösungsweg gefunden hat.

Ich kann die Turniere zwar nicht gewinnen – aber man sieht, wie man sich selber stetig verbessert.

Markus Pirzer

Info:

Schwandorf-Würfel als Preis

Markus Pirzer ist nicht nur Teilnehmer an „Speedcubing“-Meisterschaften, er organisiert auch selber derartige Wettkämpfe – wie vor wenigen Wochen in der Schwandorfer Oberpfalzhalle. Bereits zum dritten Mal lud der 39-Jährige zu den „Schwandorf Open“. Die Teilnehmer reisten von weit her an: Darunter waren auch Starter aus den Vereinigten Staaten, Schweden oder Indien. In verschiedenen Disziplinen kämpften sie um den Sieg. Bei der Siegerehrung gab es noch eine besondere Überraschung: Pirzer hatte extra einen Zauberwürfel mit Fotomotiven aus Schwandorf anfertigen lassen.

Diesen Schwandorf-Zauberwürfel gab es beim Turnier in der Oberpfalzhalle.

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