15.01.2021 - 15:05 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Mit Fäusten und Bierflaschen zugeschlagen

Der 28-Jährige ist als Schläger amtsbekannt. Er drischt mit Fäusten und Bierflaschen zu, hat andere auch schon mit dem Messer verletzt. Jetzt musste sich das Landgericht Amberg mit dem Mann beschäftigen.

Der Angeklagte neigt zu Gewalttätigkeiten.
von Autor HWOProfil

Seine Bewährungshelferin sagt über den 28-Jährigen: "Ein ständiges Auf und Ab". Immer mal wieder Ausraster, dazwischen ruhigere Phasen. Sechs Vorstrafen, darunter auch eine wegen Messerstecherei, brachte der Angeklagte mit zu einem Berufungsprozess vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts.

In dem Verfahren ging es um zweieinhalb Jahre Haft zum Absitzen, die der momentan erwerbslose Mann im September 2020 vom Amtsgericht Schwandorf erhalten hatte.

Schlägerei unter Kartenspielern

Weiden in der Oberpfalz

Was zur Debatte stand und vom Beschuldigten auch nicht bestritten wurde, nahm sich überaus heftig aus. Am 8. Mai 2019 hatte der Mann in Schwarzenfeld einen Bekannten aufgesucht und an dessen Tür geläutet. Als der Freund öffnete, bekam er einen Faustschlag ins Gesicht. Sekunden später schritt ein aufmerksam gewordener weiterer junger Mann ein. Ihm wurde ansatzlos eine Bierflasche über den Kopf gezogen.

Beschädigung, Beleidigung

Der Täter flüchtete, setzte sich in Schwarzenfeld an einen Straßenrand und bewarf ein vorüberkommendes Auto so massiv mit Steinen, dass 2000 Euro Schaden entstanden. Daraufhin erschien die Nabburger Polizei. Kaum war die Funkstreifenbesatzung eingetroffen, wurden die Beamten massiv beleidigt. Zum Schluss seiner Verbalattacken schrie der damals 26-Jährige "Heil Hitler". Das Intermezzo der üblen Art ging weiter. Auf der Nabburger Polizeiwache wurde der vorläufig festgenommene junge Mann erneut renitent. Es kam zu weiteren Beleidigungen, bei denen Ausdrücke wie "Bullenschweine " fielen.

Die Anklage, erhoben von Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler, ging noch ein Stück weiter. Am 19. August 2019 kam der Mann zur Wohnung seiner Ex-Freundin in Schwarzenfeld, machte Randale und schlug dem Vater der jungen Frau eine Bierflasche auf den Kopf. Verbunden war das mit der Drohung: "Ich werde dich umbringen." Abermals schritt die alarmierte Nabburger Polizei ein und erneut mussten sich die Beamten Beleidigungen gefallen lassen.

Einschlägig vorbestraft

Das Schwandorfer Amtsgericht ahndete die Wutausbrüche mit zweieinhalb Jahren Gefängnis und sah keinerlei Grund zur Bewährung. Dagegen sprachen allein schon die einschlägigen Vorstrafen. Zusammen mit seinem Anwalt Gunther Haberl zog der Verurteilte vor das Landgericht, wo nun erneut verhandelt werden musste.

In dem Berufungsprozess ging es jetzt ausschließlich um das Strafmaß. Der 28-Jährige beschrieb zunächst seine momentane Situation einer von ihm nicht verschuldeten Arbeitslosigkeit ("Man hat mir wegen der Corona-Lage gekündigt") und berichtete, dass er deswegen nach längerer Abstinenz wieder damit begonnen habe, Alkohol und Rauschgift zu konsumieren. "Davon will ich weg und einen Neuanfang starten", hörten die Richter. "Sind Sie therapiewillig?", fragte der Kammervorsitzende Peter Hollweck. Das bejahte der Angeklagte. Daraufhin kam es nach längerer Debatte zu einer Umgestaltung des Ersturteils. Zwar blieb es bei den zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung. Aber die 3. Strafkammer bewilligte dem 28-Jährigen eine längerfristige Entzugsmaßnahme.

Therapie und mögliche Folge

Zurückzuführen war dies auf die Ansicht des Bundesgerichtshofs (BGH, der sich in solchen Fällen auf den mitunter sehr umstrittenen Standpunkt stellt, dass eine Therapie dann im Vordergrund zu stehen hat, wenn dazu Bereitschaft besteht und sie ferner als notwendig einzustufen ist. Zu einer Therapie hatte im Prozessverlauf eine medizinische Sachverständige geraten. Wird sie erfolgreich absolviert, kann der Mann mit einer Bewährung für die dann noch offene Reststrafe rechnen.

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