12.07.2020 - 16:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bündnis gegen Stromtrasse gefordert

Die geplante Stromtrasse der Bahn soll bei Prohof das Stadtgebiet von Sulzbach-Rosenberg schneiden. Im Bauausschuss regt sich Kritik am Streckenverlauf. Auch die Corona-Auflagen im Waldbad sind ein Thema.

Noch herrscht ländliche Idylle in Prohof, dem südlichsten Stadtteil Sulzbach-Rosenbergs. Sollte die Deutsche Bahn ihre Pläne zum Bau einer neuen Stromtrasse nicht mehr ändern, könnte es damit bald vorbei sein: Die Trasse würde mit 28 Meter hohen Masten Prohof in westlicher und südlicher Richtung umlaufen. Betroffen wäre die Wiese vor dem Waldstück in der rechten Bildhälfte und das Areal, das sich circa 200 Meter links vom Ortsschild anschließt.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

In der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses des Stadtrats beschäftigten sich die Mitglieder mit einem in der Bevölkerung hitzig debattierten Thema: Dem geplanten Stromtrassenbau der Bahn, der Sulzbach-Rosenberg und die umliegenden Gemeinden direkt betrifft.

Zur Elektrifizierung der Strecken in Nordostbayern will die Bahn im Abschnitt von Ottensoos über Amberg bis Irrenlohe eine neue Stromtrasse bauen (wir berichteten). In der Entwurfsplanung schneidet der 200 Meter breite Trassierungsstreifen das Stadtgebiet knapp am äußersten Südrand bei Prohof. Genau wie in den Gemeinden im westlichen Landkreis regt sich in der Bevölkerung Widerstand gegen den Bau der überwiegend oberirdischen Leitung mit rund 28 Meter hohen Masten und einem dazugehörigen 60-Meter breiten Schutzstreifen.

Leitung wird noch nicht gebraucht

Wenig Verständnis bei den Menschen gäbe es laut Rechtsdirektor Harald Mizler vor allem dafür, dass die Trasse zwar schon jetzt gebaut werden soll, aber der Bund für die Strecke Nürnberg-Schwandorf-Furth im Wald noch gar nicht endgültig grünes Licht gegeben hat. Die Leitung würde also vorsorglich in die Landschaft gestellt, ohne dass bereits jetzt schon zwingender Bedarf bestünde. "Die Leitung dient jetzt noch nicht originär der Versorgung der Metropolenbahn, das ist ein Problem", sagte Mizler. Und weiter: "Unser Vorschlag ist, die Trasse im zeitlichen Gleichlauf mit der Elektrifizierung der Strecke zu bauen und eine umweltschonendere Variante zu finden."

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn ergänzte, dass in der Region Landschaftsschutzgebiete zerschnitten würden und Gebiete betroffen seien, die bislang nicht überspannt sind. "Das ist dann schon eine Belastung für die Anwohner." Zahn plädiert vehement für Alternativen. So schlägt er mehr Erdverkabelung vor, die Trasse parallel zur Bahnlinie zu verlegen, die Kabelführung über bestehende Masten zu leiten oder direkt über die Oberleitungen laufen zu lassen.

Bahn ja – Trassenverlauf nein

Dazu regte Zahn in der Sitzung an, ein interkommunales Bündnis zu schließen, um den Druck auf die Bahn zu erhöhen: "Wir brauchen ein Bündnis der Bürgermeister aller betroffenen Gemeinden gemeinsam mit dem Landrat mit dem Ziel, auf die Bahn einzuwirken, eine umweltverträglichere Lösung zu finden. Nur mit einem großen Bündnis kann etwas bewegt werden."

Erster Bürgermeister Michael Göth zeigte sich dafür offen und sagte, dass viele Bürger Bedenken geäußert hätten. Dem Rathauschef ist aber wichtig, zu differenzieren: "Unsere Kritik bedeutet nicht, dass wir die Metropolenbahn nicht wollen – ganz im Gegenteil. Aber die Trasse selbst muss möglichst umweltverträglich gebaut werden."

Wir brauchen ein Bündnis der Bürgermeister aller betroffenen Gemeinden gemeinsam mit dem Landrat. Nur mit einem großen Bündnis kann etwas bewegt werden.

Umweltschutzbeauftragter Peter Zahn zum Stromtrassenbau der Bahn

Unter dem Punkt "Anfragen" kam in der Sitzung auch das Coronaregime im Waldbad zur Sprache. Florian Bart (JU) regte an, "den aktuell stark eingeschränkten Badebetrieb langsam wieder aufzulockern". Momentan herrscht dort Schichtbetrieb - maximal 100 Gäste dürfen für 1,5 Stunden ins Bad, bevor die nächste Tranche eingelassen wird. Pro Tag können somit höchstens 500 Personen das Bad benutzen. Die Wärmehalle, Gemeinschaftsräume sowie das Planschbecken sind gesperrt.

In anderen Bädern der Region, wie dem Hockermühlbad in Amberg, seien die Vorgaben – beispielsweise bei der Gesamtbesucherzahl – weniger streng, sagte Barth. "So, wie es jetzt ist, macht es keinen Spaß. Angesichts der Infektionszahlen, die wir bei uns haben, kann man schon mal über Lockerungen nachdenken."

"Bayerischer Weg" im Waldbad

Bürgermeister Michael Göth entgegnete: "Dieses Jahr steht im Bad eher der Sport im Vordergrund." Zudem müsse bedacht werden, dass man zwar schon mehr Besucher aufs Gelände lassen könnte, doch die Anzahl der Personen im Becken nach Quadratmeterzahl berechnet würde und damit naturgemäß begrenzt bleibe. "Wir können schon mehr Leute reinlassen, aber das würde dann bedeuten, dass sie im Bad sitzen und nicht alle gleichzeitig ins Becken können", erklärte er.

Bart wiederum verwies auch auf den Charakter des Bades als Freizeiteinrichtung mit seiner großen Liegewiese und dem Beachvolleyballfeld: "Viele Menschen haben Kinder aber keinen Garten oder nur eine kleine Wohnung. Für die geht es nicht nur ums Schwimmen, sondern auch um das Bad als Freizeitstätte als Ganzes."

Die Badesaison 2021 im Waldbad könnte komplett ausfallen.

Sulzbach-Rosenberg

Göth zeigte sich verständnisvoll gegenüber den Wünschen der Bürger nach mehr Freiheiten im Bad, verteidigte in Anspielung auf den strengen Kurs des bayerischen Ministerpräsidenten in der Coronakrise aber die Linie der Stadtverwaltung: "Ich bin mir bewusst, dass wir mit der derzeitigen Lösung nicht nur Liebhaber gefunden haben. Wir haben bisher eher den bayerischen Weg in der Krise gewählt, sind damit aber gut gefahren."

Dennoch sieht das Stadtoberhaupt "Luft nach oben" und deutete an, dass es schon bald Lockerungen geben könnte. Die Verwaltung würde über ein größeres Besucherkontingent und eine Verlängerung der Besuchszeiten auf zwei Stunden diskutieren. Auch die Öffnung des Planschbeckens könnte kommen. "Unser Ziel ist, dass wir den Bürgern bis zur Ferienzeit mehr Möglichkeiten im Bad geben", sagte Göth.

Campingplatz für das Waldbad

Ebenfalls zum Thema Waldbad kam von Christian Steger (CSU) die Anfrage, ob nicht auf dem Gelände eine Camping-Nutzungsfläche ausgewiesen werden könne. Dies würde die Attraktivität des Bades steigern – und: "Gerade in Coronazeiten hat der Camping-Urlaub einen riesigen Boom erlebt, das sollte man mal diskutieren." Auch hier zeigte sich Göth offen, der Vorschlag soll demnächst weiter erörtert werden.

Zum Thema E-Car-Sharing wiederum schlug Martin Kunert von SuRo 2030 vor, einen Vertreter der Firma "E-Wald" zur nächsten Sitzung einzuladen. Weil geplant sei, künftig E-Car-Sharing im Stadtgebiet anzubieten, könnten Experten-Informationen dazu "für die weitere Entscheidung hilfreich sein".

Die Bürgermeister sind alarmiert, sie kündigen Widerstand gegen die Stromtrasse der Bahn an.

Illschwang

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