13.05.2020 - 10:27 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Beispiele für gelungene Integration: Von Syrien aus in Bus und ins Labor

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Der schönste Grund, die Heimat zu verlassen, ist Liebe. Viele Menschen, die aus ihrem Geburtsland in die Fremde ziehen, haben andere Gründe. Manche suchen Arbeit, andere fliehen, um ihr Leben zu retten - wie Ahmad Alkhatib und Ammar Baroud.

Endlich wieder im chemischen Labor arbeiten: Für Ammar Baroud ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen.
von Autor COGProfil

Sie alle kommen in eine neue Welt, die anders ist als das, was sie gewohnt waren. Wie sie Fuß fassen, ist verschieden, denn die Neuankömmlinge sind unterschiedlich auf das Leben in Deutschland vorbereitet. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Russlanddeutscher, der von klein auf mit der deutschen Kultur und Sprache vertraut ist, über lange Jahre seine Übersiedlung in das Land seiner Vorfahren vorbereitet, oder ob ein Flüchtling, der in Todesangst sein Land verließ, eher zufällig hier landet.

Die Sprache

Aber auch andere Aspekte sind wichtig: Welche Ausbildung bringen die Menschen aus ihrer ersten Heimat mit? Gibt es diesen Beruf in Deutschland überhaupt? Werden die Abschlüsse anerkannt? Der wichtigste Punkt ist natürlich die Sprache. Ohne solide Deutschkenntnisse funktioniert die Integration nicht. Eine große Rolle bei der Eingliederung der Neubürger spielen deshalb die Bildungseinrichtungen, die Sprachkurse anbieten, wie die Volkshochschule.Ahmad Alkhatib stammt aus Syrien. Vor fast vier Jahren ist er mit seiner Familie auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Sulzbach-Rosenberg gelandet. Der Anfang, erzählt er, war nicht einfach. Das größte Problem war natürlich die Sprache. Als er ankam, konnte er kein Wort Deutsch. Aber er hatte auch mit der deutschen Kultur Schwierigkeiten. Das Essen war anders, der Umgang der Menschen miteinander, der Alltag. Sehr geholfen haben ihm und seiner Familie in der ersten Zeit zwei Frauen, die ihn in allen praktischen Fragen unterstützt haben. Auch bei der Diakonie hat er Hilfe bekommen, als ein Kauf im Internet schiefging und er eine Zahlungsaufforderung bekam.

Schiri und Snookerhalle

In Syrien war er selbstständig. Er hatte eine Billard- und Snookerhalle und verdiente auch als Schiedsrichter Geld. Damit kann man in Deutschland nicht seinen Lebensunterhalt verdienen. Alkhatib musste sich deshalb beruflich umorientieren. Nach dem Deutschkurs beriet ihn Maria Bogner, die Jobbegleiterin des Landkreises. Nach intensiven Gesprächen und mehreren Praktika wurde klar, dass er Busfahrer werden könnte.

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So besuchte er in Amberg bei ISE einen Vorbereitungskurs und machte dann den Busführerschein. Jetzt arbeitet er beim Reisebüro Bruckner. Normalerweise fährt er Stadtbusse, könnte aber auch mit Reisebussen weitere Touren machen. Die Arbeit macht ihm Freude, außerdem hat er dadurch die Möglichkeit, regelmäßig Deutsch zu sprechen und so seine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Auch seine beiden Söhne sind auf einem guten Weg: Der ältere macht eine Ausbildung als Elektrotechniker, der jüngere als Lkw-Mechaniker. Nur seine Frau hat - auch nach einem Gastronomiekurs bei ISE in Amberg - noch keine Arbeit gefunden. Aber das kann nach der aktuellen Krise ja noch kommen.

Ahmad Alkhatib ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit und seinem Leben. Er kann sich nicht vorstellen, wieder nach Syrien zurückzukehren: "Hier haben wir alles, was wir brauchen: Arbeit und vor allem Frieden."

Noch vor zwei Jahren hätte er nicht gedacht, dass er je Busfahrer werden würde, aber jetzt weiß er, dass dieser Beruf für ihn genau richtig ist.

Studium anerkannt

Ammar Baroudhatte in Syrien als Chemiker eine gute Stelle. In Deutschland musste er noch einmal von vorn anfangen: Ammar Baroud ist 40 Jahre alt. Seine Frau und die beiden Töchter sind seit 2015 in Deutschland, er kam 2017 nach. In Deutschkursen lernte er fleißig, dann fand er eine Wohnung, wo auch Platz für den 2018 geborenen Sohn ist, und suchte Arbeit. Obwohl sein Studium an der Universität Damaskus anerkannt wurde, sah es lange so aus, als gäbe es für ihn nur Hilfsarbeitertätigkeiten.

Im Herbst letzten Jahres hatte er endlich Glück. Er wurde als Chemiker beim Labor Kneißler in Burglengenfeld eingestellt und analysiert seitdem Obst und Gemüse auf Rückstände von Pestiziden. Diese Tätigkeit entspricht seiner Qualifikation und sie macht ihm Freude, auch wenn er am Anfang viel Neues lernen musste.

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Sulzbach-Rosenberg

Jetzt unser Land

Er ist sehr zufrieden - und dankbar: "Deutschland hat uns ein neues Leben ermöglicht, hat uns mit einer Wohnung, Sozialhilfe und Sprachkursen geholfen. In unseren Herzen fühlen wir, dass jetzt Deutschland unser Land ist. Deshalb wollen wir Deutschland auch etwas zurückgeben." Als er noch nicht arbeitete, engagierte sich Baroud in Amberg bei der Tafel. Nach den Ausgangsbeschränkungen will er erneut ehrenamtlich tätig werden.

Nicht nur Baroud fühlt sich hier zuhause. Wenn sein Sohn ab Herbst in die Krippe geht, will auch seine Frau Arbeit suchen oder wieder einen Deutschkurs besuchen. Die beiden Töchter fühlen sich in der Schule wohl. Die große ist in der 5. Klasse am Gymnasium, die Kleine besucht die 2. Klasse. Beide empfinden Deutsch als ihre zweite Muttersprache. Schließlich fasst Baroud lächelnd seine Erfahrungen zusammen: "Man darf sich nicht unterkriegen lassen."

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