12.06.2018 - 10:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Software, die zum Alptraum wird

Einen Ausflug in die Cybercrime-Szene gibt es vor Gericht. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie legal oder illegal ist es, wenn sich jemand eine Software bestellt, mit der es möglich ist, totalen Einfluss auf ein fremdes Handy zu nehmen?

Wie legal oder illegal ist es, mit einer Software Einfluss auf ein fremdes Handy zu nehmen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Schwandorfer Amtsgericht,

Die Komponenten dieses Falles, der am Schwandorfer Amtsgericht verhandelt wird, sind äußerst bemerkenswert: Fahnder von Bundes- und Landeskriminalamt spielen eine Rolle, auch internationale Anbieter sogenannter Schadsoftware werden genannt. Vor Richter Christopher Theißen lagen am ersten Prozesstag gefühlte 1000 Aktenseiten. Darin enthalten auch Gutachten von Sachverständigen, in denen versucht wird, komplizierte technische Vorgänge transparent zu machen.

Vor Theißen sitzt ein 49-Jähriger, der zwar seit geraumer Zeit in Franken lebt, im Jahr 2015 aber noch in einem Ort bei Schwandorf wohnte. Er soll über Internet bei verschiedenen Anbietern Programme geordert haben, mit denen man - um es laienhaft auszudrücken - auf die Handys und Smartphones anderer Leute unerkannt vordringen kann. Mehr noch: Mit dieser Software kann quasi komplett die Kontrolle über das jeweilige Gerät übernommen werden. Ohne, dass es der Besitzer merkt.

Diese, wie es der Jurist nennt, Ausspähung von Daten, interessierte im Jahr 2015 das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. Es ließ nach Sichtung von Anbieter-Seiten über den Bezahl-Vermittler Paypal alle Abnehmer feststellen und leitete Ermittlungen gegen sie ein. Für Bayern war danach die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cybercrime-Delikte in Bamberg zuständig. So kam es, dass im Oktober 2015 Fahnder des Landeskriminalamts München bei dem damals 46-Jährigen im Raum Schwandorf das Haus durchsuchten und alle elektronischen Geräte mitnahmen.

Der Mann, jetzt völlig schweigsam vor dem Richter, soll in drei Fällen verschiedene Programme erworben und sie zumindest in einem Fall auch angewendet haben. Auf den ersten Blick ein ungeheuerlicher Vorgang. Doch als der Richter näher hinter die Grauschleier blickte, machte ihm ein Beamter des LKA München deutlich: "Man könnte es ja verwenden, um die Handys der eigenen Kinder zu kontrollieren." Da wäre die Illegalität womöglich aufgehoben. Oder doch nicht? Eine schwierige Einordnung.

Gewiss ist, dass die Installierung auf fremden Handys möglich ist, ohne diese Geräte selbst in der Hand zu haben. Als sicher kann auch gelten: Wer eine solche Software erfolgreich in Gang setzt, muss gewisse technische Kenntnisse mitbringen. Dann aber kann das fremde Handy unter Kontrolle genommen werden.

Es gibt noch einen weiteren Vorwurf, den Staatsanwalt Wolfgang Doblinger dem Angeklagten macht. Der Mann soll, ebenfalls im Jahr 2015, Chat-Kontakt zu einer damals 13-Jährigen aus Österreich aufgenommen und sie aufgefordert haben, sich dem Lebensgefährten ihrer Mutter sexuell aufreizend zu nähern, um dann entsprechende Aufnahmen an ihn zu schicken. Hier hat Richter Theißen momentan ein Problem: "Sie ist in Österreich mit unbekanntem Aufenthalt verzogen." Mit dem Anliegen ihres Chat-Partners könnte die junge Dame sexuell missbraucht worden sein. Die Verbindung dauerte übrigens lange. Sie ist auf 59 Seiten polizeilich erfasst.

Weil man das Mädchen als Zeugin braucht, muss nun erst dessen neuer Wohnort ermittelt werden. Das könnte bis Anfang Juli gelingen. Ein Angebot des Richters, die gesamte Anklage mit einer Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen zu beenden, hatte der seinen Beruf als "Selbstständiger" angebende Mann über seinen Anwalt Marko Heimann (Cham) abgelehnt.

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