16.01.2020 - 11:04 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Süd-Ost-Link: Auch Störnstein lässt nicht bohren

Wie schon die Kollegen in Püchersreuth entscheidet der Gemeinderat einstimmig, dem Betreiber des Süd-Ost-Links erste Bohrungen auf Gemeindegrund zu verwehren. Der Zweite Bürgermeister Eka Reber (FW) spricht von einem „ganz vehementen Nein“.

Der Protest der Störnsteiner gegen die Trasse des geplanten Süd-Ost-Links hält seit vergangenem Jahr an.
von Gabi EichlProfil

Die Gemeinderäte sind sich einig: Man könne gar nicht anders, als Tennet diese Bohrungen zu verweigern. Reber sagt, die Gemeinde wie auch die privaten Grundeigentümer sollten Tennet unbedingt Steine in den Weg legen, und wenn es nur darum gehe, Zeichen zu setzen. Karlheinz Schreiner (FW) und Gerhard Trottmann (SPD) fügen an, die Gemeinde könne in dem Fall gar nicht anders, nachdem sie sich klar gegen die Trasse positioniert habe.

"Für was sind wir denn da?"

Empört zeigen sich mehrere Gemeinderäte über die Vorgehensweise eines Bauherrn im Birkenweg im Baugebiet „Steinleite 4“. Dieser hat einen Tekturbauantrag gestellt für eine Stützmauer. Er hat sich die Mauer aber offenbar schon vom Landratsamt genehmigen lassen, ehe er sich an seine Gemeinde wandte. Und das ist der Punkt, den ihm einige Gemeinderäte übel nehmen.

Keiner der Gemeinderäte hat ein Problem mit der Mauer an sich, wenn ihr auch nicht jeder einen Schönheitspreis verleihen würde, aber der Gemeinderat sieht sich übergangen. Reber fragt, warum der Gemeinderat seine Zeit vergeude mit solchen Anträgen, wenn diese via „Privataudienz“ mit dem Landrat beschieden würden. Schreiner sagt: „So gäiht´s niad.“ Und Hubert Meiler fügt an: „Für was sind wir denn da?“

Gerhard Trottmann (SPD) spricht von einer „Sauerei“, dass die Mauer schon gebaut sei. Wenn diese Vorgehensweise Schule mache, werde sich in Zukunft jeder gleich an das Landratsamt wenden. Trottmann sagt aber auch, er stimme dem Tekturantrag zu, da die Mauer schon gebaut sei und er nichts gegen die Mauer an sich habe. Bernhard Weiß (Bürgerliste) sagt, der Gemeinderat sei „überflüssig“, wenn er nur nachträglich schon Entschiedenes abnicken solle. Bürgermeister Markus Ludwig sucht mehrfach die Gemüter zu beruhigen. Auch er findet eigenem Bekunden nach die Vorgehensweise des Bauherrn nicht in Ordnung, aber er weist darauf hin, dass es um den Bauantrag gehe, nicht um die Vorgehensweise. Der Gemeinderat genehmigt den Antrag mit vier Gegenstimmen.

Stoffladen in Lanz: "Tolles Projekt"

Übereinstimmend erfreut zeigt sich der Gemeinderat über das Vorhaben, im Ortsteil Lanz einen Stoffladen mit Versandhandel, Bäckereiverkaufsstelle und Café zu bauen. Der Bauvoranfrage wird einstimmig das Einvernehmen erteilt. Mehrere Gemeinderäte sprechen von einem „tollen Projekt“. Der Stoffladen ist bisher schon im Obergeschoss eines Wohnhauses untergebracht und soll nun in größerem Stil auf einem landwirtschaftlich genutzten Grundstück unmittelbar an der Staatsstraße erweitert werden.

Länger diskutiert wird die beabsichtigte Überdachung zweier Fahrsilos, die zu einer inzwischen stillgelegten Biogasanlage gehören. Bürgermeister Markus Ludwig schlägt vor, das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht zu stellen. Voraussetzung dafür sei, dass die Frage der Entwässerung der großen Dachfläche gelöst werde und der Antragsteller sich selbst um den Zufahrtsweg kümmere. Mehrere Gemeinderäte rätseln über die Nutzung des „Monsterbaus“ (Trottmann). Ludwig verweist wiederholt darauf, dass der Antragsteller von einer ausschließlich landwirtschaftlichen Nutzung spreche. Der Gemeinderat stellt am Ende sein Einvernehmen in Aussicht.

Rathaus braucht kein Glasfaser

Eine Glasfaseranbindung braucht das Rathaus derzeit nicht. In dem Punkt ist sich der Gemeinderat einig. Auch wenn eine solche aktuell zu 90 Prozent bezuschusst wird und die Gemeinde dadurch nicht einmal 4000 Euro kosten würde. Laut Bürgermeister Markus Ludwig sind die aktuell 16 MBit vollkommen ausreichend, zumal heute schon technisch bis zu 100 MBit möglich seien, die aber im Rathaus niemand brauche. Eine andere Sache sei es, wenn Glasfaser einmal Standard werde.

Sein Einvernehmen erteilt der Gemeinderat dem Antrag auf Anbringung einer Außenisolierung an dem Wohnhaus im Bergweg 8.

Ludwig gibt eine Eilentscheidung bekannt, mit der er einen Tekturantrag der Biogasanlage in Ernsthof genehmigt hat. Es geht unter anderem darum, dass der Güllebehälter größer als bisher genehmigt ist.

Trasse des Süd-Ost-Links: Püchersreuth wehrt sich

Püchersreuth

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Püchersreuth
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Kommentare

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Maria Estl

Das ist vorbildlich, wie sich Gemeinderäte und Bürgermeister hier vor ihre Bürger stellen und sie schützen. Ziviler Ungehorsam im besten Sinn des Wortes. Bravo kann man da nur sagen. Den Anfang machte Bürgermeister Rudolf Schopper aus Püchersreuth mit Gemeinderäten. Und die Gemeinde Störnstein hat bereits Anfang 2019 einen geharnischten Brief gegen die Stromtrasse geschrieben. Hoffentlich haben andere Gemeinden auch den Mut, gegen dieses unsinnige Projekt Süd Ost Link aufzustehen. Schließlich haben die Oberpfälzer auch die WAA zum Scheitern gebracht.

16.01.2020