18.10.2019 - 15:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Erhalt des Hochofens der Maxhütte: Kostenfrage weiter offen

Der Stab über den Hochofen scheint noch nicht gebrochen, denn der Eigentümer setzt dort auf kulturelle Nutzung. Was da möglich ist und welche Kosten dadurch entstehen, sollte ein Gutachten klären. Bis jetzt liegt es aber nur in Teilen vor.

Für die Stadt Sulzbach-Rosenberg mit ihrer reichen Montangeschichte ist der Erhalt des Hochofens mit Umgriff ungemein wichtig.
von Redaktion ONETZProfil

Wie im Nachgang der Vorstellung des Gutachtens im Rathaus zu erfahren war, beauftragten das Amt für Denkmalpflege und die Stadt Sulzbach-Rosenberg eine Fachstelle mit der Ausarbeitung des Nachnutzungskonzepts für das gesamte Gelände. Was darin aber noch nicht zur Sprache kam, waren die Kosten für die Folgenutzung der Hochofen-Plaza mit Umgriff.

Das enttäuschte manche Zuhörer, denn gerade in der Finanzierung wird der entscheidende Faktor gesehen, um das Projekt in die Zukunft zu führen. Bis Ende des Jahres sollen die Zahlen nun vorliegen, hieß es aus dem Rathaus. Wie Rolf Höhmann vom Büro für Industriearchäologie in Darmstadt bei der Vorstellung des Teilgutachtens sagte, sei die Maxhütte ein schwieriger Fall. Das Werk besitze aufgrund seines Alters und wegen der teilweise einmaligen technischen Ausstattung hohen Denkmalwert. "Es ist das einzige integrierte Stahl- und Hüttenwerk in ganz Europa, welches auf engstem Raum alle Phasen der Produktion beinhaltet." Umso bedauerlicher sei aus dieser Sicht auch die Demontage des Stahlwerks.

Industriearchäologe Rolf Höhmann als Gutachter im Rathaussaal.

Jens Daube von der Firma Planinghaus erläuterte das Nachnutzungskonzept, das auf Basis eines vorläufigen Flächennutzungsplanes erstellt wurde. Dabei habe man versucht, den Konflikt zwischen Sondernutzungsflächen und Wohngebieten zu entschärfen, die Grenzen zwischen diesen Flächen verschoben und bestehende Infrastruktur mit erhaltungswürdigen Gebäuden mit einbezogen. Anhand von Plänen erläuterte Daube die verschiedenen Ist- und Vorschlagssituationen. Er plädierte in diesem Zusammenhang dafür, alles dauerhaft zu erhalten, was denkmalgeschützt sei und noch bestehe.

Der Abriss des Stahlwerks schreitet voran

Sulzbach-Rosenberg

Das Denkmal Hochofen mit Winderhitzern und einmaliger Begichtungstechnik, mit Plaza und benachbarten Hallen sollte keinesfalls mehr angetastet werden. Auch wenn im vorgelegten Nachnutzungskonzept einige neue Denkansätze zu erkennen oder deutlicher formuliert waren, gab es keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse. Am Ende herrschte Stille, denn Stadtrat und die Interessenvertreter warteten auf eine Aussage bezüglich der Sanierung und der weiteren Nutzung der sogenannten Hochofen-Plaza und die Kosten dafür. "Diese Frage muss erst detailliert bearbeitet werden", führte Jens Daube an. Zweiter Bürgermeister Günter Koller und Dritter Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein stellten mit Nachdruck erneut die Frage nach den Kosten. Denn ohne konkrete Kostenkalkulation für Sanierung und Nutzung stoße man bei der Landesregierung in München auf taube Ohren. Dies griff auch Sepp Lösch von der Initiative "Rettet den Hochofen" auf und plädierte für einen erneuten Vorstoß bei der Staatsregierung. Das vermutlich bedeutendste bayerische Industriedenkmal zu erhalten und einer sinnvollen künftigen Nutzung zuzuführen, übersteige die finanziellen Möglichkeiten der Stadt und des Landkreises. "Erster Bürgermeister Michael Göth und Landrat Richard Reisinger müssen den Hochofen zur persönlichen Chefsache machen und gemeinsam bei Ministerpräsident Söder vorstellig werden", so Lösch.

Etwa 5 Millionen Euro

Bernhard Dobler als Vertreter des Eigentümers der Maxhütte wunderte sich über die Ausweisung von Wohneinheiten auf verschiedenen Geländeabschnitten. Auch im Nachnutzungsplan des Eigners seien Wohneinheiten angedacht, die jedoch bei einer Vorabanfrage wegen Immissionsschutzgesetzen als "sehr schwierig umsetzbar" beurteilt worden seien. Dobler stellte die Frage, ob in diesem konkreten Fall bereits Genehmigungsanfragen gestellt wurden. Ein konkretes Ja oder Nein zur Genehmigung war jedoch nicht zu hören.

Schließlich wurde in der Runde im Rathaus für den Erhalt des Hochofens, abhängig von der tatsächlichen Nutzung, eine Summe von rund 1,2 Millionen Euro genannt, basierend auf einem Gutachten aus dem Jahre 2008, bereinigt auf heutige Kostenstrukturen. Man müsse realistischerweise aber eher von 5 Millionen Euro ausgehen, warf Karl Reyzl ein. Die Kernfrage nach Nutzungsszenarien und den Kosten von Sanierung, Erhalt und Unterhalt sowie Bereitstellung einer Infrastruktur blieb bei der Vorstellung offen.

Die Ermittlung der Kosten als Teil eines neuen Gutachtens beruhe auf einem Stadtratsbeschluss vom 24. April 2018. Warum diese noch nicht vorliegen, stand zunächst als unbeantwortete Frage im Raum.

Hochofen-Plaza mit Umgriff aus der Vogelperspektive.
Info:

Bei der Stadtverwaltung nachgefragt

Mehr oder weniger dem "Prinzip Hoffnung" zugewandt, lassen sich die Äußerungen aus dem Rathaus interpretieren, wo mit einer Vorlage der Kostenaufstellung zur Folgenutzung der Hochofen-Plaza mit Umgriff bis Ende des Jahres gerechnet wird. Warum dies bis dato noch nicht geschehen sei, beruhe nach Aussagen von Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn auf der mehrgliedrigen Aufgabenstellung, die dem am 24. April 2018 beauftragten Gutachten zugrunde lag. Das am 18. September vorgelegte Teil-Gutachten beschäftigte sich ausschließlich mit einem Entwicklungsplan zur Qualifizierung und Nutzung des gesamten 43 Hektar umfassenden ehemaligen Maxhütten-Geländes. "Der zweite Teil des Gutachtens, der von uns bis Ende des Jahres erwartet wird, untersucht den Zustand der zu erhaltenden Bauteile mit Kostenschätzung. Und in einem dritten Teil soll ein Erhaltungs- und Instandsetzungskonzept vorgelegt werden", in formierte die Leiterin des Sulzbach-Rosenberger Baureferats. Wann letztlich mit der Vorlage des vollständigen Gutachtens durch das Darmstädter Büro für Industriearchäologie Rolf Höhmann gerechnet werden kann, blieb offen. Rechtsdirektor Harald Mizler sah in der Vorlage der Kostenschätzung die entscheidende "Hausnummer", um mit konkreten Zahlen an den Freistaat, die Politik und mögliche Förderstellen heranzugehen, was den Erhalt des Hochofens mit Umgriff letztlich Wirklichkeit werden lassen soll. Als mögliche Förderquellen wurden der Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und die Städtebauförderung genannt. Erinnert wurde im Rathaus am Rande auch an den Kabinettsbeschluss, dass sich der Freistaat einer Förderung des Hochofen-Erhalts nicht verschließen werde.

Der Hochofen der ehemaligen Maxhütte mit Umgriff.
Der Hochofen des früheren Eisenwerks mit Umgriff.

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