24.11.2020 - 17:47 Uhr
Sorghof bei VilseckOberpfalz

Sorghofer Waldweihnacht: Wenn der Engel Abstand zu Maria halten muss

Die Weihnachtsgeschichte nicht am Stück, sondern aufgesplittet und ein Verkündigungsengel, der Abstand zu Maria hält. Das Coronavirus wirbelt auch die Heilige Nacht durcheinander - und zwingt die Sorghofer Waldweihnacht zu neuen Wegen.

Hirten, die sich am wärmenden Feuer drängeln, und Zuschauer, die dicht an dicht im Wald stehen: In Coronazeiten ist die Sorghofer Waldweihnacht in dieser Form undenkbar. Doch die Verantwortlichen haben sich eine Pandemie-gerechte Variante der populären Veranstaltung in der Vorweihnachtszeit einfallen lassen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Heuer wäre es die 30. Waldweihnacht gewesen, stimmungsvoll und anrührend wie all die Jahre zuvor. Doch Corona bremst die Veranstaltung in ihrer herkömmlichen Form aus. Buden im Wald, Glühwein und Bratwürste, unzählige Zuschauer dicht an dicht, weit über 100 Mitwirkende und Helfer: In einer Pandemie wäre das ein Brandbeschleuniger. Doch Gerhard „Säm“ Kraus, Kirchenchorleiter und Organist der Expositur Sorghof sowie Organisator der Sorghofer Waldweihnacht, will die Veranstaltung, die bis dato knapp 80 000 Euro für bedürftige Menschen eingebracht hat, nicht einfach sang- und klanglos absagen. Vielmehr hat er mit seinem Organisationsteam an einer Corona-tauglichen Alternative getüftelt.

Gedanken über einzelne Szenen

Alljährlich im August macht sich Kraus Gedanken zur Waldweihnacht. Zum Beispiel, welche Figuren eingebaut werden. Das kann ein blinder Bettler sein, den er in den Mittelpunkt der über 2000 Jahre alten Geschichte von der Herbergssuche stellt. Oder ein Herbergswirt, der ein außerordentlicher Geizkragen ist. Heuer ging es weniger um Feinheiten, vielmehr stand wegen Corona die komplette Waldweihnacht zur Disposition. Statt sofort die Veranstaltung abzublasen, machte sich Kraus auf die Suche nach Plan B und C.

Dazu zerpflückte er die Waldweihnacht, die stets am vierten Adventssonntag stattfindet (außer der Heilige Abend fällt auf den vierten Adventssonntag, dann wird die Waldweihnacht um eine Woche vorverlegt), in vier Teile. Zunächst hatte Kraus anvisiert, die vier Sequenzen gestückelt im Pfarrgarten aufzuführen, doch dann war zum 30. November der Lockdown light gekommen – und damit ein Verbot für Veranstaltungen. Doch Kraus gab nicht auf, kam vielmehr auf die Idee, die Szenen nach Absprache mit Pfarrer Robin in die Sorghofer Gottesdienste zu integrieren. Denn: Messen bleiben erlaubt, sofern Kanzlerin und Ministerpräsidenten in ihrer neuerlichen Corona-Runde nichts Gegenteiliges beschließen werden.

Pro Szene circa 15 Minuten

Jeweils zum Ende des Gottesdienstes werden Akteure der Sorghofer in Aktion treten und die einzelne, circa 15-minütige Szenen spielen. Aufgeführt werden folgende vier Szenen: Volkszählung am ersten Advent, die Verkündigung am zweiten, die Herbergssuche am dritten und die Verkündigung von Christi Geburt und der Stern von Bethlehem am vierten. Die einzelnen Szenen werden jeweils musikalisch umrahmt: Volkszählung durch das Bläserensemble Benno Englhard, Verkündigung durch den Murachtaler Drei G’sang, Herbergssuche durch Remona Fenk und Stern von Bethlehem, der den Hirten den Weg zur Krippe weist, von Rita Butz und den Stauber-Moidln.

Die Gottesdienste mit Szenen aus der Sorghofer Waldweihnacht in der Expositurkirche Sorghof sind am Samstag, 28. November, um 18.30 Uhr (Vorabendmesse), am Sonntag, 6. Dezember, um 8.30 Uhr, am Sonntag, 13. Dezember, um 10 Uhr und am Samstag, 19. Dezember, um 18.30 Uhr (Vorabendmesse). Zusätzlich wird es an den vier Adventssonntagen nachmittags noch vier Andachten geben, in der die jeweilige Szene wiederholt wird. Kraus verweist darauf, dass alles Corona-konform ablaufen werde. Es gelten die allgemeinen Regeln für Gottesdienste: Die Expositurkirche Sorghof ist auf 50 Besucher beschränkt (statt 150 Plätze), die Gläubigen müssen Abstand halten, sich die Hände desinfizieren und sich in Listen eintragen. Auch die einzelnen Szenen sieht Kraus als nicht problematisch. Als Beispiel nennt er die Verkündigung am zweiten Advent. Die Anzahl der Darsteller reduziert sich auf Maria und den Engel, der obendrein noch physische Distanz zur Gottesmutter hält.

Auch die Musiker würden im gebührlichen Abstand zueinander ihre Darbietungen vortragen. Die Bläser am ersten Advent werden draußen musizieren und durch die offenen Außentüren im Gotteshaus zu hören sein. Geplant hat Kraus noch, an den Sonntagen die 20. Sorghofer Waldweihnacht per Beamer auf eine Tagesleinwand an der Außenwand der Kirche zu projizieren und sie von 13 bis circa 18 Uhr in einer Endlosschleife zu zeigen – „vorausgesetzt, das Wetter spielt mit“.

Kinder gestalten Holzfiguren

Eingebunden sind auch die drei Kindergärten Vilseck, Sorghof und Schlicht. Ihnen hat Kraus sechs, circa ein Meter große Sperrholz-Figuren (Josef, Maria, Jesus in der Krippe, Hirte, Schaf und Esel) zum Gestalten überlassen. Die von Kindern verzierten Figuren sind sonntags von 9 bis 17 Uhr auf dem Kirchenvorplatz zu sehen. Kraus hofft, so vielen Menschen wie möglich eine etwas andere visuelle Form der Waldweihnacht bieten zu können. Ebenso hofft er, dass die aufgestellten Spendenboxen gut gefüllt werden. Dieses Geld kommt jenen zu Gute, die es benötigen: soziale Einrichtungen und Bedürftige. Knapp 80 000 Euro waren es bisher. „Bedürftigen zu helfen., das ist eigentlich der Geist der Waldweihnacht“, betont der Organisator.

Die Sorghofer Waldweihnacht vor Corona

Sorghof bei Vilseck

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