17.01.2020 - 17:36 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Bei Ladenzentrum Schwarzenfeld "noch im Stadium der Ideen"

Ein maroder Gasthof, viel wertvolle Parkflächen und ein brach liegender Supermarkt mitten im Ortszentrum: Gemeinsam wollen Investor Wolfgang Meier und der Markt Schwarzenfeld hier aufräumen. Eine Schlüsselrolle hat das Ladenzentrum.

Investor Wolfgang Meier und Bürgermeister Manfred Rodde setzen bei der Revitalisierung im Zentrum von Schwarzenfeld auf ein gutes Miteinander.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Schwarzenfelder Ladenzentrum ist das letzte Element in dem Ensemble an der Amberger Straße, das der Unternehmer Wolfgang Meier zum Jahresende erworben hat. Da war er bereits im Besitz des seit Jahren brachliegenden Supermarkts und der Gaststätte Bauer, die nun unter seiner Regie saniert werden soll. Mit diesem Coup ist Meier der einzige Verhandlungspartner der Marktgemeinde, wenn es nun um eine Revitalisierung des kompletten Geländes geht. Zusammen mit Bürgermeister Manfred Rodde gibt er nun Auskunft darüber, welche Optionen sich hier auftun.

"Der Investor will Geschäfte, wir wollen Leben hier reinbringen", skizziert der Bürgermeister die gemeinsame Basis. Noch befinde man sich dabei "im Stadium der Ideen" und in der "Findungsphase". Ins Visier geraten ist dabei das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), mit dem Bürger und Kommune schon Vorarbeit geleistet haben. Eine "95-prozentige Deckungsquote" sieht Unternehmer Meier hier: "Ein Ausbau macht hier nur gemeinsam mit den Bürgern Sinn." Nicht wie ein Monopoly-Spieler wolle er hier agieren, beteuert der 39-Jährige, sondern aus einer emotionalen Bindung an den Heimatort heraus. Im früheren "Top-Kauf" habe er sich schließlich als Schüler in der großen Pause seine Brotzeit gekauft, und mit dem Gasthaus Bauer würden Erinnerungen wach an den Kinderfasching. "Die umliegenden Gemeinden geben Gas, ich will, dass auch Schwarzenfeld vorankommt."

Auf Vorkaufsrecht verzichtet

"Ursprünglich wollten wir das Objekt selbst erwerben", sagt der Bürgermeister und erinnert daran, dass die Kommune mit Mehrheit im Marktrat "leider" auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet habe. "Die Handlungsoptionen der Gemeinde haben sich dadurch reduziert", gibt er zu bedenken, während Meier auf den Vorteil verweist, dass man nun ja immerhin nur mit einem einzigen Eigentümer verhandeln müsse. Doch beide sind zuversichtlich, was die gemeinsamen Interessen betrifft. Da ist einmal das stark sanierungsbedürftige Gasthaus Bauer, das der Schwarzenfelder Unternehmer wiederbeleben will. Dazu habe es bereits ein Gespräch mit der Regierung gegeben, informiert Rodde. Wenn die Regierung die "unrentierlichen Kosten" bei der Altbau-Sanierung fördert, "dann werden wir uns auch beteiligen", verspricht er. Bei der Freifläche hinter dem Ladenzentrum ist beiden Verhandlungspartnern an einer attraktiven Umgestaltung gelegen. "Der Platz ist viel zu wertvoll für eine Nutzung als Parkplatz", so Rodde mit Blick auf die ISEK-Vorschläge für einen zentralen Grünbereich. "Ein Biergarten ist gefragt", weiß Meier aus der Begegnung mit Bürgern.

Auch eine Aufwertung der teilweise fensterlosen Ladenzentrums-Rückseite ist durchaus im Sinne des neuen Eigentümers. "Das war ursprünglich der Grenzbebauung geschuldet", erläutert der Bürgermeister und verweist auf ein inzwischen abgerissenes Gebäude der früheren Brauerei Bauer. Attraktiver soll die schmucklose Wand nun werden, wenn es nach Meier geht, der eine Modernisierung der in die Jahre gekommenen Ladenzeile anstrebt, dabei aber an bestehenden Mietverhältnissen nicht rütteln will.

Noch weitgehend offen ist, was aus dem früheren "Top-Kauf" werden soll. "Unten eine Art Ärztehaus und Geschäfte, oben eventuell altersgerechtes Wohnen", orientiert sich Unternehmer Meier am ISEK. Als utopisch schätzt er allerdings die Vorstellung einer Tiefgarage ein. Noch ist auch nicht sicher, ob die Kommune für das Areal einen Bebauungsplan aufstellt. "Einerseits haben wir unsere Vorschriften, andererseits wollen wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten", betont der Bürgermeister. "Der Investor hat uns eigentlich die finanziellen Risiken abgenommen", zeigt er sich dankbar. Wie hoch das Risiko ist und wann die Schmerzgrenze erreicht ist, das alles lässt sich für Meier kaum abschätzen: Zwei bis drei Millionen Euro werde allein die Gasthof-Sanierung verschlingen.

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Ideensammlung

"Fünf Jahre im optimistischen Fall" kalkuliert der Bürgermeister für die Revitalisierung des Brauerei- und Landenzentrumsareals ein. Meier will aufs Gas drücken, lieber auf einen von der Kommune angepeilten Ideenwettbewerb verzichten. Er setzt auf eine informelle Ideensammlung mit interessierten Bürgern, die keine großstädtischen Maßstäbe anlegen. "Sonst geht wieder ein Jahr rum", argumentiert der Investor. "Man muss ja auch noch die Handwerker kriegen."

Etwas in die Jahre gekommen ist das Ladenzentrum Schwarzenfeld, das kürzlich seinen Besitzer gewechselt hat. Die Mieter sollen bleiben, eine Modernisierung steht an. Noch nicht ausgereift sind Pläne für die benachbarten Gebäude, darunter der "Top-Kauf" und das frühere Gasthaus Bauer, in das nach einer grundlegenden Sanierung wieder ein Wirt einziehen soll.
Zukunft steuern mit ISEK:

Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) ist ein gebietsbezogenes Planungs- und Steuerungsinstrument für lokale Lösungsansätze. Es bietet Städten und Gemeinden die. Chance, auf die Zukunft der Kommune einzuwirken. Auf der Suche nach Lösungen soll dabei auch das Miteinander aller beteiligten Akteure gefördert werden. In Schwarzenfelds stellte sich in Zusammenarbeit mit einer Bürgerwerkstatt die Frage, wie eine Reaktivierung des Brauerei- und Top-Kauf-Ladenzentrumsareals verwirklicht werden kann. Der Abbruch des Supermarkts mit Schaffung von Wohnraum sowie eines Dienstleistungs- und Ärztezentrums wurden dabei anvisiert. Auch eine Aufwertung der Rückseite des Ladenzentrums und des bestehenden Gasthofs wurde in diesem "Schlüsselprojekt" angedacht. Allerdings wurden dafür mehrere Varianten erarbeitet.

Das Ladenzentrum Schwarzenfeld präsentiert sich zur Straßenseite mit einer ansehnlichen Fassade, im Hinterhof aber gibt es viel zu tun.
Mit Gasthof und Brauerei Bauer verbindet Investor Wolfgang Meier Kindheitserinnerungen. Auch das war für ihn ein Beweggrund, hier zu investieren.
Investor Wolfgang Meier strebt eine Aufwertung der Rückseite des Ladenzentrums an.
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