01.05.2021 - 13:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Auf dem Weg zur Bierkrone: Eine Königin für die Oberpfalz

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Sarah Jägers Leben hat sich seit ihrer Kandidatur zur Bayerischen Bierkönigin komplett gewandelt. Sie kämpft im Münchener Hofbräuhaus am 20. Mai um die Krone und möchte den Titel zum ersten mal in die Oberpfalz bringen.

Sarah Jäger träumt von der Bayerischen Bierkrone. Die Schwandorferin weiß genau, wie sie sich den Titel "Bierkönigin" am 20. Mai beim großen Finale im Münchener Hofbräuhaus sichern will.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Sarah Jäger sitzt vor einem dicken, dunkelblauen Aktenordner. Es ist Mittwochmorgen, ein kalter Apriltag. Im Hintergrund knistert der Kamin in Sarahs Haus in Schwandorf, das sie in mühevoller, monatelanger Arbeit mit ihrer Mutter umgebaut hat. Konzentriert liest sie über die mit handschriftlichen Notizen gefüllte Seite mit den rot markierten Stichworten „Rohstoffe“ und „Essen“, dann blättert sie weiter. „Ich lerne viel. Gute Vorbereitung ist alles. Ich will so viel wissen wie möglich – und damit überzeugen. Die 31-Jährige paukt nicht etwa für eine Abschlussprüfung. Sie bereitet sich auf das Finale zur Bayerischen Bierkönigin am 20. Mai im Hofbräuhaus in München vor.

Sarah hat ihr Ziel klar vor Augen: „Ich will die Krone in unsere Region holen. Bisher gab es keine bayerische Bierkönigin aus der Oberpfalz. Das will ich ändern.“ Die 31-Jährige nimmt den Wettbewerb ernst, investiert viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung. „Genauso ernst würde ich die Verpflichtungen nehmen, wenn ich gewinnen würde.“ Die junge Frau mit den wallenden, hellbraunen Locken lächelt, als sie von ihrer Bewerbung vor einigen Monaten erzählt. „Da habe ich das alles noch nicht allzu ernst genommen. Es war ein Spaß für mich. Ich habe den Aufruf bei Facebook gesehen und mir gedacht: warum nicht? Ich habe mich auch schon mal beim Bachelor beworben, ich finde so etwas aufregend. Ich habe alle Voraussetzungen erfüllt: In Bayern geboren, ein Mindestalter von 21 Jahren und ich lebe die bayerische Kultur. Als ich dann die Einladung zum Casting bekommen habe, ist die Sache allerdings realer geworden. Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Mit Glücks-BH ins Finale

Noch „wie gestern“ erinnert sie sich an das Casting im GOP-Varieté in München im März 2020 – „vor über 100 Pressevertretern und Verantwortlichen des Bayerischen Brauerbundes“. „Ich war so nervös. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht. Es war völlig unwirklich. Die Kulisse, die Aufregung. Plötzlich ist man Teil von etwas so Großem. Insgesamt waren wir 24 Mädels, die zum Casting eingeladen wurden. Beworben hatten sich über 80. Alleine die Tatsache, in München dabei sein zu dürfen, war eine Ehre.“ Schon da hat Sarah einen Plan, um der Jury in Erinnerung zu bleiben. „Jeder von uns sollte einen Glücksbringer mitbringen und erzählen, welche Bedeutung er für uns hat. Und ich – ich hatte meinen GlücksBH dabei.“ Die Schwandorferin lacht. „Er bringt mir tatsächlich Glück. Florian Silbereisen hat eine rote Glücksunterhose. Bei mir ist es eben der BH.“ Auch die Aufgabe, eine bestimmte Biersorte auf Englisch zu präsentieren, fällt ihr nicht schwer. Sarah überzeugt – und schafft es mit fünf weiteren Anwärterinnen ins Finale.

Bier ist für Sarah Jäger nicht erst seit ihrer Bewerbung ein wichtiger Teil ihres Lebens. „Ich bin immer die Erste, wenn bei einem Fest das Bierzelt eröffnet wird“, erzählt sie und lacht. „Ich liebe das Gefühl, das man damit verbindet. Geselligkeit, Genuss, gelebte bayerische Kultur.“ Mit dem „Kulturgut“ beschäftigt sich die 31-Jährige auch täglich bei ihrer Arbeit in einer regionalen Brauerei. „Mich fasziniert es noch immer, welche Gerüche, Geschmäcker und Farben entstehen – und das aus vier Grundstoffen.“ Sie selbst braut nicht. „Ich organisiere und plane Feste, betreue unsere Social-Media-Accounts und bin für unseren Fanshop verantwortlich. Und natürlich schaue ich unseren Brauern jetzt regelmäßig über die Schulter, um so viel wie möglich über ihre Arbeit und Bier zu lernen.“

Sarah Jägers Herz schlägt nur für Bier und die bayerische Tradition. Die 31-Jährige ist auch leidenschaftliche Fußballerin.

In wenigen Wochen steht die „31 Jahre junge“ Frau auf der Bühne des Hofbräuhauses. „Genauso werde ich mich auch vorstellen – 31 Jahre jung. Ich bin mit Abstand die älteste Teilnehmerin. Ich finde, das ist kein Nachteil. Ich bringe viel Erfahrung mit.“ Bis zum großen Galaabend heißt es für Sarah aber: Üben, Probetrinken, Fakten lernen. „In Bayern gibt es über 40 Biersorten, viele von ihnen sind weltbekannt. Ich versuche, so viel wie möglich darüber zu lernen – über ihre Zusammensetzung, Aromen, Malzgehalte und Farbe. Oft lasse ich mir die Details von einer jungen Brauerin erklären. Sie ist Biersommelier und kann mir sehr gut weiterhelfen.“ Wichtig ist auch der Geschmackstest. Eine Übung, die der Schwandorferin nicht allzu schwerfällt. „Ich habe schon immer gern Bier getrunken. Zur Zeit mache ich es aber deutlich öfter als vorher. Ich probiere mich durch die verschiedenen Sorten und versuche, sie am Geschmack zu erkennen. Das ist wichtig, denn vor dieser Aufgabe werden wir auch im Finale stehen.“ Um die Kandidatinnen bestmöglich vorzubereiten, organisierten die Initiatoren des Wettbewerbs eine Verkostungs-Schulung. „Das war toll. Ich habe ein Bierpaket bekommen und virtuell sind die anderen Teilnehmerinnen und ich geschult worden, wodurch sich die Sorten unterscheiden und wie wir das erkennen.“ Doch nicht nur auf den Geschmack kommt es an. Eine echte Königin weiß auch, wie sie sich richtig vor der Presse und der Kamera präsentiert. „Die anderen Teilnehmerinnen und ich sind aus ganz Bayern nach München angereist, um zu lernen, wie wir richtig mit den Medien umgehen und wie wir vor der Kamera wirken. Das hat mich sehr weitergebracht. Da sieht man erst einmal Macken beim Sprechen, die man vorher nie bemerkt hat“, erzählt die junge Frau und lacht. Dann sagt sie: „Dabei hatte ich auch mein bisher schönstes Erlebnis. Wir waren für ein Interview bei einem Radiosender. Das war unglaublich. Dieses Studio, die Atmosphäre, die Aufregung. Da habe ich gemerkt: Das ist eine einmalige Möglichkeit. So eine Chance hat man nicht oft.“

"Keine aufgetakelte Person"

Auch auf die Präsentation kommt es beim Finale an. Welches Bier muss in welches Glas? „In dieser Hinsicht bin ich inzwischen fit. Auch, wenn es um das Einschenken geht.“ Sarah weiß, was sie will. Und vor allem weiß sie, wie sie es will. „Ich bin keine aufgetakelte Person. Ich bin gerne natürlich, laufe oft mit Zopf rum. Und genauso werde ich beim Finale sein. Keine Maniküre oder Pediküre im Vorfeld, kein langer Frisörbesuch. Ich bleibe, wie ich bin. Das gilt auch für meine Rede. Ich bereite nichts Großartiges vor. Ich werde das sagen, was ich in diesem Moment fühle. Alles andere wäre für mich nicht authentisch.“

Diese Einstellung lebt die Schwandorferin auch in ihrer Freizeit. Denn da findet man sie, die Corona-Krise ausgenommen, entweder in den Festzelten der Region – oder auf dem Fußballplatz. Sie ist aktive Spielerin beim FT Eintracht Schwandorf und seit Jahren im Vorstand. „Das liegt in der Familie. Meine Geschwister sind dabei, auch mein Papa ist im Vorstand. Das Beste: Auch hier gibt es wieder die Verbindung zum Bier. Nach den Spielen ist es normal, dass man einen Kasten Bier in die Mitte der Kabine stellt und gemeinsam feiert. Das finde ich wunderbar.“ Doch immer wieder zieht es Sarah in die Ferne. „Ich will irgendwann die ganze Welt gesehen haben. Am liebsten bin ich auf Bali. Dahin zieht es mich immer wieder. Ich hoffe, dass Reisen bald wieder möglich ist. Auch mit Blick auf die Wahl. Als Bierkönigin repräsentiert man das bayerische Bier weltweit. Es wäre zu schade, wenn man diese Möglichkeit nicht hätte.“

Königliche Verpflichtungen

Die Königin wird das Gesicht des bayerischen Traditionsgetränks – für ein ganzes Jahr. Nicht nur im Ausland, sondern auch in der Heimat. „Die Gewinnerin tritt bei Festen auf, besucht Brauereien, ist sozusagen eine Bierbotschafterin.“ Der Zeitaufwand ist groß. „Die amtierende Königin absolvierte in einem Jahr über 300 Termine. Einer der wichtigsten war natürlich das Oktoberfest.“ Sarah lacht: „Wenn ich gewinne, muss ich den Bieranstich üben. Das habe ich noch nie gemacht.“ Sarah weiß aber auch um die Verantwortung, die das Amt mit sich bringen würde. „Ich würde den Menschen einen maßvollen Biergenuss vermitteln. Bier ist so vielfältig, es ist ein Stück Lebensqualität.“

Sarah blickt wieder in ihren prallgefüllten Aktenordner. „Es ist noch so irreal, dass das Finale schon in wenigen Wochen sein wird.“ Am 20. Mai fällt die Entscheidung im Münchener Hofbräuhaus, nachdem sich Sarah und die anderen Kandidatinnen noch einmal präsentieren und mit ihrem Wissen überzeugen können. „Ich hoffe, dass ich es schaffe. Vor uns werden neun Flaschen Bier stehen, jede in eine Papiertüte gehüllt. An der Farbe, dem Geschmack und dem Geruch müssen wir erkennen, welche Sorte es ist – und es anschließend präsentieren. Aber ich bin optimistisch. Ich habe ja viel Übung“, sagt sie und schmunzelt. Das Publikum wird nicht so groß wie ursprünglich geplant ausfallen. „Das ist schade. Aber wegen Corona ist das nicht möglich. Die Jury wird da sein. Und jeder von uns darf fünf Begleitpersonen mitbringen. Das ist bei mir natürlich meine Familie. Allerdings kann jeder, der Interesse hat, die Veranstaltung per Livestream verfolgen.“ Wer die Krone am Ende mit nach Hause nimmt, das entscheidet zum einen das Ergebnis des Online-Votings, das noch bis zum 12. Mai geschaltet ist, die Jury – und auch die Begleitpersonen werden eine Stimme haben. „Das werden noch aufregende Wochen. Aber mein Ziel ist klar: Ich will die Krone in die Oberpfalz holen.“

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Amberg
Das perfekte Menü:

Kulinarische Tipps von Bier-Expertin Sarah Jäger

Gutes Bier und gutes Essen passen nicht nur zusammen, die richtige Wahl des bayerischen Traditionsgetränks kann das Menü zu etwas ganz Besonderem machen. Sarah Jäger erklärt, welches Bier perfekt mit welchem Gang harmoniert.

  • APERITIF: Gut gehopfte Biere regen den Appetit an. Dafür eignet sich Pils am besten.
  • VORSPEISE: Zu leichten Vorspeisen, Suppen, oder Salaten kombiniert man frisch-animierende Biere. Kräftige Kohlensäure, anregende Hopfenbitter und dezente Malzaromen harmonisieren sehr gut. Man kann wählen zwischen Pils, Kristallweizen, Hellem oder Hefeweizen.
  • HAUPTSPEISE: Kräftige Fisch- und Fleischgerichte mit schweren Soßen schmecken hervorragend zu substanziellen Bieren mit vollmundiger Frucht- oder Malzigkeit. Dunkles Fleisch, Wild und Schmorgerichte sollten mit dunklen, malzig-süßen Bieren mit ausgeprägten Röstaromen gegessen werden. Bestens eignet sich dafür ein Dunkler Bock.
  • NACHSPEISE: Aromatische und süße Nachspeisen harmonieren wunderbar mit kraftvollen Bieren, denn der Alkohol, der starke Hopfen sowie die individuellen Aromen bieten einen Ausgleich zur Süße. Zu empfehlen sind Bockbiere oder frischgelagerte Starkbiere. Obergäriges Bier eignet sich für fruchtbetonte oder säuerliche Desserts – etwa ein dunkler Weizenbock.
Bayerische Bierkönigin:

Tradition der Königinnen-Wahl

Hoheitliche Repräsentantinnen des bayerischen Alkohols haben eine lange Tradition. 1931 kürten die deutschen Weinbaugebiete erstmals ihre Weinkönigin und vergeben das Zepter seitdem alljährlich neu. Das Weinbaugebiet Franken erwählt seit 1950 jährlich ihre ganz persönliche Weinkönigin, 1952 setzte sich die erste Hallertauer Hopfenkönigin die Krone auf. 2009 beschloss der Bayerische Brauerbund, dass es Zeit für eine Bayerische Bierkönigin wird. Die Initiatoren schrieben einen Wettbewerb aus – mit Erfolg. Im gleichen Jahr kürten sie die erste Bayerische Bierkönigin. Der Titel wird jährlich an eine neue Repräsentantin vergeben, die sich der bayerischen Tradition, Kultur und natürlich der Liebe zum Bier verbunden fühlt. 2020/21 darf sich nun die 11. Bierkönigin über den Titel freuen, der bislang nur Frauen vorbehalten ist. Die Bewerbung eines männlichen Bierkönigs lehnten die Organisatoren nach „Bewertung aller Argumente“ 2018 ab.

Der Titel für die Oberpfalz:

Online-Voting zur Bayerischen Bierkönigin

Bis zum 12. Mai heißt es: Voten, voten, voten, um Sarah Jäger den Titel „Bayerische Bierkönigin“ zu sichern und die Krone in die Oberpfalz zu holen. Hier geht es direkt zur Abstimmung: www.bayerische-bierkönigin.de/ online-voting

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