19.01.2021 - 18:05 Uhr
SpeinshartOberpfalz

100 Jahre Wiederbesiedlung der Abtei Speinshart

Ein Büchlein aus dem Jahr 1904 des aus Burkhardsreuth stammenden Priesters und Seminardirektors Georg Blößner führte wohl indirekt zur Wiedergründung der Abtei des Klosters Speinshart im Jahr 1921.

Zur reichen Geschichte des Klosters Speinshart gehört die Wiederbesiedlung vor 100 Jahren
von Robert DotzauerProfil

Wenige Jahre nach dem Tod des heiligen Norbert von Xanten kam es im Jahr 1145 in Speinshart zu einer Stiftung der adeligen Familie Reifenberg und in der Folge zur Besiedlung durch Prämonstratenser-Chorherren aus dem Stift Wilten in Tirol. Ein denkwürdiges Datum. Doch die im Juli 2020 geplante 875-Jahr-Feier der Klostergründung musste wegen der Coronapandemie verschoben werden.

Das Kloster erlebte viele turbulente Zeiten. Trotz eines ersten Unterganges in der Reformation konnte das klösterliche Leben im Jahr 1661 durch Mitbrüder aus der oberbayerischen Abtei Steingaden wieder aufgenommen werden. Es kam in den folgenden Jahrzehnten zu einem raschen Aufblühen der Kanonikergemeinschaft und zum Neubau von Stiftskirche und Kloster im barocken Stil. Mit der Säkularisation im Jahr 1803 mussten die Chorherren erneut aufgeben. Dem relativ jungen Konvent blieb nichts anderes übrig, als das Kloster mit wenigen Habseligkeiten zu verlassen, um ein neues ziviles Leben zu beginnen oder als Seelsorger in verschiedensten Bereichen neue Aufgaben zu finden.

Ein Büchlein in New York als Initialzündung

Doch das Ende war das nicht. Der Neuanfang begann mit einem kleinen unscheinbaren Büchlein, das der aus Burkhardsreuth stammende Diözesanpriester Georg Blößner im Jahr 1904 veröffentlichte. In seinem Werk beschrieb er die Geschichte der barocken Äbte von Speinshart. Ein Exemplar verirrte sich nach New York, wo es in einem Buchladen der US-Metropole einem amerikanischen Priester in die Hände fiel. Fortan interessierte sich der „Pfarrer aus New York“ für das Kloster mit dem Ziel, die Gebäudlichkeiten nach der Enteignung im Rahmen der Säkularisation vom Bayerischen Staat zurückzukaufen und der Ordensgemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Doch auch engagierte Persönlichkeiten aus dem Münchner Raum bekamen davon Wind.

200.000 Mark Kaufpreis

Noch während der Grundstücksverhandlungen interessierte sich Prälat Michael Hartig für das Schicksal des Klosters. Sein Vorschlag: Doch zunächst beim Prämonstratenserorden über ein Rückkaufinteresse nachzufragen. Ansprechpartner waren die österreichischen Abteien Geras, Schlägl und Wilten und Prämonstratenserklöster in Belgien und in den Niederlanden. Schließlich zeigte die Abtei Tepl bei Marienbad großes Interesse an der Wiedergründung von Speinshart. Zum Kaufvertrag kam es laut Nachforschungen durch Pater Benedikt Schuster am 30. September 1921 in Eschenbach. Als Kaufpreis für das Kloster „nebst Zugehörigkeiten“ wurden 200.000 Mark ausgehandelt. 100.000 Mark waren sofort fällig, die andere Hälfte in 5 Jahresraten zu je 20.000 Mark mit einer Verzinsung von 5 Prozent.

Zu den zahlreichen Verpflichtungen für den Käufer gehörten für den neuen Eigentümer auch der Bau eines Dienstanwesens für den staaatlichen Förster. Die Deckelung der Gesamtaufwendungen betrug 250.000 Mark. Für Dr. Michael Hartig und die Prämonstratenser ein wichtiger Vertragsbestandteil, betrugen die tatsächlichen Gesamtkosten nach dem Bau der Forsteinrichtungen einschließlich der vereinbarten Zinsen 475.000 Euro. Beim Rechtsgeschäft immer dabei: Michael Hartig, der auch im Namen des Ordens der Prämonstratenser und mit Vollmacht des Generalabtes handelte. Der Kaufvertrag regelte zudem die Übergabe aller Rechte an Speinshart. Damit verbunden war auch die anschließende staatsrechtliche Anerkennung der Speinsharter Abtei.

Zur Wiederbesiedlung ein großes Fest

Die kirchenrechtliche Form des Rechtsgeschäftes stellte Papst Pius XI. mit Urkunde vom 24. März 1923 her. Darin bestätigte der Pontifex der Abtei „alle Rechte und Privilegien, die ihr einst gewährt wurden“ und setzte bis auf Weiteres den Abt von Tepl als Administrator der Abtei Speinshart ein. Dieser offiziellen kirchenrechtlichen Form gingen bereits ab 30. September bis 3. Oktober 2021 die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des Klosters voraus. Höhepunkt war am 2. Oktober 2021 eine Prozession vom Barbaraberg nach Speinshart, ein Pontifikalamt und am Nachmittag ein historisches Festspiel vor dem Kloster.

In der Klosterchronik schrieb Pater Augustin Hilburger über das Festgeschehen unter anderem: „Auf dem Barbaraberg begann Prälat Hartig, der an Stelle der durch Blitzschlag arg beschädigten alten Wallfahrtskirche eine schmucke Kapelle erbaut hatte, eine stille Auszugsmesse. Beim Austritt aus der Kapelle wurde er von einem Schulmädchen mit einem Festgedicht begrüßt. Dasselbe wiederholte sich am Klostertor und am Kirchenportal in Speinshart. Ein immer größer werdender Kirchenzug bewegte sich, angeführt von drei Festreitern, unter Anbetung des glorreichen Rosenkranzes in Richtung Speinshart. Unter dem Empfangsbogen beim hl. Thaddäus wurde der Zug vom Berg von einem mächtigen Gegenzug aus Speinshart unter Führung des Regensburger Generalvikars Dr. Schreglmann erwartet. Im Zug waren auch die Benediktineräbte von Metten und St. Bonifaz, kgl. Hohheit Prinz Josef Clemens von Wittelsbach und Bayerns Finanzminister Krausnek und die Bürgermeister von Speinshart und Münchsreuth“.

Der Protokollführer vermerkte weiter: „Die geplante Klosterabsperrung bis nach dem Einzug erwies sich als undurchführbar. Jedes Plätzchen war besetzt, die Mehrheit fand keinen Platz“. Beschrieben wird zudem die Festpredigt von Seminardirektor Georg Blößner, dem Verfasser der Geschichte über Speinsharts Äbte von 1904. In der Klosterchronik schildert Pater Augustin Hilburger auch die Bestellung des Tepler Abtes Dr. Johann Gilbert Helmer zum Administrator von Speinshart. Die Abtei wieder mit Leben zu erfüllen, gehörte nun zu den zusätzlichen Aufgaben des Abtes aus dem böhmischen Tepl.

Pater Richard Totzauer erster Prior

Mit der Ernennung der Chorherren Richard Totzauer zum Prior und von Pater Augustin Hilburger zum Sakristan begann am 2. Oktober 1921 erstmals nach der Säkularisierung von 1803 wieder prämonstratensisches Leben nicht nur in Speinshart, sondern in ganz Deutschland. Im Dezember 1922 verstärkte Pater Justin Möhler die kleine Gemeinschaft. Im August 1923 entsandte Tepl Pater Gereon Motyka nach Speinshart. Diese vier Prämonstratenser-Chorherren bildeten in den Anfangsjahren der Wiederbesiedlung einen bescheidenen Konvent mit großer Wirkung. Sie wurden in Speinshart zu Gründerpionieren.

Prälat Dr. Michael Hartig ein großer Förderer Speinsharts

Als Fürsprecher Speinsharts und des Barbaraberges kristallisierte sich bei den Verhandlungen zum Rückkauf der Abtei vom Staat und bei der Wiederbelebung des Klosters Michael Hartig heraus. Neben Georg Blößner und den Prämonstratensern aus dem Stift Tepl war er die wohl bedeutendste Persönlichkeit zur Wiedergründung der Abtei Speinshart. Nach den Studien der Philosophie und Theologie 1903 im Freising zum Priester geweiht, galt sein großes Augenmerk der Kunst. Viele Jahre gehörte Hartig zu den namhaften Vertretern des Vereins Christliche Kunst in München. Ab 1925 lehrte er bis 1942 Kunstgeschichte an der Universität in Salzburg. 1948 wurde der Prälat Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der Universität München. Im gleichen Jahr bekam er durch die theologische Fakultät die Ehrendoktorwürde verliehen.

1920 erwarb er Teile der Kirchenruine auf dem Barbaraberg, um für Priester der Erzdiözese München und Freising eine Sommerfrische einzurichten. In der Jahresschrift 2020 der Prämonstratenserabtei wird darüber berichtet, dass Michael Hartig in seiner Funktion als Mitglied des erzbischöflichen Domkapitels München und Freising die Errichtung eines „Erholungsheimes Barbaraberg“ förderte. Zum Projekt Barbaraberg gehörte inmitten der Kirchenruine der Bau einer Kapelle zu Ehren der heilgen Barbara. 1929 folgte die Schenkung an das Kloster. Schon 1921 erwies sich Hartig beim Rückkauf des Klosterareals vom Staat als exzellenter Verhandlungsführer. Auch nach der Wiederherstellung der Abtei blieb er dem Kloster als Freund und Förderer verbunden. In Speinshart erinnern zudem viele Sachspenden, wie zum Beispiel Möblierungen, sakrale Kunstgegenstände und wertvolle Gewänder an den verdienten Kirchenmann, der vor 60 Jahren am 12. April 1960 verstarb und seine letzte Ruhe in München fand.

Kloster und Klosterdorf Speinshart feiern

Speinshart
Prior Pater Richard Totzauer (li) und Pater Augustin Hilburger gehörten zu den Gründungspionieren der Wiederbesiedlung Speinsharts
Auf dem Barbaraberg war ein Erholungsheim für Priester geplant

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