21.08.2020 - 16:12 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

"Jetzt in die einzelnen Projekte tief eintauchen"

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Das "100-Tage-Interview" mit dem neuen Bürgermeister - 11 Tage später als üblich. Der Grund ist ein lieblicher. Überhaupt ist Peter Neumeier bester Dinge, beruflich und privat. Und er verrät, warum er mit allen im Rathaus per Du ist.

Im März dieses Jahres wurde Peter Neumeier mit großer Mehrheit zum neuen Bürgermeister des Marktes Schwarzenfeld gewählt. 75,1 Prozent der Wähler schenkten dem 37-Jährigen ihr Vertrauen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Am Anfang des Gesprächs, in dem es um die Eindrücke des ersten Vierteljahres im neuen Amt gehen soll, steht eine Gratulation. Ende Juli ist der neue Bürgermeister frischgebackener Vater geworden - zum ersten Mal. Zuhause sind alle wohlauf, freut sich Neumeier, der knapp drei Wochen Urlaub genommen hatte, um die erste Zeit bei Frau und Kind sein zu können. So war der 37-Jährige rund um den 100-Tage-Termin nicht im Büro. Er wurde in dieser Zeit von der Zweiten Bürgermeisterin Gabi Wittleben vertreten, die sich vorab schon sehr auf ihre Interims-Aufgabe gefreut hatte. "Sie hat es sehr gut gemacht," verteilt der junge Rathaus-Chef viel Lob für seine Parteifreundin von der ÜPW.

ONETZ: Wie war die Eingewöhnung in das neue Amt?

Peter Neumeier: Eine Veränderung kann ja jeder, aber drei, das ist schon ein Hammer: Den alten Job aufgeben, sich arbeitstechnisch komplett verändern und noch die Familienplanung – das sind bewegende Dinge, die sich sehr überlagert haben. Aber ich bin definitiv angekommen im neuen Amt. Wie der Laden funktioniert habe ich ja durch meine Vertretungstätigkeit schon gewusst. Und jetzt habe ich langsam Zeit, neben dem Tagesgeschäft in die einzelnen Projekte tief einzutauchen und die ersten selbstständigen Schritte zu gehen. Dass stresst mich auch nicht, denn ich bin schon immer jemand, der sich gerne um Dinge gekümmert hat.
Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist hervorragend. Ich habe mich an meinem ersten Tag als Zweiter Bürgermeister im Jahr 2014, als ich den damaligen Bürgermeister Manfred Rodde vertreten habe, im ganzen Haus als Peter vorgestellt. Und das ist auch so geblieben. Es gibt im Haus niemanden, mit dem ich ein Siez-Verhältnis habe. Ich sehe jeden hier drin als Kollegen, weil ich weiß, ohne ihn geht es nicht, es ist ein Verhältnis auf Augenhöhe. Ähnliches gilt für den Marktrat, wo wir uns nach der letzten Sitzung – früher ging es nicht wegen der Pandemie – noch in der Sportpark-Gaststätte zusammengesetzt haben. Da war es selbstverständlich, dass man sich nicht nach Fraktionen getrennt an die Tische gesetzt hat.

ONETZ: Was steht derzeit als wichtige Themen an?

Peter Neumeier: Die aktuell wichtigen Themen sind Wasserversorgung und Atemschutz und die laufenden Straßenbauprojekte. Also, was passiert mit dem Wasserwerk, was mit dem Hochspeicher – da sind wir mit der Detailplanung auf der Zielgeraden. (Bis zu 5000 Kubikmeter Wasser werden täglich in das Netz gespeist, um den Bedarf der Schwarzenfelder Bevölkerung zu decken. Jährlich 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser werden für das Netz zu Trinkwasser aufbereitet, wobei der Milchhof mit etwa einer Million und „Wassergast“ Stulln mit 170 000 Kubikmeter Abnahme berücksichtigt sind; Anm. d. Red.). Als Teil des Konzepts besteht die Planung, dass wir ein neues Wasserwerk brauchen. Das jetzige ist am Fuße des Miesbergs, an der Äußeren Ringstraße; das künftige Wasserwerk kommt in den Wald in die Nähe des Anwesens Weiherhaus, wo der neue Brunnen V ist – wenn man auf der Staatsstraße an Kögl vorbei fährt in Richtung Amberg, auf der linken Seite zwischen Kögl und Wohlfest.

ONETZ: Wie steht es um den Verbrauch der Molkerei?

Peter Neumeier: Was den enormen Wasserbedarf der Molkerei anbelangt, so ist die Situation ein stückweit entschärft, weil sie angefangen hat, ihre Wasserverbräuche zu steuern und sich abzusprechen mit uns als Wasserversorger. Und es gibt Teile des Molkerei-Betriebs, die sich mit eigenem Wasser versorgen können. Denn es gibt gewisse Reinigungsprozesse, die brauchen kein reines Trinkwasser, und das fördern sie zum Teil selbst, aus eigenen Brunnen. Und entlasten dadurch die öffentliche Wasserversorgung. Was aber nicht heißt, dass das Wasser für uns locker langt.

ONETZ: Wie sieht die Planung beim Thema Trinkwasser aus?

Peter Neumeier: Der Markt braucht unter anderem Wasserreserven aus Brandschutzgründen und da muss man definitiv etwas tun, um auf Nummer sicher zu gehen. Wichtig ist hier, mehr Speicherkapazität zu haben, denn das große Thema ist die Ausfallsicherheit. (Grundlage für eine funktionierende Versorgung bietet der Hochbehälter auf dem Westenberg nahe Frotzersricht. Dreitausend Kubikmeter können in optimalen Zeiten dort vorgehalten werden. Immer wieder an Grenzen stößt die Versorgung jedoch bei übermäßiger Wasserentnahme; Anm. d. Red). Wenn du heute eine Pumpe abstellst, und dein Hochspeicher läuft auf drei Stunden leer, gibt es ein Problem. Aber wenn der Hochspeicher groß genug ist, dass er für 24 Stunden Wasser vorhält, gibt es kein Problem, falls irgendein Teil ausfällt. Da es mit den Fördermengen derzeit klappt, geht es mehr in Richtung Ausfallsicherheit. Deswegen wird der Hochspeicher Westenberg ausgebaut. Deswegen war ich mit dem Marktrat auch auf Besichtigungstour, damit auch gerade die Neuen einen Einblick über Ablauf und Technik von Wasserwerk und Kläranlage erhalten.

Ablauf und Technik von Wasserwerk und Kläranlage

Schwarzenfeld

ONETZ: Wie sieht es mit dem Dauerbrenner Kanäle aus?

Peter Neumeier: Das Thema Leitungsbau ist ebenfalls angelaufen. Von den Brunnen zum Hochspeicher geht eine Wasserleitung und von dort zurück ins Leitungsnetz. Das Problem praktisch jeder Kommune ist, dass überall Wasserleitungen rumliegen, die so alt sind wie die Häuser außen herum. Bei uns ist das in den einzelnen Ortsteilen 30er Jahre. Das Thema wird uns Jahrzehnte begleiten, das ist eine Mammutaufgabe. Selbst die Rohre aus den 70er Jahren sind jetzt schon 50 Jahre alt.

ONETZ: Was hat sich bei der Entwicklung des Bauer-Geländes getan?

Peter Neumeier: Wir hatten einen Termin bei der Regierung der Oberpfalz, auch gemeinsam mit der Familie Meier, auch die Verwaltung war stark vertreten dabei, ich selbst war auch dabei. Dort haben wir uns gegenseitig das Vertrauen bekundet. Es wurde eine Detailstudie in Auftrag gegeben, wie wir die Situation dort am Platz bewerten müssen und was zu beachten ist, wobei das Areal des dortigen Parkplatzes dem Markt gehört. Im frühen Herbst werden wir wohl etwas hören zum Thema. Was das dominierende Gebäude dort anbelangt, die Gaststätte, so wird dessen Charakter erkennbar bleiben, aber man wird es innen nicht mehr wiedererkennen. Dazu gibt es schon Pläne der Besitzer. Wichtig ist ein Gesamtkonzept von Markt und Investor, sonst gibt es keine Mittel aus der Städtebauförderung. Deswegen kann der eine nicht ohne den anderen.

ONETZ: Noch zwei Dauerbrenner: Miesbergallee, Deiselkühner Straße

Peter Neumeier: Die erste Forderung, an der Miesbergallee etwas zu tun, stammt aus dem Anfang der 80er Jahre, also vor fast 40 Jahren. Meine Idee wäre, die Ideen, die bei ISEK (integriertes Stadtentwicklungskonzept; Anm. d. Red.) mit der Bevölkerung erarbeitet wurden, noch einmal in Erinnerung zu bringen und diesbezüglich Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Das liegt jetzt auf dem Tisch. Gehen wir so weiter? Wenn in der Bevölkerung erkennbar ist, ja das ist eine Lösung, wird die Regierung der Oberpfalz uns mit großer Begeisterung dieses Projekt fördern. Trotzdem müssen wir natürlich unseren Anteil auch noch finanzieren können, was unter den momentanen Vorzeichen (des finanziellen Pandemie-Stresses für den Etat des Marktes; Anm. d. Red.) ganz schwer ist. Deswegen wurden heuer im Haushalt auch die Planungsmittel für die Miesbergallee wieder gestrichen. Es wurde radikal alles, für das man unter diesen Vorzeichen kein Geld ausgeben möchte, entfernt. Das gilt auch für den Deiselkühner Weg. Den können wir nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus Kapazitätsgründen nicht angehen. Die Verwaltung ist eingedeckt mit Arbeit, da ist eine Grenze erreicht.

ONETZ: Und was ist mit dem Thema Atemschutz?

Peter Neumeier: Das ist eine Aufgabe des Landkreises, die Atemschutzübungsstrecke und die Flaschenprüfstelle der Feuerwehren kommen in einen Neubau im Gewerbegebiet West. Ob das dort auch einmal ein Kommunales Dienstleistungszentrum wird mit Bauhof etc. ist noch weiter weg, andere Themen haben höhere Priorität.

Ich bin definitiv angekommen im neuen Amt. Wie der Laden funktioniert habe ich ja durch meine Vertretungstätigkeit schon gewusst. Und jetzt habe ich langsam Zeit, neben dem Tagesgeschäft in die einzelnen Projekte tief einzutauchen und die ersten selbstständigen Schritte zu gehen.

Bürgermeister Peter Neumeier

Bürgermeister Peter Neumeier

Hintergrund:

Bei der vorletzten Bürgermeisterwahl 2014 trennten Peter Neumeier als Herausforderer nur 35 Wähler vom Wahlsieg gegen den damaligen CSU-Bürgermeister Manfred Rodde. Das war eine absolute Überraschung. In der Folgezeit hat sich der ÜPW-Frontmann sechs Jahre als zweiter Bürgermeister für Schwarzenfeld eingesetzt: „Neben meinem ’normalen’ Job als Teamleiter bei Siemens in Nürnberg und dem Privatleben war das so manches Mal nicht ganz einfach.“

Umso klarer sei im Sommer 2019 die Entscheidung gewesen, erneut anzutreten, diesmal unter der Devise „Ganz oder gar nicht“. Denn man könne zwar als zweiter Bürgermeister und Marktgemeinderat Anträge stellen und Beschlüsse herbeiführen – müsse das Umsetzen jedoch dem ersten Bürgermeister überlassen; und das ohne Gewähr für das Wann und Wie. „Auf Dauer eine anstrengende und unbefriedigende Angelegenheit,“ so Neumeier.

Die Rechnung ging im März dieses Jahres auf. Peter Neumeier wurde mit großer Mehrheit zum neuen Bürgermeister des Marktes Schwarzenfeld gewählt. 2606 Wähler (75,1 Prozent) schenkten dem 37-Jährigen ihr Vertrauen. Ein Ergebnis, das selbst Neumeier in dieser Deutlichkeit nicht erwartet hatte.

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