07.06.2021 - 16:23 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ehrentitel: Kerstin Dikhoff jetzt Kirchenmusikdirektorin

Kerstin Dikhoff (47), die in Sulzbach-Rosenberg aufwuchs, lebt heute in Nürnberg und arbeitet dort seit dem Jahr 2000 als Landesposaunenwartin. Nun ernannte die evangelische Landeskirche sie zur Kirchenmusikdirektorin.

Kerstin Dikhoff, die in Sulzbach-Rosenberg aufgewachsen ist, arbeitet seit 21 Jahren als Landesposaunenwartin der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern und lebt heute in Nürnberg. Ob ihrer Verdienste wurde ihr der Ehrentitel Kirchenmusikdirektorin verliehen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Die Musik hat im Leben von Kerstin Dikhoff schon immer eine gewichtige Rolle gespielt. Angefangen hat sie als Kind mit der musikalischen Früherziehung, Klavierstunden gesellten sich hinzu. Später lernte sie Tenorhorn und auch noch Cello. "Ich habe mich zu den tiefen Instrumenten hingezogen gefühlt", gesteht die 47-Jährige, die heute Landesposaunenwartin der evangelisch-lutherischen Landeskirche ist.

Die Posaune allerdings ist ihr Lieblingsinstrument. "Sie ist so individuell, so vielfältig", schwärmt sie über dieses Instrument und findet, dass die Posaune der menschlichen Stimme am nächsten sei. Bei all der Faszination für die Posaune, für Kerstin Dikhoff steht das gemeinsame Musizieren mit Gleichgesinnten im Vordergrund. Dass Kerstin Dikhoff damals, als sie mit Mädchennamen noch Lehnerer hieß und im Rosenberger Ortsteil Breitenbrunn mit zwei jüngeren Geschwistern aufwuchs, überhaupt zur Posaune gekommen ist, war kein Zufall. Schließlich leitet ihr Vater Kurt Lehnerer seit 51 Jahren den Rosenberger CVJM-Posaunenchor. Und so lernte sie bei ihrem Papa in einer Gruppe mit acht Leuten, Posaune zu spielen. "Da war ich elf Jahre alt", sagt die Nürnbergerin im Rückblick.

Wöchentlich ins Konservatorium

Ihren ersten professionellen Posaunenunterricht bekam sie an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg. Mit 16 Jahren war sie Gaststudentin am Konservatorium in Nürnberg, fuhr einmal die Woche in die Stadt, in der sie heute lebt und arbeitet, und spielte auch in der Big Band des Konservatoriums. Kerstin Dikhoff erinnert sich zurück an einen Herbst vor vielen Jahren. Damals war sie 15 Jahre alt, die Ferien standen vor der Tür. Und ihr Vater wollte sie auf einen Lehrgang für Chorleiter schicken - für Teenager nicht gerade die erste Wahl der Freizeitgestaltung in der schulfreien Zeit. "Gefahren bin ich trotzdem", erinnert sie sich. Bereut hat sie es im Nachhinein nicht. Die wichtigste Erfahrung, die sie auf dem Lehrgang in Pappenheim machte: "So toll kann Posaune klingen." Total geflasht sei sie damals gewesen, gesteht Kerstin Dikhoff.

Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Medizinstudium in Regensburg, merkte aber schnell, dass das nichts für sie war - und kehrte zurück zur Musik, studierte Posaune in Nürnberg (damals noch Konservatorium, heute Hochschule für Musik) und Mannheim. Seit 2000 ist sie eine von vier Landesposaunenwarten des bayerischen Posaunenchorverbandes. Die Betreuung der Posaunenchöre im Freistaat teilt sie sich mit Kollegen, wobei es ihren Angaben nach keinen festen Sprengel gibt. "Jeder fährt überall hin", sagt sie. Und deshalb ist sie bei Chören in Hof, München und Weiden genauso wie bei Posaunengruppen in Neu-Ulm. Doch wegen der Coronapandemie sind Präsenztermine aktuell nicht möglich, wenngleich es zum 21. Mai Lockerungen bei der Laienmusik gegeben hat und wieder geprobt werden darf.

Aufgabe der Landesposaunenwarte ist es, als Berater die Ausbildung zu begleiten, Chorschulungen anzubieten, aber auch Coaching auf Dekanatsebene, wo man dann durchaus mal mit 80 Leuten probt. "In Gunzenhausen waren es sogar mal 200", erzählt sie. Ihre Aufgabe gefällt ihr "total gut". Es sei ein großes Glück und Privileg, "dass ich mit so einem tollen Team zusammenarbeiten darf", spricht sie ihren Kollegen höchste Anerkennung aus. Kerstin Dikhoff muss nicht lange nachdenken, was ihr absolutes Highlight an Großveranstaltungen bislang war: die Abendserenade beim Deutschen Posaunentag 2016 in Dresden. Voller Begeisterung erzählt sie davon. Auf der einen Seite der Elbe, auf der Brühlschen Terrasse, waren die vereinten Jugendposaunenchöre (380 junge Leute aus dem gesamten Bundesgebiet), die sie dirigierte, auf der anderen Seite des Flusses 10 000 bis 15 000 Bläser, ebenfalls aus ganz Deutschland. "Das war das Tollste, was ich bislang erlebt habe: das Größte, das Aufregendste, das Schönste."

Stolz auf den Ehrentitel

Aus einem Grund liegt ihr dieses Dirigat besonders am Herzen: Weil sie die "Erfinderin" der Institution Landesjugendposaunenchor ist. Schließlich hatte sie in Bayern den ersten gegründet. Und freut sich, dass ihr Konzept inzwischen in der ganzen Republik übernommen wurde. Seit wenigen Wochen ist Kerstin Dikhoff Kirchenmusikdirektorin und damit Trägerin eines Ehrentitels, der traditionell am Sonntag nach Kantate (das war heuer der 2. Mai) verliehen wird. Bescheiden wehrt sie ab: "Diesen Titel hätten meine anderen Kollegen genauso verdient." Nichtsdestotrotz ist ihre Freude riesig, zumal sie als erste nicht-leitende Posaunenwartin diesen Titel bekommen hat.

Knapp zwei Wochen vor der offiziellen Verleihung habe sie davon erfahren - in einem dienstlichen Zoom-Meeting. Für sie war es eine völlige Überraschung. Sie wunderte sich nur, warum plötzlich Kirchenrat Manuel Ritter, im Landeskirchenamt der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern zuständig für Spiritualität und Kirchenmusik, teilnahm. Und staunte nicht schlecht, als sie am Bildschirm obendrein noch ihre Eltern, Ingrid und Kurt Lehnerer, sah. Ihre Online-Ernennung zur Kirchenmusikdirektorin sei ein würdiger Rahmen gewesen, blickt Kerstin Dikhoff zurück. Daran beteiligt war auch ihre 24-jährige Tochter Antonia. Sie hatte für die musikalische Ausgestaltung gesorgt und für die Mama ein kleines Video geschnitten.

Begegnungen mit Menschen

Die frisch ernannte Kirchenmusikdirektorin hofft aber, dass eine Präsenz-Feier nachgeholt werden kann, wenn Corona vorbei ist. Ein schönes Fest mit sehr vielen Bläsern, das wäre ganz nach ihrem Geschmack. Posaune und Euphonium, ein tiefes Blechblasinstrument, spielt Kerstin Dikhoff heute noch gerne. Dieser Leidenschaft geht sie in ihrem Quartett "4 Bones 4 fun" und bei "Gloria brass", dem Auswahlensemble des Posaunenchorverbandes, nach, wenngleich sie berufsbedingt häufiger vor den Chören steht und dirigiert.

Die Begegnung mit Menschen sei ihr enorm wichtig, sagt sie in aller Deutlichkeit. Dass sie mit Leuten arbeiten kann, die motiviert sind, die gerne in einem Posaunenchor spielen, sei das Schönste: "Ich habe mega Spaß an meinem Beruf."

Kerstin Dikhoffs Lieblingsinstrument ist die Posaune. "Sie ist so individuell, so vielfältig“, schwärmt die 47-Jährige, die in Sulzbach-Rosenberg aufwuchs.
Hintergrund:

Voller Vorfreude auf die nächsten großen Events

  • 2022: Bayerischer Landesposaunentag vom 8. bis 10. Juli 2022 in Nürnberg (sollte anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Verbands der evangelischen Posaunenchöre in Bayern schon heuer stattfinden, wurde aber wegen der Coronavirus-Pandemie auf nächstes Jahr verlegt).
  • 2023: deutscher evangelischer Kirchentag vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg.
  • 2024: deutscher evangelischer Posaunentag in Hamburg (weltweit größtes Posaunentreffen mit 25.000 Blechbläsern).

CVJM-Posaunenchor organisierte 20 Jahre lang Läufergottesdienste

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