05.03.2021 - 15:31 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Störche im Landkreis Schwandorf gut angekommen

Diese Dame ist keine Unbekannte. Ein Blick auf ihren Ring hat sie in Schwarzenfeld enttarnt. Nicht überall im Landkreis lassen sich die Störche so genau unter die Lupe nehmen, aber die Nachricht von ihrer Ankunft verbreitet sich schnell.

Hier verschafft sich das Storchenpaar schon mal einen Überblick, was sich während des Winters in seiner Heimatstadt Pfreimd getan hat.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Julian Hunzinger wohnt direkt in der Nachbarschaft des Schwarzenfelder Storchenhorstes. Vom Wohnzimmer in der Schlossstraße aus hat er einen guten Blick auf den Schlauchturm der Feuerwehr, wo sich die gefiederte Dame mit dem Ring niedergelassen hat. Dass es sich bei dem Storch um ein Weibchen handelt, weiß ihr Beobachter aufgrund einer Ringnummer, die ihr 2015 im mittelfränkischen Ipsheim verpasst wurde.

"Es ist die gleiche Nummer wie im vergangenen Jahr", hat der 20-jährige Storchenbetreuer festgestellt und folgert: "Dieser Storch ist horsttreu." Eine Einordnung, die wohl auch auf viele andere Zugvögel in Landkreis Schwandorf zutrifft, von denen viele in den letzten Februartagen mittlerweile in den Landkreis Schwandorf zurückgekehrt sind.

So war der Bruterfolg 2020

Nabburg

Fronberg, Nabburg, Perschen, Pfreimd und Altendorf zählt Zeno Bäumler vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) auf an Orten, wo die Rückkehrer aus dem Süden bereits gesichtet wurden. Auch aus Oberviechtach gibt es auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien wieder einen Horstbewohner, und zum Neunburger Storchenpaar existiert schon einen Eintrag in der bayerischen Storchenhorstkarte des LBV. Dort ist jeder Horst verzeichnet, laufend wir aktualisiert, ob das Nest noch leer, das Paar komplett und eine Brut da ist. Webcams mit Blick auf die luftigen Behausungen der Störche haben Hochkonjunktur, denn die Vögel sind nun mal beliebt. "Sie sind ja auch wunderschöne Vögel und anders als beispielsweise der Kormoran völlig unproblematisch", sagt Bäumler, der an seinen Wohnort Wernberg auf einem Mast an der Naab noch ein freies Domizil für Zuzüge bieten könnte. "In Winklarn wäre auch noch Platz für ein Storchenpaar", meint er und hat die Hoffnung auf neue Familien von Meister Adebar für 2021 noch nicht aufgegeben. Bis Ende April sollten aber alle eingezogen sein, sonst wird es eng mit dem Nachwuchs.

Jugend kommt später

"Der Großteil ist schon da", weiß Bäumler, "wer später kommt, das sind die Störche, die gerade erst geschlechtsreif werden". Nicht selten würden sie den älteren Herrschaften den Horst streitig machen, dann komme es zu Kämpfen. Ob auch einer der beiden Schwarzenfelder Störche heuer so einen Kampf schon hinter sich hat? Hunzinger, der schon als 15-Jährige die Zugvögel ins Visier nahm, hat festgestellt dass einer heuer mit einem verletzten Flügel in Schwarzenfeld angekommen ist. "Er fliegt aber super, das scheint nicht so schlimm zu sein", erklärt er.

"Die Tiere sind früh eingetroffen, der Horst ist in gutem Zustand, das könnte wieder klappen mit der Brut."

Storchenbetreuer Julian Hunzinger

Storchenbetreuer Julian Hunzinger

"Die Tiere sind früh eingetroffen, der Horst ist in gutem Zustand, das könnte wieder klappen mit der Brut", schätzt Hunzinger, der auch verfolgt, wo das Schwarzenfelder Paar einen reich gedeckten Tisch vorfindet. "In diesem Fall sind das die Schwarzach-Auen Richtung Altfalter", berichtet der 20-Jährige, der die "Höchstleistung" von Storcheneltern bei der Aufzucht ihrer Jungen kennt: "40 Mäuse oder 2000 Regenwürmer, und das pro Tag". Im vergangenen Jahr sind in Schwarzenfeld zwei junge Störche durchgekommen, in manchen Jahren waren es bis zu vier.

Kälte kein Problem

Doch was passiert, wenn es noch einmal richtig kalt wird? "Wenn es nachts unter null Grad bekommt, das vertragen die ohne Probleme", meint Bäumler, nur wenn die Region noch einmal über Tage "richtig zugeschneit" werde, könne die Nahrungssuche problematisch sein. "Aber das wird nicht passieren", ist der LBV-Kreisgruppenvorsitzende überzeugt und spricht angesichts vieler besetzter Horste in Bayern von einer Erfolgsgeschichte. Der Lockdown, da ist er sich sicher, werde daran nichts ändern. Wer noch ein wenig mehr für den Storch tun will, dem rät der Fachmann, Bioprodukte zu kaufen, weil er damit indirekt für weniger Insektizide und Pestizide sorgt. Und noch eine Empfehlung hat er für Spaziergänger auf Lager: "Hunde an die Leine!". Die Vierbeiner hätten doch einen ausgesprochenen Jagdtrieb – und auch schon so manchen stolzen Vogel erwischt.

Hintergrund:

Storchenhorstkarte mit Blick auf jedes Nest

  • Details: Wo die Störche in Bayern leben und brüten, verzeichnet die bayerische Weißstorchkarte des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Zu jedem Nest-Standort gibt es durch Klick auf die einzelnen Punkte in der Karte oder in der Tabelle unterhalb der Karte weitere Informationen.
  • Reiseroute: In der Satelliten-Telemetrie-Karte des LBV ist auch ersichtlich, welche Reiseroute die Zugvögel nehmen.
  • Patenschaft: Wer als Storchen-Fan den Tieren in seiner Umgebung helfen will, hat die Möglichkeit, LBV-Storchen-Pate zu werden und sein Lieblingsnest zu unterstützen. Damit können Interessierte auch zur Erfolgsgeschichte des Weißstorchprogramms beitragen.
  • Info: Direkt auf die Homepage des LBV mit Storchenkarte gelangt man über folgenden Link: www.lbv.de/naturschutz/artenschutz/voegel/weissstorch/storchenkarte/
Kaum angekommen macht sich dieser Storch in Schwarzenfeld schon an die Renovierung des Horsts.
Auf dem Schwarzenfelder Nest wird schon kräftig gebalzt.
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