15.12.2020 - 15:49 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Nächstes Großprojekt: Molkerei Bechtel baut Biogasanlage

Die Privatmolkerei Bechtel baut ihr nächstes Großprojekt: Neben dem eigenen Klärwerk entsteht eine Bio-Abfallvergärung. Geschäftsführer René Guhl verspricht dem Schwarzenfelder Marktrat eine enorme Kohlendioxid-Einsparung.

René Guhl, Geschäftsführer der Privatmolkerei Bechtel, stellte dem Marktrat das Konzept der Bio-Abfallvergärungsanlage vor.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Mit der Errichtung der Bio-Abfallvergärungsanlage entsteht ein ökologisches Leuchtturmprojekt in unserer Marktgemeinde", freute sich Bürgermeister Peter Neumeier in der Marktratssitzung am Montag. In der Sportparkhalle hatten Molkerei-Geschäftsführer René Guhl und Techniker Alfred Gürster das Projekt vorgestellt.

Die Anlage sei ein weiterer Meilenstein in der Strategie der Molkerei, nachhaltig und CO2-neutral zu arbeiten. Dieses Ziel werde kommendes Jahr erreicht. Mit der Bio-Abfallvergärungsanlage (BAV) sollen nötige Lkw-Transporte verringert, Energie gewonnen und Stoffkreisläufe geschlossen werden.

Schlamm und Molkereste

Die Milchwerke reinigen ihr Prozesswasser in einer eigenen Kläranlage bei Irrenlohe. Dabei entsteht Klärschlamm. Der wird derzeit noch über einen externen Dienstleister entsorgt, erläuterte Guhl. Dazu kommen Nebenprodukte aus der Milchproduktion, wie etwa nicht verwertbare Gewürzmolke, wie Gürster erklärte. Diese Abfälle werden durch die bestehende Abwasser-Leitung in die neue Anlage gepumpt. Schlamm und Produktionsreste werden gemischt, um den Bakterien in den drei großen Fermentern optimales "Futter" zu bieten. Mit Technik der Schmack Biogas Service GmbH (Schwandorf) wird aus dem Gemisch Biogas. Dieses Gas wird gereinigt und aufbereitet, um es schließlich als Biomethan in das Erdgasnetz des Bayernwerks einspeisen zu können. Dazu ist eine Leitung in Richtung Fronberg nötig, die das Bayernwerk bauen wird. Der Einspeisepunkt sei in der nähe der Gießerei, hieß es seitens der Planer.

Die Gärreste aus der neuen Anlage werden per 40-Tonner-Lkw zu regionalen Kompostierern gebracht. Der Stoffkreislauf schließt sich. "Mit der Biomethanseinspeisung aus unserer Anlage können etwa 10000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt werden. Das ist schon ein großes Projekt, sagte Guhl. "Die CO2-Einsparung im Vergleich zu fossilen Brennstoffen beträgt etwa 25000 Tonnen pro Jahr."

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Weniger Lastwagen

Auch werden künftig weniger Lkw durch Schwarzenfeld rollen. Sind bisher laut Gürster 50 bis 70 Lkw pro Woche nötig, um Klärschlamm und Produktionsreste vom Milchhof abzutransportieren, werden es künftig nur noch 15 bis 20 sein, die die Gärreste von der neuen Anlage zu den Entsorgern bringen.

Die neue Anlage sei Teil der Firmenphilosophie, sagte Guhl. "Jeder redet von Nachhaltigkeit", sagte der Geschäftsführer, "die wenigsten tun's, und die allerwenigsten können etwas vorzeigen. Für uns ist es unsere DNA." Die Privatmolkerei zählt mittlerweile rund 800 Mitarbeiter, rund 2000 Erzeuger liefern ihre Milch nach Schwarzenfeld. "Auf Dauer werden nur die ökonomisch erfolgreich sein, die ökologisch Verantwortung tragen," sagte Guhl. "Wir haben uns vor Jahren das Ziel gesetzt, klimaneutral zu arbeiten," sagte Guhl. Kommendes Jahr werde das Unternehmen das erreichen.

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Die neue Anlage wird komplett in eine Wanne gestellt, weil sich der Standort im Überschwemmungsgebiet befindet. Die drei Fermenter haben einen Durchmesser von 30 Metern und eine Wandhöhe von neun Metern. Sie werden mit Gas-Sammelkuppeln abgedeckt. In einem Eck der Anlage wird eine "Notfackel" aufgestellt - um im Notfall das entstehende Biogas verbrennen zu können. "Das muss jede Biogasanlage haben", sagte Gürster. Lärm- oder Geruchsemmissionen seien nicht zu erwarten, sagte Gürster auf Nachfragen aus dem Plenum. Die nötigen Pumpen und Aggregate sind in Gebäuden untergebracht. "Wir reden hier von komplett geschlossenen Anlagen."

Einstimmiges Votum

Genehmigungsbehörde für die Anlage ist das Landratsamt. Der Marktrat erteilte das gemeindliche Einvernehmen und bestätigte damit im Wesentlichen, dass das Grundstück entsprechend erschlossen ist. Der Immissionsschutz ist Sache des Landratsamts.

"Wir hatten einige planungsrechtliche Dinge zu prüfen", sagte Bürgermeister Peter Neumeier. Die Aufgaben seien abgearbeitet, Beanstandungen gebe es aus Sicht der Verwaltung keine. Dem schloss sich der Marktrat an, und erteilte einstimmig das Einvernehmen.

"Mit der Errichtung der Bio-Abfallvergärungsanlage entsteht ein ökologisches Leuchtturmprojekt in unserer Marktgemeinde."

Bürgermeister Peter Neumeier.

Bürgermeister Peter Neumeier.

Hintergrund:

Biomethan für 10000 Haushalte

Die BG Energie GmbH, eine Tochter der Privatmolkerei Bechtel, baut eine Bio-Abfallvergärungsanlage. Zur Höhe der Investition wollte das Unternehmen keine Angaben machen.

  • Standort: Das Werk entsteht direkt neben der Prozesswasser-Behandlungsanlage an der Klärwerkstraße südlöstlich von Irrenlohe.
  • Ziel: In der Vergärungsanlage sollen der Klärschlamm aus der eigenen Kläranlage sowie Reststoffe aus der Milchproduktion vergoren werden.
  • Biogas: Das entstehende Biogas wird aufbereitet, um es als Bio-Methan in das Erdgasnetz einspeisen zu können.
  • Energie: Der Ertrag der Anlage soll reichen, um etwa 10000 Haushalte mit Strom und Wärme zu versorgen.
  • Reststoffe: Die Gärreste werden zu regionalen Kompostierern geliefert.
  • Anlagentechnik: Sie stammt von Schmack Biogas in Schwandorf, einer Tochter der Viessmann Werke.

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