Schwandorf
22.07.2019 - 11:32 Uhr

Eine Stadt mit Standortvorteilen

Roland Kittel pendelt täglich von Regensburg nach Schwandorf, um sich um sich als Citymanager und Wirtschaftsförderer um die Belange der Stadt zu kümmern. Der 38-Jährige schwärmt von der Stadt Schwandorf und ihren Potenzialen im Interview.

Roland Kittel im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Bild: Christopher Dotzler
Roland Kittel im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Seit September 2017 ist Roland Kittel Citymanager der Stadt Schwandorf. Im Januar hat er außerdem die Leitung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung übernommen, nachdem Maria Schuierer in die Pressestelle gewechselt ist. In seinen Funktionen hat Roland Kittel die Innenstadt im Besonderen und den Gesamtwirtschaftsraum Schwandorf im Allgemeinen im Blick. Anlässlich des jüngst erschienen Zukunftsatlas' spricht der 38-Jährige über die Stärken Schwandorfs, und welche Projekte er angehen will.

ONETZ: Beim jüngst erschienenen Zukunftsatlas liegt der Landkreis Schwandorf in der Rubrik „Wohlstand“ im oberen Drittel. Auf Platz 99 von 401, um genau zu sein. Heißt: Hier lebt sich’s gut, oder?

Roland Kittel: Ja, weil das Maß stimmt. Es gibt viele und hochqualifizierte Arbeitsplätze, wir haben außerdem die Hochschulen mit Regensburg, Amberg und Weiden um uns rum. Wir haben interessante und innovative Arbeitgeber und trotzdem freie Flächen und die Natur vor der Haustür. Und das sehe ich immer mehr als Standortvorteil. Bei uns findet man Bauland zu Preisen, die sich auch junge Familien leisten können. Auf die Ballungszentren – München, Nürnberg und auch Regensburg – trifft dies immer weniger zu.

ONETZ: Bei wie viel liegt der Preis für den Quadratmeter Bauland gerade?

Roland Kittel: Das ist unterschiedlich, je nach Lage des Grundstücks. Im Stadtgebiet liegt der Preis derzeit zwischen 80 und 160 Euro inklusive Erschließung. Die Stadt Schwandorf gewährt als besonderen Anreiz für junge Familien für jedes Kind einen Preisnachlass von 5000 Euro beim Kauf von städtischen Wohnbauflächen.

ONETZ: Je südlicher, desto höhere Chancen sieht der Zukunftsatlas für die Menschen. Dass das nahe gelegene Regensburg boomt, ist kein Geheimnis. Mehr Segen oder Fluch?

Roland Kittel: Wir liegen strategisch günstig an der Autobahn A 93 mit drei Anschlussstellen. Es ist nach meiner Ansicht ein Standortvorteil, da die Region rund um Regensburg fast keine Flächen mehr zur Verfügung hat. Es ist unser Plus, dass wir noch Nachfragen bedienen können. Das gilt sowohl für das Gewerbe, als auch für den Wohnungsmarkt.

ONETZ: Die Oberpfalz an sich hat ohnehin ziemlich aufgeholt. Vom "Armenhaus Oberpfalz", wie es früher oft hieß, ist längst keine Rede mehr ...

Roland Kittel: ... richtig. Und wir haben hier in Schwandorf und im Landkreis allgemein einen großen Vorteil: Wir haben viele interessante Firmen und sind branchenübergreifend breit aufgestellt. Der Wirtschaft geht es grundsätzlich gut, manche Bereiche sind derzeit jedoch etwas verunsichert. Nur von einer Branche abhängig zu sein – etwa von der Automobilbranche – würde eine unsichere Zukunftsperspektive bedeuten. Das ist bei uns nicht der Fall. Eine Stärke des Standorts ist es, dass wir nicht Gefahr laufen, dass ein Teil der Wirtschaft schwächelt und dann gleich ganz viele Arbeitnehmer betroffen sind. Wir können eigentlich relativ gelassen in die Zukunft blicken.

ONETZ: Eine Herausforderung ist sicherlich der demografische Wandel. Wie können die jungen Familien und jungen Erwachsenen in der Region gehalten oder hierher gelockt werden?

Roland Kittel: Wir haben eine ganz breite Vereinsvielfalt, was für Jugendliche sehr wichtig ist. Das Brauchtum wird gelebt und sportlich können sie sich austoben. Wir haben attraktive Bäder und Freizeiteinrichtungen. Aber: Da geht sicherlich noch mehr. Klettern liegt voll im Trend. Daher fände ich eine Kletterhalle super. In Schwandorf gibt es außerdem keine vernünftige Möglichkeit zum Schlittschuhlaufen. Man könnte sicher immer mehr machen, da wollen wir auch bei dem einem oder anderen Punkt nachlegen.

ONETZ: Prinzipiell betonen Sie aber, dass Schwandorf viele Stärken hat.

Roland Kittel: Ja! Da gibt es sehr, sehr viele Punkte. Durch das riesige Stadtgebiet hat Schwandorf eine gewisse Einzigartigkeit. Das bringt natürlich auch Aufgaben und Probleme mit sich. Das Kanalnetz, Wasserversorgung, der Breitbandausbau und viele anderen Themen stellen uns vor große Herausforderungen. Es ist eine Stärke Schwandorfs, dass man dörflich und doch städtisch zugleich ist. Man lebt in einer idyllischen Landschaft und hat doch interessante Arbeitgeber vor Ort. Es lässt sich gut wohnen und arbeiten, man ist in alle Richtungen verkehrsmäßig gut angebunden und hat eine gut ausgebaute Infrastruktur. Vor der Haustür liegt das Oberpfälzer Seenland und der Bayerische Wald.

Schwandorf16.07.2019

ONETZ: Welche Zukunftsprojekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Roland Kittel: Da gibt es große und kleine. Wir brauchen natürlich Wohnraum. Ich würde mir wünschen, dass das ein oder andere geplante Baugebiet bald umgesetzt werden kann. Zudem haben wir in der Innenstadt alleine in den oberen Stockwerken viele Leerstände. Da könnte man im Bereich Wohnen viel aufholen und zugleich Leben in die Stadt bringen. Im Innenstadtbereich haben wir einige Aufgaben zu bewältigen, aber auch große Potenziale, die entwickelt werden wollen, wie das Schmidt-Bräu-Gelände. Ich kenne keine Stadt, die so zentral am Marktplatz so eine Möglichkeit hat. Man muss jetzt das Richtige daraus machen, das ist klar. Natürlich ist es bei solchen Großprojekten nicht einfach, weiterzukommen. Es wird sehr, sehr spannend, wie sich Schwandorf in den nächsten fünf Jahren entwickelt. Die Voraussetzungen dafür sind meiner Ansicht nach gegeben.

Die Stadt Schwandorf hat Ende 2017 den Kauf des Schmidt-Bräu-Geländes beschlossen

Zukunftsatlas:

Der Zukunftsatlas erscheint seit 2004 alle drei Jahre und bewertet die Zukunftschancen und -risiken der Kreise und kreisfreien Städte. Dem Landkreis Schwandorf werden ausgeglichene Chancen und Risiken zugeschrieben. Der Landkreis Schwandorf ist beim Zukunftsatlas insgesamt auf Platz 162 von 401 gelandet. Zum Vergleich: Amberg (159) und Weiden (146) liegen knapp davor, die Landkreise Amberg-Sulzbach (252), Neustadt an der Waldnaab (341) und Tirschenreuth (209) dahinter.

 
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