15.01.2021 - 16:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Stunde der Wintervögel: Mehr Beobachter, weniger Tiere

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Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zieht eine erste Bilanz der "Stunde der Wintervögel": Mehr Beobachter zählten weniger Vögel. Der Kreisvorsitzende Zeno Bäumler nennt Gründe.

Der Feldsperling war in diesem Jahr der meistgezählte Wintervogel im Landkreis. Im Unterschied zum Haussperling oder Spatz hat er eine braune Kappe und einen dunklen Wangenfleck.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Einerseits ein Rekord, andererseits ein Rückgang: Die "Stunde der Wintervögel" brachte sich scheinbar widersprechende Ergebnisse. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) geht davon aus, dass sich noch nie so viele Beobachter an der Aktion beteiligt haben wie 2021. Andererseits wurden pro Garten weniger Vögel gezählt als vor einem Jahr. Das gilt auch für den Landkreis Schwandorf.

"Die Vögel finden draußen in der Natur noch viel Nahrung", erklärt der Kreisvorsitzende des LBV, Zeno Bäumler, im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien. Deshalb kämen Vögel nicht so häufig in die Gärten der Beobachter. Die Zahlen belegen dies: Bislang (Stand 13. Januar) meldeten die 282 Beobachter im Landkreis aus 206 Gärten genau 7468 Vögel. Macht einen Schnitt von 35,77. Vor einem Jahr wurden in 191 Gärten 9313 Vögel registriert, im Schnitt über 48 Tiere.

"Am Zählwochenende lag noch nicht überall Schnee", so Bäumler. Da finden die Vögel auch noch in freier Natur Sämereien und Beeren. Das fruchtbare Jahr 2020 hat viele Früchte gedeihen lassen, die wie die Vogelbeeren noch jetzt an den Sträuchern hängen. Deshalb sind in den Futterhäuschen in den Siedlungen weniger Vögel zu sehen.

Virus bei Blaumeisen

Ein deutlicher Rückgang ist bei den Meisen zu sehen: Gerade 940 Kohlmeisen wurden am Wochenende vom 8. bis 10. Januar gezählt. Vor einem Jahr waren es noch über 1240. Genau 645 Blaumeisen meldeten die Vogelfreunde aus dem Landkreis, 2020 waren es noch 878. Bei den Blaumeisen kann auch eine Krankheit die Ursache sein: "Es gibt einen Virus, der vor allem die Blaumeisen befällt. Den hatten wir auch im Landkreis", so Bäumler. "Daran sind viele Blaumeisen eingegangen."

Die Schwandorfer Zahlen von 2019

Schwandorf

Die ersten beiden Plätze bei der Zählaktion belegten - wie im vergangenen Jahr - die Haus- und Feldsperlinge. Dieses Jahr hatte der kleinere Feldspatz (1492) die Schnabel vorn, der Hausspatz landete auf Platz 2 (1188). "Die Haussperlinge leben in Siedlungen", so Bäumler, da sei es logisch, wenn sie auch im Winter in den Gärten sind. Die Feldspatzen ziehen herein, weil sie in den Siedlungen nicht nur Futter, sondern auch Deckung finden.

Im Norden daheim

In den "Top-Ten" des Landkreises ist nur eine Art, die häufiger gesehen wurde als vor einem Jahr: Der Erlenzeisig. Der hübsche Vogel mit gelber Brust und grünem Gefieder ist weiter nördlich zu Hause. Wird es dort zu kalt, zieht er zu uns. "Das ist ganz normal und ist wetterabhängig", sagt Bäumler, "die ernähren sich dann bei uns an den Erlen, daher ihr Name." An Futterhäuschen sind die Vögel auch zu sehen.

"Man kann beim Füttern nichts kaputt machen", sagt Bäumler, "der Futterplatz sollte aber einigermaßen sauber gehalten werden". Die im Handel erhältlichen Futtermittel seien in Ordnung. Bäumler rät, auch mal altes Obst wie Äpfel oder Birnen nicht in den Kompost sondern im Garten auf den Boden zu legen, am besten nahe einer Hecke. "Amseln fressen das sehr gern."

Hecken, heimische Sträucher und Gehölze in den Gärten, das wünscht sich der LBV-Vorsitzende ohnehin: "Am besten mit Dornen, wie Schlehe oder Weißdorn." Die Pflanzen dienen den Vögeln als Deckung, und in eine dichte Hecke können auch die allgegenwärtigen Katzen nicht eindringen. Auch vor Räubern aus der Luft bieten die Gehölze Deckung.

Gesundheitspolizei

Dass sich ein Sperber ab und zu einen Vogel an der Futterstelle holt, sei völlig normal, so Bäumler. Den Bestand gefährden die pfeilschnellen Vögel nicht, im Gegenteil, wie Bäumler erklärt. Blaumeisen etwa, die vom besagten Virus befallen sind, werden apathisch. Sie holt sich der Räuber zuerst, verhindert so die weitere Verbreitung. "Es kann also sein, dass es wegen des Räubers mehr Blaumeisen überleben, als ohne."

Auch wenn sich der Rückgang dieses Jahr erklären lässt - langfristig ist laut Bäumler ein Rückgang des Vogelbestandes und der Vielfalt festzustellen. Das habe vielfache Gründe: Fehlende Deckung in der freien Natur oder intensiv genutzte Flächen ohne Beikräuter. Das "Unkraut" produziert aber tonnenweise Sämereien, und ist Nahrungspflanze für Insekten. Die Insekten brauchen die Vögel zur Jungenaufzucht im Frühjahr. Den Landwirten allein will Bäumler da nicht die alleinige Schuld zuschieben. Letztlich seien auch sie durch den Markt getrieben. "Wir müssen da wieder einen vernünftigen Ausgleich finden", sagt der LBV-Kreisvorsitzende.

Hintergrund:

Zahlen in Bayern

Die "Stunde der Wintervögel" ist mit ihrem Pendant im Sommer (Stunde der Gartenvögel) eine Aktion von Landesbund für Vogelschutz und Naturschutzbund Deutschland (NABU). Die Zählstunden sind nach LBV-Angaben die größte bürgerwissenschaftliche Mitmachaktion.

  • 33118 Teilnehmer haben in über 24500 bayerischen Gärten gezählt. Zum Vergleich: 2020 waren es gut 27000 Beobachter in 19335 Gärten.
  • 776848 Vögel wurden gemeldet (2020: 687719). Pro Garten waren das heuer 31,7, im vergangenen Jahr noch 35,6. Im Jahr 2019 wurden 37,6 Vögel pro Garten gezählt.
  • Bayernweiter Spitzenreiter sind bislang Haussperling (138900) vor Feldsperling (110017) und Kohlmeise (85671).
  • Blaumeisen wurden 60100 gemeldet, nach 63600 vergangenes Jahr.
  • Buchfink und Erlenzeisig sind die einzigen Arten in den "Top Ten" in diesem Jahr, die häufiger gezählt wurden als 2020.
  • Seit Jahren rückläufig ist die Zahl der Grünfinken. Bayernweit waren es 2019 noch 42200 Vögel, vergangenes Jahr knapp 29000 und heuer nur noch gut 27000 Vögel.

Der LBV rechnet, auch wegen des Corona-Lockdowns, mit einer Rekord-Teilnehmerzahl. Noch bis 18. Januar können Beobachtungen vom vergangenen Wochenende unter www.stunde-der-wintervoegel.de nachgemeldet werden.

Die Zahlen aus dem Raum Amberg:

Amberg

"Die Vögel finden draußen in der Natur noch viel Nahrung."

Zeno Bäumler, Kreisvorsitzender des LBV.

Zeno Bäumler, Kreisvorsitzender des LBV.

Der Haussperling oder Spatz landete bei der Zählung im Landkreis Schwandorf auf Platz zwei.

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