04.05.2021 - 16:03 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Wetter scherzt im April: Auf warmen Auftakt folgen Schnee und Frost

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Es scheint fast, als wäre extremes Wetter normal. Die vergangenen Monate und Jahre waren extrem warm, extrem trocken. Ein Rekord jagte den nächsten in allen möglichen meteorologischen Parametern. Dieses Jahr ist es extrem anders herum.

Am 16 April bedeckte eine geschlossene Schneedecke Autos, Häuser und Natur in Störnstein und Umgebung. Noch später im Jahr fiel die weiße Pracht zuletzt 2017, damals war es der 19. April.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Der April war außergewöhnlich kalt mit einer mittleren Temperatur von nur 5,0 Grad Celsius", hat David Frahnow mit der Wetterstation im Garten seiner Eltern in Störnstein registriert. Dies sind 2,1 Kelvin weniger als im gewohnten Mittel, das aus den gemessenen Werten der vergangenen 20 Jahre besteht. "Es ist auch der bisher kälteste April in Störnstein. Der alte Rekord wurde 2003 mit 5,7 Grad gemessen." Frahnow weiß, dass es auch deutlich wärmer im April geht wie im Jahr 2009.

Eine Tagestiefsttemperatur von -4,5 Grad heuer am 9. April war einer von 14 Frosttagen in diesem Jahr. Im Mittel sind es in diesem launischen Monat 6 Tage. Der wärmste Tag des Monats war gleich am ersten Tag mit 21,6 Grad. Offenbar wollte das Wetter damit die Leute buchstäblich in den April schicken. Schließlich war dieser Gründonnerstag auch der einzige Wärmetag mit über 20 Grad.

Die Zahl der Frosttage kletterte seit 2001 in den Monaten Januar bis April in Störnstein noch nie so hoch wie 2021.

Ein weiterer Rekord waren die 4 Schneedeckentage, 3 mehr als statistisch üblich. Den Spitzenplatz für den letzten Schneedeckentag verpasste der 16. April knapp. 2017 lagen am 19. April noch 1 Zentimeter. "Im ganzen Jahr sind es 52 Tage, an denen es eine geschlossene Schneedecke in Störnstein gab", sagt der Wetterstatistiker.

Heizkosten explodieren

"In diesem April musste man etwa 43 Prozent mehr Energie aufwenden, um in Wohnräumen eine Wohlfühltemperatur von 20 Grad zu haben."

Wetterstatistiker David Frahnow

Wetterstatistiker David Frahnow

Auch für die Heizkosten hält Frahnow Zahlen bereit: „In diesem April musste man etwa 43 Prozent mehr Energie aufwenden, um in Wohnräumen eine Wohlfühltemperatur von 20 Grad zu haben.“ Aufs Jahr gesehen verbrauchten die ersten vier Monate bereits 12,3 Prozent mehr Heizenergie gegenüber dem zehnjährigen Vergleichszeitraum. 450 Einheiten errechnete er für den April durch die Außentemperatur. Aufs Jahr gesehen sind es 2231 Einheiten. Das Zehn-Jahres-Mittel für den April liegt bei 314 und für das Jahr bei 1986 Einheiten.

Natur erwacht erst spät

Für Landwirte und Hobbygärtner ist der Vegetationsbeginn bedeutsam. Sie müssen sich heuer in Geduld üben. Diesen Termin fürs Wachstum errechnet man, indem man die positiven Tagesmittelwerte zusammenaddiert. Im Januar wird er durch 0,5 und im Februar durch den Faktor 0,75 geteilt. Ausschlaggebend ist der Wert 200. Ab da kann der Erdboden nach dem Winter wieder Stickstoff aufnehmen. Heuer wurde dieser Wert am 14. April erreicht. Das ist 12 Tage später als das 20-jährigen Mittel, bei dem dieser Wert am 2. April erreicht ist. Der späteste Termin ist wie bei den Schneedeckentagen auch hier der 19. April, allerdings bereits im Jahr 2013. Am schnellsten in Frahnows Beobachtungszeitraum durfte die Natur im vergangenen Jahr durchstarten und zwar bereits am 19. März. Die Vegetationssumme lag am 30. April bei 312 Einheiten. Dies bedeutet, dass die Natur in Störnstein und der Region mit 16 bis 20 Tagen deutlich dem durchschnittlichen Zeitablauf hinterherhängt.

Niederschläge im Soll

Für die Pflanzen sind nicht nur Temperatur und Sonne wichtig sondern auch der Niederschlag. Der April 2021 ist in Störnstein mit 44,5 Millimetern um 7,5 Prozent nasser als das Mittel. Frahnow: "Das hat mit dem starken Gewitter am 20. April zu tun, als es in weniger als 3 Stunden rund 23,4 Millimeter Regen gab." Im gesamten bisherigen Jahr sind mit 201,6 Millimetern an 53 Tagen 5,4 Millimeter mehr gefallen als im langjährigen Vergleichszeitraum. Demgegenüber ist 2021 2,7 Prozent niederschlagsreicher.

Ausblick auf die kommenden Monate

Wie wird das Jahr 2021? Diese Frage kann keiner 100-prozentig beantworten. Einige Modelle sagen ab Juni Hitze und Trockenheit für Süddeutschland voraus, andere berechnen einen moderarten Sommer mit kurzen heftigen Hitzewellen und durchschnittlichem Niederschlag. "Derzeit sieht es eher danach aus, dass es ein kühles Jahr wird, an dem es vielleicht mehr Wind aus Nord gibt", meint der in Hamburg lebende ehemalige Störnsteiner. "Das hat zur Folge, dass es dann ehr sonnig und trocken sein wird." Aber wie es werde, sehe man im Laufe der Zeit, rückt der Wetterbeobachter seine Einschätzung ein.

Eiskalte Nacht in der Oberpfalz

Störnstein
Mit kalten Temperaturen und Schnee hatten in diesem April die Osterglocken zu kämpfen, statt ihre gelben Blüten der Sonne entgegenzustrecken.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.