14.08.2019 - 09:37 Uhr
Oberpfalz

Die Sommersonne einfangen

Liköre sind bereits im Mittelalter als Medizin angesetzt worden. Sie schmecken so lecker, dass sie bald auch zum Genuss getrunken werden. Das hat sich bis heute nicht geändert. Jetzt ist die ideale Zeit, um Liköre selbst anzusetzen.

Jetzt ist die ideale Zeit, selbst einmal einen Likör anzusetzen.
von Doris MayerProfil

Alle Marmeladengläser sind gefüllt, der Gefrierschrank gerät an seine Kapazitätsgrenzen und noch immer findet sich leckeres, reifes Obst im Garten oder in der freien Natur? Warum nicht die Sommersonne mit ihren Obst-Aromen in Form von feinen Fruchtlikören für die kalte Jahreszeit haltbar machen? In hübsche Flaschen abgefüllt eignen sich selbst hergestellte Liköre auch als besonderes Mitbringsel oder Geschenk.

Die Anfänge der Likör-Herstellung gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals wurden die "Flüssigkeiten" (Likör kommt von lateinisch Liquor = Flüssigkeit) mit Heilpflanzen versetzt. Gegen den bitteren Geschmack kam Honig dazu, und schon war die Medizin fertig. Die Herstellung von Likören war damals nur Pharmazeuten und Klöstern vorbehalten. Schon im 14. Jahrhundert setzten die "Liquoristen" Früchte hinzu, und bereits seit dieser Zeit wandelte sich die Medizin zum Genussmittel.

Liköre weisen meist einen Alkoholgehalt von 15 bis 40 Prozent auf. Schwankungen nach oben und unten sind dabei möglich. Per EU-Definition muss aber ein Liter Likör mindestens 100 Gramm Invertzucker enthalten. Dazu kommen die Auszüge der Früchte und zusätzliche Aromen, zum Beispiel durch Gewürze.

Das Handwerkszeug:

Um selbst Fruchtliköre herzustellen, beziehungsweise anzusetzen, braucht es lediglich ein paar Utensilien, die in jedem Haushalt zu finden sind:

- ein sauberes, großes, verschließbares Glas, Bügel- oder Schraubglas (die Autorin empfiehlt leere, große Gurkengläser)

- eine Küchenwaage zum Abwiegen der Zutaten

- ein Küchensieb mit Mulltuch oder Papierkaffeefilter zum Abfiltrieren des fertigen Likörs

- Trichter zum Abfüllen und Flaschen zum Aufbewahren der Liköre

Die Zutaten:

Im Grunde sind nur drei Zutaten und etwas Geduld nötig, um einen Fruchtlikör anzusetzen: Alkohol, Zucker und Früchte. Nach Geschmack können weitere Zutaten, wie Gewürze, Kräuter oder andere Geschmacksgeber beigefügt werden.

Klare Branntweine ohne viel Eigengeschmack wie Korn oder Wodka sind ideal. Je nach Obst-Art können sich aber auch durch Whiskey, Rum oder Gin interessante Noten ergeben.

An Obst eignet sich nahezu alles, was im Garten oder auf den Fluren wächst. Es sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass das Obst zwar reif, nicht aber überreif geerntet wird.

Kandiszucker oder auch selbst gekochter Zuckersirup sind die perfekten Süß-Macher. Gewürze sollten wohldosiert eingesetzt werden, dass sie den Fruchtgeschmack nicht überdecken.

Die Rezepte

Himbeer-Likör (einfach und sehr schmackhaft):

300 bis 400 Gramm Himbeeren, vorsichtig gewaschen und abgetropft, in ein großes Glas geben. 150 Gramm weißen Kandiszucker dazu einfüllen sowie eine ganze Vanilleschote aufgeschlitzt und in Stücke geschnitten dazugeben. Mit 0,7 Liter Wodka auffüllen.

Das Glas gut verschließen, an einem hellen Ort stehen lassen und anfangs täglich und auch in den folgenden Wochen immer wieder kippen und drehen, dass der Kandis sich löst. Nach rund vier Wochen abfiltern und in sauber ausgespülte, gut verschließbare Flaschen füllen. Dieser Likör hält normalerweise mehrere Jahre - sofern er nicht vorher ausgetrunken ist.

Dieses Rezept kann ebenso gut mit Brombeeren, schwarzen oder roten Johannisbeeren, oder auch einer Beerenmischung angesetzt werden. Wer keine frischen Beeren zur Hand hat, kann ebenso gefrorene verwenden.

Birnen-Likör mit Vanille:

Im Spätsommer, wenn die Birnen reifen, lohnt es sich auch hier, einen Likör anzusetzen. Gebraucht werden dazu sechs bis acht reife Birnen (geschält und ohne Kernhaus in kleine Stücke geschnitten), eine Vanillestange (aufgeschlitzt), eine Zimtstange, eine Gewürznelke, 200 Gramm weißen Kandiszucker und 0,7 Liter Wodka (oder 0,5 Liter Wodka und 0,2 Liter Rum, je nach Geschmack). Die Zutaten in ein großes Glas schichten und den Alkohol daraufgeben. Sechs bis acht Wochen stehen lassen und immer wieder leicht durchschütteln. Nach sechs bis acht Wochen abfiltern. Durch den hohen Alkohol- und Zuckergehalt ist auch dieser Likör mindestens ein Jahr haltbar.

Milder Holler-Likör (in wenigen Tagen trinkfertig):

Jetzt ist eine gute Zeit, um nach reifen Holunderbeeren Ausschau zu halten. Dieser Likör hat einen geringeren Alkoholgehalt und eignet sich hervorragend als "Schuss" in einen winterlichen Früchtetee oder Glühwein.

Ein Kilogramm reife Hollerbeeren (Stiele entfernen) mit zwei Litern Wasser aufkochen und eine Stunde auf kleiner Flamme köcheln lassen. Abseihen und die Beeren ausdrücken. Den verbleibenden Saft mit einem Kilogramm Zucker, drei Päckchen Vanillezucker, einer Stange Zimt und sechs Nelken noch einmal aufkochen und 30 Minuten sieden lassen. Nach dem Abkühlen jeweils ein Liter Hollersaft mit 0,7 Liter Doppelkorn mischen und abfüllen.

Schlehen-Likör:

Wen jetzt das Likör-Fieber gepackt hat, sollte für den Winter nach Schlehenbüschen Ausschau halten. Das Schlehenlikör-Rezept enthält Rotwein. Der Likör kann nach nur gut einer Woche genossen oder verschenkt werden.

500 Gramm Schlehen (vollreif und nach dem Frost geerntet) waschen. Einen Teil der Früchte mit den Kernen zerstoßen. Danach alle Schlehen in einem Topf knapp mit Wasser bedecken, aufkochen und abkühlen lassen. Einen Liter guten, trockenen, fruchtigen Rotwein hinzugeben und das Ganze - am Besten im Keller - eine Woche ziehen lassen. Nach einer Woche filtrieren.

Anschließend mit einem Stück Zimt, drei Nelken, zwei Sternanis und 300 Gramm Zucker aufkochen und fünf Minuten sieden lassen. Nach dem Abkühlen mit einem Liter Wodka und 100 Milliliter Rum vermischen und in Flaschen abfüllen.

Tipp:

Im Frühsommer bietet sich auch Rhabarber für einen Likör an. Auch Holunderblüten sind Geschmacksgeber für einen feinen und erfrischenden Likör.

Aus einer schönen Flasche und edlen Gläsern schmeckt der selbst angesetzte Likör gleich noch einmal so gut.
Rote Johannisbeeren eignen sich hervorragend für einen erfrischenden Sommerlikör.
Die Autorin empfiehlt zum Ansetzen große Gurkengläser mit Schraubverschluss.
Einfach und sehr schmackhaft ist ein Likör aus frischen Himbeeren.
Im Grunde sind nur drei Zutaten und etwas Geduld nötig, um einen Fruchtlikör anzusetzen: Alkohol, Zucker und Früchte. Nach Geschmack können weitere Zutaten, wie Gewürze, Kräuter oder andere Geschmacksgeber beigefügt werden.
Durch den hohen Alkohol- und Zuckergehalt sind die Liköre mindestens ein Jahr haltbar.
Obwohl Rhabarber ein Gemüse ist, ist auch er eine gute Grundlage für Likör.
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