09.09.2021 - 13:32 Uhr
StadlernOberpfalz

Künstlerin aus Stadlern produziert Unikate

Nudelholz und Teigschaber liegen schon parat. Essbar sind die Sachen aber nicht, die Bettina Paa hier in den Ofen schiebt. Was unter ihren Händen entsteht, ist fürs Auge, nicht für den Gaumen – und manchmal sogar praktisch.

Hier formt Bettina Paa in ihrer Werkstatt in Stadlern ein Waschbecken aus Ton. Den Prototyp hat sie selbst schon in Gebrauch.
von Monika Bugl Kontakt Profil

In der kleinen Werkstatt neben dem Einfamilienhaus in Stadlern streicht Bettina Paa vorsichtig über eine Schüssel aus noch feuchtem Ton. Auf dem Boden des Gefäßes zeichnet sich ein Blumenmuster ab. Ein unvorsichtiger Griff, und die eingeprägten Ranken dort wären zerstört. Doch das Objekt wird noch mehr gefährliche Hürden nehmen auf dem Weg zu einem fertigen Waschbecken. "Je fetter der Ton, desto größere Teile kann man formen", sagt die 47-Jährige, die viele Jahre im sozialen Bereich gearbeitet hat und sich inzwischen ganz dem Kunsthandwerk widmet.

Angefangen hat alles mit einer Serie von Bildern. Von Beginn an hat Bettina Paa sich nicht davor gescheut, auch die Wünsche anderer Menschen auf die Leinwand zu bringen. "Wer zu mir kommt, schätzt einfach Handgemachtes", sagt die Künstlerin, die sich nun auf den Werkstoff Ton konzentriert hat. Das Wissen, wie man formt, brennt und glasiert, hat sie sich selber beigebracht, über Bücher, Volkshochschulkurse oder Videos im Internet und in vielen Gesprächen mit Experten. Inzwischen kann sie einschätzen, wie hoch die Temperatur beim Brennen der Keramik sein muss, wie dick die Glasur sein sollte und wie viel Prozent an Schrumpfung man einkalkulieren muss, wenn beispielsweise ein Waschbecken auf den Siphon passen soll.

"Anfangs war ich oft so aufgeregt, dass ich kaum schlafen konnte", beschreibt Paa ihre ersten Schritte mit dem neuen Material. Heute will sie den Sprung ins Dreidimensionale nicht mehr missen. "Da hat man noch ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten", erklärt sie begeistert. Je nach Farbe des Tons gibt es spezielle Effekte. "Es ist immer spannend, wenn die Sachen aus dem Ofen kommen", gesteht die Künstlerin.

Beim ersten Brennen laute die Frage: Ist alles heil? Beim weiteren Arbeitsgang dann: Hat die Glasur so funktioniert? Wie gut es klappt, ist in ihrer Werkstatt zu sehen. Dort stehen in den Regalen bunte Deko-Objekte neben Lampenschirmen in Pastellfarben oder winzige Ohrstecker mit einem farbig glasierten Knöpfchen aus Ton. Inzwischen gibt es in der Kunst sogar eine Kooperation mit Ehemann Josef, der als gelernter Elektriker und Fachmann für Holz die Leitungen für Lampen bastelt oder einen hölzernen Fuß für die Keramikteile einer Stehlampe. "Bepaa Art" nennt sich das Label der beiden kreativen Köpfe aus Stadlern.

Schwanger mit Ideen

Auf dem Weg zum Figürlichen begann für die 47-Jährige alles mit einer Idee im Kopf: Partout eine Schwangere wollte sie aus dem Material gestalten, und das hat sie mit Hilfe von Fachleuten auch umgesetzt. Dann musste ihr Vater Modell stehen für eine etwas größere Skulptur.

Daneben ist sie aber auch offen für alles, was von außen an sie herangetragen wird. Der kleine Weihwasserkessel mit dem Relief einer Familie ist so eine Arbeit. "Je länger man an etwas baut, desto findiger wird man", sagt die Frau, die sich nicht scheut, "Kunst auf Bestellung" zu liefern, ob es nun Kleiderhaken mit Tierköpfen sind oder Lampen. "Ich mag es, wenn die Leute mit eigenen Ideen kommen", erzählt sie.

Natürlich will die Künstlerin auch gern etwas verkaufen. "Momentan teste ich gerade den Markt", so die 47-Jährige, die sich noch in der Aufbauphase sieht. In Guteneck ist sie auf dem monatlichen Bauernmarkt vertreten, in den Ferienhäusern der Umgebung hat sie ihre Flyer ausgelegt, und nicht wenige Kunden werden über die Sozialen Medien auf ihre Arbeiten aufmerksam. "Auf Kunsthandwerkermärkten würde natürlich mehr gehen", überlegt sie. Doch mit Corona war da erst einmal Flaute.

Lernprozess geht weiter

Entmutigen lässt sich die gelernte Krankenschwester davon genauso wenig wie von manchem missglückten Teil. "Diese Sachen landen dann meistens in meinem Haushalt", gesteht sie und macht einfach weiter mit dem einzigartigen Waschbecken, für das es momentan noch keinen Kunden gibt: "Ich hatte einfach Bock, das mit diesem Blumenmuster zu versuchen, es wird sich zeigen, wo es einmal landen wird."

Pur, mit Glasur oder nur geschwärzt? Immer wieder gibt es neue Abzweigungen auf dem Weg zum vollendeten Kunstwerk. Nie ist der Lernprozess endgültig abgeschlossen. Bettina Paa sieht das auch philosophisch: "Für mich ist es eine Herausforderung, mit Vorläufigem zufrieden zu sein. Im Prinzip sind wir doch immer im Werden."

So ist Bettina Paa vor drei Jahren in der Kunst gestartet

Stadlern
Hintergrund:

"Bepaa Art" von Josef und Bettina Paa

  • Malerei: Öl- und Acrylbilder auf Leinwand, Auftragsarbeiten
  • Töpferei: Skulpturen, Tiere, Schmuck, Wohnaccessoires, Geschirr, handmodelliert ohne Drehscheibe
  • Lichtdesign: Decken- Tisch- und Stehlampen mit Keramik- und Holzelementen
  • Geschirr: Steinzeug gebrannt; spülmaschinenfest und lebensmittelecht
  • Kontakt: Telefon 0151/20068961, E-Mail: be.paa[at]web[dot]de
Hintergrund:

Viele Schritte zur fertigen Keramik

  • Aufbau: Bettina Paa dreht ihre Objekte weniger auf einer Töpferscheibe, vielmehr fügt sie den Ton in Teigplatten aneinander. Dann müssen die Objekte getrocknet werden.
  • Brennen: Die getrockneten Tonmodelle kommen bei 900 bis 1050 Grad in den Ofen, ein Vorgang der im Fachjargon "Schrühbrand" heißt. Das absorbierte und das chemisch gebundene Wasser verdunstet, die organischen Bestandteile verbrennen und die Entgasung des Scherbens setzt ein.
  • Glasur: Die Ware kommt zum zweiten mal in den Ofen, diesmal mit Glasur und bei einer noch höheren Temperatur über 1200 Grad (Hochbrand). Dadurch wir der Ton richtig dicht. Nur bei lebensmittelechter Glasur sollten die Objekte auch für Mahlzeiten verwendet werden.

"Für mich ist es eine Herausforderung, mit Vorläufigem zufrieden zu sein. Im Prinzip sind wir doch immer im Werden."

Bettina Paa

Bettina Paa

 

 

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