29.07.2020 - 18:59 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Im Frotzersrichter Revier bekommt das Rebhuhn wieder eine Chance

Die Jäger im Revier Frotzersricht nehmen nicht nur Jagdbares ins Visier, sondern auch den Artenschutz. 25 Rebhühner wurden ausgewildert. Doch damit allein ist es nicht gedacht. Die Vögel brauchen Lebensraum, der sie vor Raubwild schützt.

Die derzeit amtierende Bürgermeisterin Gabi Wittleben öffnet das Tor zur Freiheit.
von Irma Held Kontakt Profil

Jäger schießen nicht nur Tiere, sondern bemühen sich auch um den Artenschutz in der Region. Rebhühner haben für sie einen besonderen Stellenwert. Die letzten dieser 25 Jungvögel werden am Mittwoch bei der Schwarzenfelder Kläranlage in die Freiheit entlassen. Sie sind scheu und vorsichtig, drängen sich lieber in der Volière zusammen. Der Andrang mit Schwarzenfelds Zweiter Bürgermeisterin Gabi Wittleben, Drittem Bürgermeister Karl-Heinz Dausch, Hegegemeinschaftsvorsitzendem Uwe Deeg, Jagdvorsteher Anton Gradl, den Jägern Werner Guha, Thomas und Christian Gradl sowie dem Pächter des Reviers Torsten Graf ist ihnen nicht geheuer.

Graf ist stolz darauf, dass nur zwei Reviere in Bayern den Zuschlag für ein Rebhuhnprojekt vom Bayerischen Jagdverband erhalten haben. "Und eins davon sind wir." Ein Jahr Vorbereitung werden belohnt. "Man soll nicht nur nehmen, sondern auch geben." Darin sieht Graf eine Verpflichtung für Jäger als Heger und Pfleger. Es gehe um den Artenschutz.

Jagdgenossen helfen mit

In Zusammenarbeit mit den Jagdgenossen und in Kooperation mit dem Bayerischen Jagdverband sowie der Zuchtstation für Naturbruten in Wunsiedel sei es gelungen 25 Rebhühner in die freie Wildbahn zu entlassen. Die Marktgemeinde Schwarzenfeld unterstützt die Jäger und die Bürgermeister haben die Schirmherrschaft übernommen. Der Bereich an der Schwarzenfelder Kläranlage zwischen Deiselkühn und Irrenlohe ist für Torsten Graf "das beste, was es gibt."

Es gibt Hecken und angrenzend wurde auf einem von der Gemeinde gepachtetem Grundstück ein Blühstreifen als Unterschlupf angelegt. Jagdvorsteher Anton Gradl findet, dass er "wunderbar ausschaut". Er hat eine Eigenmischung zusammengestellt mit Roggen Hafer und "Pflanzen, die sich selber entwickeln." Der Revierpächter lobt aber auch die Landwirte, die auf Bewuchs achten, "denn Bewuchs ist für jedes Niederwild positiv". Graf betont: "Es wird immer pro Wild gearbeitet und das muss nicht immer jagdbar sein."

Die Projekte des Bayerischen Jagdverbandes

Ihm schweben zwei weitere Projekte vor, ein Fasanprojekt und als Königsklasse die einheimische Wachtel. Diese habe zwar das ganze Jahr Schonzeit, aber es gehe um die Artenvielfalt. Das Raubwild dürfe nicht zu viel werden. Das sei bereits Voraussetzung für das Rebhuhn gewesen. "Da aber Kiebitze und Feldlerche brüten, kann der Raubwilddruck nicht so hoch ein", schließt Graf daraus. Räuber sind Marder, Fuchs, Habicht oder Falke.

Beispielgebend

Bürgermeisterin Gabi Wittleben zeigt sich begeistert und will die Jäger weiter unterstützen. Dritter Bürgermeister Karl-Heinz nennt es "Hege und Pflege wie es sein soll". Er will bestätigt wissen, dass der Grünstreifen im Herbst nicht abgemäht werde. Uwe Deeg hält die Maßnahme beispielgebend. Raubwild müsse bejagt werden, sonst "haben Rebhuhn und Fasan nicht viel Chance über den Winter zu kommen". Eine Wiederholung der Auswilderung gibt es in Schwarzenfeld nicht mehr. Jetzt sind die Vögel, die im Blühstreifen untergetaucht sind, auf sich allein gestellt. Weitere Inforamtionen: https://www.jagd-bayern.de/bjv-projekt-bruthabitatfoerderung-zum-rebhuhn/

Man soll nicht nur nehmen, sondern auch geben.

Torsten Graf, Pächter des Gemeinschaftsreviers Frotzersricht

Torsten Graf, Pächter des Gemeinschaftsreviers Frotzersricht

Dieses Rebhuhn traut sich zu Fuß ins Freie. Die meisten fliegen in den schützenden Blühstreifen, nach dem das Dach der Volière abgedeckt wurde.
Hintergrund:

Das Rebhuhn ist im Bestand gefährdet

Das Rebhuhn (Perdix perdix) bewohnt Steppen- und Heidelandschaften in weiten Teilen Europas und Asiens. Die Hühnervögel ernähren sich überwiegend von Samen, Wildkräutern und Getreidekörnern. Nur in den ersten drei Lebenswochen brauchen sie laut Jäger Torsten Graf wegen der Proteine tierische Nahrung wie zum Beispiel Ameisen oder Mehlwürmer. Der Bestand der Rebhühner gilt in Europa nicht zuletzt durch die Umwandlung der Agrarlandschaft in flurbereinigte und intensiv bewirtschaftete Flächen als gefährdet. Der Deutsche Jagdverband erklärte das Jahr 2016 zum Jahr des Rebhuhns, um auf die extrem kritische Lage aufmerksam zu machen.

Im Blickpunkt:

Bürgermeister ist stolzer Vater

Weil die Zweite Bürgermeisterin Gabi Wittleben den Rebhühnern den Weg in die Freiheit ebnete, wurde auch bekannt: Bürgermeister Peter Neumeier und seine Ehefrau Lisa sind zum ersten Mal Eltern geworden. Töchterchen Anni erblickte am Freitag, 24. Juli, das Licht der Welt. Gabi Wittleben führt die Amtsgeschäfte bbis 13. August.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.